"Wir hatten furchtbare Angst"

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Von Hans-Jürgen Hege & BZ-Redaktion

Mo, 23. November 2020

Zell im Wiesental

IM PORTRÄT: Maria Schlageter aus Zell wird 90 / 1944 hat sie die Bombardierung Freiburgs gesehen.

"90 Jahre sind es wert, dass man dich besonders ehrt", reimte Schwiegertochter Marina. Und Sohnemann Ernst ließ auf die Bitte, seine Mutter zu fragen, ob sie anlässlich ihres runden Geburtstags eine kleine Laudatio auf ihr bewegtes Leben in der "Badischen Zeitung", ihrem Heimatblatt, lesen möchte, keine Zweifel aufkommen: "Sie muss! Nach so vielen Jahren hat sie das verdient. Deshalb wird da gar nicht erst nachgefragt."

Also dann: Maria Elisabeth Schlageter feiert heute am Montag ihren 90. Geburtstag. Auf den Besuch des Bürgermeisters muss sie wegen der Corona-Pandemie verzichten. Nicht aber auf die Urkunde des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Und nicht auf ihre Familie, auf Schwiegerkinder, Sohn Ernst, die beiden Töchter Barbara und Monika, auf vier Enkel sowie die drei Urenkelinnen Lena, Mia und die gerade mal fünf Monate alte Lia.

Einer aber fehlt ihr besonders. Ihr Mann Fridolin ist im Januar 2000 verstorben. Ihn hatte die älteste Tochter von Franz und Anna Zimmermann, die in Künaberg aufwuchs, in Stutz zur Schule ging und nach dem frühen Tod ihrer Mutter nicht nur die elterliche Landwirtschaft, sondern auch ihre drei jüngeren Geschwister mitversorgte, bei einem Theaterstück in Fröhnd-Kastel kennen- und lieben gelernt.

Am 23. Mai 1953 heiratete sie den Zeller Landwirt Fridolin Schlageter, an einem Pfingstsamstag also, und sinnigerweise in der Bad Säckinger "Fridolinskirche", schwelgt sie in "schönen Erinnerungen", ohne die schweren Zeiten zu vergessen: "Ich war 14, als ich mit meinen Freunden und meinen Geschwistern von Künaberg aus zusehen musste, wie Freiburg bombardiert wurde. Wir haben furchtbar gefroren. Und wir hatten furchtbare Angst", gibt sie zu, verhehlte aber auch nicht, dass der Krieg um ihre Heimat einen Bogen gemacht habe, bis auf den Einmarsch der Franzosen 1945, die "alle Häuser im Dorf durchsuchten und mitnahmen, was nicht niet- und nagelfest gewesen ist."

Ihren Geburtstag heute feiert sie für ihr hohes Alter erstaunlich fit. Noch immer arbeitet sie zumindest zeitweise auf dem Bauernhof, den sie vor 35 Jahren der Familie ihres Sohnes überschrieb. Sie kümmert sich um ihren Bauern-Garten, um ihre Hühner, um ihre Katzen und um ihren vierbeinigen Freund "Max", einen Hund, der nicht von ihrer Seite weicht und mit ihr Freud und Leid teilt. Und sie geht Montag für Montag ins Frauenturnen beim DRK Zell, was sie nach wie vor "super fit" hält.

Zur Person: Maria Schlageter wurde am 23. November 1930 geboren und wuchs in Fröhnd-Künaberg auf. Mit ihrem Mann betrieb sie später eine eigene Landwirtschaft in der Schopfheimer Straße in Zell. Sie hat drei Kinder
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