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Wie wollen die Kandidaten im Wahlkreis Lörrach-Müllheim den regionalen Fachkräftebedarf sichern?

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 12. September 2017 um 00:01 Uhr

Kreis Lörrach

Wir fragen die Kandidaten im Wahlkreis Lörrach-Müllheim: Fachkräfte sind regional rar, Reserven gäbe es noch im Elsass. Sehen Sie Optionen, diese für den hiesigen Arbeitsmarkt zu mobilisieren?

Armin Schuster, CDU

"Bereits heute gibt es Modellprojekte, die die Ausbildung junger Europäer in Deutschland fördern. Wir müssen in Zukunft dafür sorgen, dass die deutsche Ausbildung auch für unsere französischen Nachbarn attraktiver wird. Dort ist eine duale Ausbildung noch nicht sehr anerkannt. Die Arbeitsagenturen in Lörrach und Freiburg arbeiten hart daran und können Erfolge verzeichnen. Dafür gilt es, die engen Verbindungen von Angela Merkel zu Präsident Macron zu nutzen und Gespräche mit der EU-Kommission zu führen, inwieweit Hürden abgebaut werden können. Letztlich müssen wir aber auch als Zuzugsregion attraktiv bleiben, also Wohnraum und moderne Infrastruktur anbieten können."

Jonas Hoffmann, SPD

"Viele Unternehmen suchen Fachkräfte und finden sie nicht. Um dem zu begegnen, müssen wir bestmöglich ausbilden. Die Duale Hochschule, Unternehmen und Berufsschulen leisten da sehr gute Arbeit. Viele Menschen, die in der Region eine Ausbildung gemacht haben, bleiben hier und werden heimisch. Deshalb müssen duale Ausbildung und Studium gestärkt werden. Im Dreiländereck wird Europa gelebt und Unternehmen haben bereits gute Erfahrungen mit elsässischen und schweizerischen Auszubildenden gemacht. Sprache und Kultur sind Herausforderung und Bereicherung zugleich. Es muss mehr dafür getan werden, Sprach- und Kulturbarrieren zu überwinden, um die Region zu stärken."

Gerhard Zickenheiner, Grüne

Werben und fördern"Bereits heute arbeiten im deutschen Grenzgebiet viele französische Fachkräfte, was für mich ein positives Beispiel des grenzüberschreitenden Lebens in unserer Region ist. Durch Werbung für die betroffenen Berufsstände und durch die Wirtschaftsförderung der Landkreise, aber auch durch Integrationsangebote für geflohene Menschen in die Berufsausbildungen sollte der Fachkräftebedarf weiter abgesichert werden."

Christoph Hoffmann, FDP

"Die deutsche Sprache ist oft ein Hindernis für französische Kräfte. Daher müssen Sprachkenntnisse besser gefördert werden. Für französische Jugendliche bieten sich zweisprachige Lehren an, das gibt es als Modell bereits, das sollte man ausbauen. Aber das wird nicht reichen. Die FDP fordert seit 20 Jahren ein Einwanderungsgesetz, das Fachkräftezuzug erleichtert und klar unterscheidet zwischen Asyl, Kriegsvertriebenen und Fachkräftezuwanderung. Unser Mittelstand bietet die meisten Arbeitsplätze und hat Mangel an Arbeitskräften, die Situation in Handwerk, Gastronomie, Pflege ist äußerst kritisch."

David Trunz, Die Linke

"Zunächst einmal müssen wir definieren, was eine Fachkraft eigentlich ist. Als Fachkräfte werden oftmals nur Hochqualifizierte definiert, während zum Beispiel die Backwarenfachverkäuferin oder die Altenpflegerin sehr oft auf ein Niedriglohnniveau absinken, wovon überproportional viele Frauen betroffen sind. Das Lohnniveau sinkt in Deutschland immer weiter, während die Produktivität steigt. Motor dieser Produktivität sind die vielen prekär Beschäftigten, welche von der Wertschöpfung nicht profitieren. Wer den Fachkräftemangel beklagt, muss also auch die Lohnentwicklung beklagen. Ich wünsche mir an dieser Stelle mal eine ehrliche Debatte."

Wolfgang Fuhl, AfD

"Ja, Optionen sollte man prüfen. Es stellt sich jedoch die Frage, warum viele junge, qualifizierte Menschen ihre Zukunft im Schweizer Arbeitsmarkt sehen. Hier rächt sich der schwache Euro, bei einer starken D-Mark hätten wir viele Qualifizierte halten können. Die Schweiz mit ihrer eigenen, starken Währung zeigt, wie es geht. Die Aussicht auf schlechte Renten, zu geringer und teurer Wohnraum, zu geringe Förderung junger Familien, dieses Konglomerat schlechter Politik führte zu diesem Desaster. Warum hegt man die Hoffnung, dass es die Elsässer nach Deutschland zieht, wenn in der Schweiz eine bessere Altersvorsorge, bessere Löhne und billiges Einkaufen in Deutschland winken?"

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