Satire

WIR MÜSSEN REDEN: Wenn ein Text Hass und Hetze hervorruft

Manuela Müller

Von Manuela Müller

Sa, 27. Juni 2020 um 09:00 Uhr

Wir müssen reden

Satirische Texte versteht nicht jeder als ironisch verpackte Kritik. Selbst Autorinnen und Autoren von Leserbriefen erhalten als Reaktion manchmal Hassbriefe.

Der Sinn von Satire ist die Überspitzung eines Themas, um dadurch Kritik an einem Ereignis oder einer Person zu üben. Doch dieser völlig übertriebene Spott als Kunstform des Journalismus wird nicht immer als solcher erkannt. Das kann daran liegen, dass die Satire einfach nicht gut geschrieben ist. Oft allerdings verstehen die Kritiker solcher Texte die darin enthaltene Ironie nicht oder sind insgesamt recht spaßbefreite Zeitgenossen. Nach satirischen Äußerungen – wie etwa dem sogenannten Schmähgedicht von Jan Böhmermann gegen den türkischen Präsidenten Erdogan oder die kürzlich in der taz veröffentlichte Kolumne "All cops are berufsunfähig" – bäumen sich die Empörungswellen regelmäßig auf. Damit können sie den gesellschaftlichen Diskurs befruchten, was durchaus wünschenswert ist.

Von den Autorinnen und Autoren nicht gewollt (das unterstelle ich), sind der oft folgende Hass und die Hetze. Diese schlagen nach satirischen Texten nicht nur professionellen Schreiberinnen und Schreibern entgegen, sondern immer wieder auch unseren Leserbriefautoren. Das geht sogar so weit, dass die Verfasser eindeutig überspitzter Zuschriften schon anonyme Briefe mit Beschimpfungen und Drohungen im Briefkasten hatten. Um die Leserbriefschreiberinnen und -schreiber vorzuwarnen, melde ich mich daher mittlerweile vor der Veröffentlichung bei ihnen, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass ihr Text solch extreme Reaktionen hervorrufen kann.

Traurig, dass das nötig ist, weil sich Personen von Texten zu hasserfülltem Handeln verleiten lassen. Dabei geht es bei Satire nur um eine in Ironie verpackte Kritik. Man möchte den Spaßbefreiten zurufen: Kritikfähigkeit ist eine Tugend – und Satire eine Kunstform.