Arbeitsmarkt

Automobilzulieferer in Südbaden verringern Zeitarbeit

Hannah Fedricks Zelaya

Von Hannah Fedricks Zelaya

Mi, 10. Juli 2019 um 15:22 Uhr

Wirtschaft

Südbadische Autozulieferer haben die Zahl der Zeitarbeiter zurückgefahren. Das spricht für eine schlechte Lage in der Autoindustrie und eine schwächere Konjunktur. Eindeutig sind die Zeichen aber nicht.

Bundesweit waren im April 88.000 Menschen weniger in der Zeitarbeit beschäftigt als im April 2018, ein Rückgang von rund zehn Prozent. Die Arbeitsagentur Freiburg registrierte im Dezember (neuere Zahlen gibt es nicht) einen Rückgang von rund 16 Prozent bei den Zeitarbeitern gegenüber dem Vorjahr.

"Es gibt eine Daumenregel für Ökonomen, die besagt, dass die Zeitarbeit die Konjunktur antizipiert, wenn’s nach oben geht", sagt Alexander Spermann, habilitierter Volkswirt und Dozent an der Universität Freiburg.

Umgekehrt gelte diese Regel nicht. Die Gründe für den Rückgang bei der Zeitarbeit sieht Spermann vor allem in der aktuellen Lage am Arbeitsmarkt. Diese verschaffe Arbeitnehmern eine enorm starke Verhandlungsposition. "Bei derzeit deutschlandweit über einer Million offener Stellen, bekommen Unternehmen momentan nur qualifizierte Arbeitnehmer, wenn sie unbefristete, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung anbieten." Dies gehe auch zu Lasten der Zeitarbeit.

Gründe für den Rückgang der Zeitarbeit

Nicht so optimistisch sind die Forscher vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit. Sie haben versucht, die Gründe für den Rückgang der Zeitarbeit zu ergründen. Die Konjunktur, so das Fazit ihrer Untersuchung, ist dabei ein wichtiger Aspekt – aber nicht der einzige. 2017 trat nämlich eine Reform der Zeitarbeit – juristisch präzise Arbeitnehmerüberlassung – in Kraft.

Seither gilt für Zeitarbeiter, dass sie nach neun Monaten gleich bezahlt werden müssen wie die Festangestellten, und dass die Überlassungsfrist bei höchstens 18 Monaten liegen darf. "Beides führt dazu, dass Zeitarbeit für Unternehmen unattraktiver wird", sagt Spermann. Auch dieser Effekt spielt beim Rückgang der Zeitarbeit eine Rolle.

Große Umschichtungen

Andreas Schubert, Geschäftsführer der Zeitarbeitsfirma Contempo Personal in Freiburg, bestätigt, dass es als Folge der Gesetzesänderung große Umschichtungen gegeben habe. "Das ist aber alles bis September 2018 geschehen." Seit Anfang dieses Jahres sei die Anzahl der Überlassungen konstant und die Nachfrage nach Fachkräften bei Contempo ungebrochen hoch. "Selbst in der Automobilzulieferindustrie, die ja gewisse Umsatzeinbußen im laufenden Jahr hat, konnten wir noch keinen Rückgang von Zeitarbeitnehmern registrieren."

Helene Schmidt vom Personaldienstleister Randstad hingegen beobachtet seit einigen Wochen einen Rückgang in der Produktion der Automobilindustrie. Dies schlage auf die Zulieferindustrie durch und wirke sich auch auf die Personaldienstleister im Großraum Freiburg aus. Zahlen nennt Schmidt ebenso wenig wie Schubert.

Beide betonen jedoch, dass die Nachfrage nach Zeitarbeitskräften in der Region in anderen Branchen weiterhin groß sei, größer jedenfalls als das Angebot an Arbeitskräften. Besonders im kaufmännischen Bereich, aber auch in der Pflege und in der Pharmabranche gebe es wenige bis gar keine Bewerber. In einigen Branchen, in denen massiver Personalmangel herrscht, sei Zeitarbeit für Arbeitnehmer jedoch seit einigen Jahren auch attraktiv, sagt Spermann.

In der Pflege würden festangestellte Mitarbeiter beispielsweise oft viele Überstunden machen, die kaum entlohnt würden. Zeitarbeiter hingegen leisteten nur die Stundenanzahl, für die sie überlassen werden, sammeln also keine Überstunden an.
Zeitarbeit in der Region

In Südbaden waren im September vergangenen Jahres nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zwischen 1,3 Prozent (Freiburg sowie die Landkreise Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald) und 2,9 Prozent (Ortenaukreis) der Beschäftigten in der Zeitarbeit eingesetzt. Im Vergleich zum Jahr 2017 sank der Anteil um jeweils zwei bis drei Prozent. Diese Entwicklung entspricht dem bundesweiten Durchschnitt. Neuere Daten sind noch nicht ausgewertet.