Außergewöhnliche Berufe

Wie Yorkshireterrier Tommi einen Bob bekommt

Claudia Müller

Von Claudia Müller

Di, 03. August 2021 um 14:00 Uhr

Bad Säckingen

Michaela Beck ist Hundefrisörin. In ihrem kleinen Salon in Bad Säckingen verpasst sie Tieren einen neuen Haarschnitt.Dabei aber geht es um mehr als um den Geschmack von Herrchen oder Frauchen.

Vor Michaela Becks Salon Feingestylt steht ein Hund mit Pony. Tommi heißt er, der Yorkshireterrier, dem die dunkelblonden Fransen in die Knopfaugen hängen. Es ist mal wieder Zeit für den Frisör, hat sein Herrchen beschlossen und Tommi bei Michaela Beck vorbeigebracht.

Michaela Beck (44) ist Hunde- und Katzenfrisörin, vor rund einem Jahr hat sie den Hundesalon an der Schulhausstraße übernommen. Der Salon ist eher ein Kiosk, ein gemauerter Raum mit Fenstern zur Straßenseite, drinnen ein Tisch auf Rollen und ein großes Becken mit Brause und Shampoospendern. Begriffe können hier in die Irre führen: Bei der Hundefrisörin ist alles ein bisschen wie beim Menschen – und doch ganz anders.

Ein Herz für Tiere

"Ich sage immer: Für den Hund bin ich das, was für mich Frauenarzt oder Zahnarzt ist", sagt Michaela Beck, während sie den Trimmer über Tommis Rücken zieht. Links und rechts fallen die Locken, die braunen und hellgrauen Haare kringeln sich auf der Tischplatte oder segeln auf den Fliesenboden, wo sie flauschige Häufchen bilden. Neun Millimeter kurz soll Tommis Fell sein, wenn er den Salon verlässt. Tommi hält still, er kennt Beck und er kennt die Prozedur. Aus seinem Maul hängt die rosafarbene Zunge, der kleine Terrier hechelt. "Das ist Stress für ihn", sagt Beck. Verständnis für das Tier zu haben, das ist für Michaela Beck das Wichtigste in ihrem Beruf. "Der Hund muss hinhalten, er muss sich auf mich verlassen", erklärt sie. Ein bisschen eben, wie wenn wir der Länge nach ausgestreckt unseren Kiefer aufsperren müssen, während ein Mensch, dessen möglicherweise beruhigendes Lächeln hinterm Mundschutz verschwindet, mit Werkzeug und Spiegelchen zwischen unseren Zähnen herumwerkelt.

Beck beschreibt sich als einen tierlieben Menschen: "Wenn ich mit meiner Oma in der Fasnachtsclique war, dann habe ich die Gutzli nicht an die Kinder, sondern an die Hunde verteilt." Am liebsten hätte sie einen Hof mit einem ganzen Zoo, erzählt sie. Dafür hat es nicht ganz gereicht, doch immerhin Shiz-Tzu-Hündin Meili und zwei Katzen leben bei Beck, ihrem Mann und der elfjährigen Tochter in Wallbach.

Ein Traumjob

Im März 2020 hat Michaela Beck den Hundesalon übernommen. Und auch wenn die Pandemie den Start in die Selbstständigkeit zunächst etwas verzögert habe – sie habe ihren Traumjob gefunden, sagt Beck heute. Dabei hat sie einst Menschenhaar frisiert. Doch die Ausbildung zur Friseurin hat sie abgebrochen und stattdessen viele Jahre lang bei Vita und Grieshaber gearbeitet. "Als Mädchen für alles", meint Grieshaber. Als sich die Möglichkeit bot, den Hundesalon zu übernehmen, habe sie zunächst gezögert. In die Selbstständigkeit gehen und das mit mehr als 40 Jahren? Es sei ihr Mann gewesen, der sie schließlich überzeugt habe. Online hat sie sich zur Hundefrisörin ausbilden lassen, an Wochenenden die Praxiseinheiten absolviert. Drei Monate lang habe sie sich zudem bei ihrer Vorgängerin ausbilden lassen, erzählt sie.

Mit einer großen Schere kürzt Michaela Beck das Fell an Tommis Kopf. Das Haar so lang wie die kleinen Schlappohren. Ein Bob quasi, für Hunde. Frisurenmoden gibt es für Tiere nicht, meint Beck. Ohnehin gelte: "Es geht nicht nur um die Ästhetik, sondern um die Gesundheit." So ist der Haarschnitt für den Hund nicht nur eine Frage des Geschmacks von Herrchen oder Frauchen, sondern auch Teil der Fellpflege. Verfilzt das Fell, können sich Parasiten einnisten, das Haar an den Pfoten muss gekürzt werden, weil die Hunde dort stark schwitzen. After und Ohreneingänge dürfen nicht zuwachsen, die Zähne müssen regelmäßig gereinigt, die Krallen gekürzt werden. "Wenn ich mir einen Hund zulege, muss ich mich schlicht und ergreifend um ihn kümmern", sagt Beck.

Ästhetik und Pflege

Ein kurzes Fiepen. Zum Schluss knipst Michaela Beck Tommis Krallen ab, ganz vorsichtig, damit sie nicht versehentlich den Nerv erwischt. Die meiste Zeit hat der Yorkshireterrier während des rund einstündigen Friseurbesuchs aber stillgehalten.

Das schafft nicht jeder Hund, meint Beck. Manch einer fange schon zu heulen an, wenn er die Krallenzange nur sieht. Wenn es nicht anders geht, leint Michaela Beck die Tiere an, damit sie nicht im Schreck vom Tisch springen. Sie möchte es den Tieren leichter machen: Wenn möglich, nimmt sie die Schere statt den Trimmer und den Waschlappen statt der Brause. Anderes wiederum müsse einfach sein. "Da hilft dann nur viel Geduld und Liebe zum Hund", sagt Michaela Beck. Und das Wissen, dass ihre vierbeinigen Kunden nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Angst beißen.