Karikaturen

WIR MÜSSEN REDEN: Da hört der Spaß auf

Manuela Müller

Von Manuela Müller

Do, 24. Dezember 2020

Wir müssen reden

"Das ist einfach geschmacklos", schreiben uns Leserinnen und Leser manchmal. Mit dieser Aussage beziehen sie sich zum Beispiel auf Überschriften oder die Auswahl der Fotos. In Leserbriefen begründen sie dann ihre Meinung mit diversen Argumenten.

Anders ist das aber meistens bei Unmut über Karikaturen. Warum diese für "geschmacklos", "beleidigend", "untragbar" oder "völlig daneben" gehalten werden? Wir erfahren es in den Zuschriften in den seltensten Fällen.

Selbstverständlich scheiden sich bei der Bewertung von Karikaturen die Geister. Das liegt in der Natur der Sache: Die Zeichnungen stellen ein Thema in überspitzter – und im besten Fall auch komischer – Art dar. Die Karikaturisten bedienen sich meist ironischer Mittel, machen Personen oder Personengruppen lächerlich. Da hört bei mancher Leserin und manchem Leser der gute Geschmack genauso auf wie der Spaß. Zum Beispiel bei der Karikatur vom 10. Dezember, in der eine Bettlerin dargestellt war – und zwei Passanten. Einer davon sagte zur Begleitung, die Bettlerin könne doch über Weihnachten ins Homeoffice gehen. Das fanden einige Leser zynisch und nicht lustig, was sie uns in einem einzigen Satz mitteilten.

Soll das nun ein Leserbrief sein? Nein, finden wir. Denn, wer die kritisierte Karikatur nicht vor Augen hat und keine weiteren Argumente zu deren Beurteilung geliefert bekommt, kann die Aussagen "Das ist zynisch" oder "Das ist geschmacklos" schwerlich nachvollziehen. Gerne würden wir solche Lesermeinungen veröffentlichen. Von den Kritikern der überspitzten Zeichnungen wünschen wir uns aber mehr Inhalt: Erklären Sie kurz, was die Karikatur beinhaltet und begründen Sie Ihre Meinung! Das wäre ein Gewinn.