Einzelhändler im Tief

Philipp Peters

Von Philipp Peters

Mi, 17. Februar 2021

Wirtschaft

Konjunkturumfrage der IHK Südlicher Oberrhein zeigt wachsende Ungeduld regionaler Unternehmer.

. Die Wirtschaft in Südbaden wird weiterhin von den Folgen der Corona-Pandemie geprägt. Das bestätigt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein. Während Industrie und Großhändler durchatmen und teilweise sogar positive Zahlen liefern, stehen Hotel und Gastronomie, aber auch viele Einzelhändler mit dem Rücken zur Wand.

"Es muss endlich eine Öffnungsperspektive geben", sagte IHK-Präsident Steffen Auer bei der Präsentation der Umfrage am Dienstag. Der Lahrer Unternehmer kennt beide Seiten der Medaille: Seine Firma Schwarzwald-Eisen ist als Großhändler vor allem Zulieferer der Bauwirtschaft. Und der geht es prächtig. Gleichzeitig ist Auer Einzelhändler, er betreibt zum Beispiel mehrere Obi-Märkte in der Region. Dort ist das Geschäft stark eingeschränkt – lediglich bestellen und abholen ist erlaubt.

Henrike Beck ist geschäftsführende Gesellschafterin von Stiegeler Schlafkomfort, einem Fachgeschäft in der Freiburger Innenstadt. Sie verstehe die Politik nicht mehr, sagte die Unternehmerin. Schon bevor es Pflicht wurde, habe sie in ihrem Geschäft in der Gerberau ein lückenloses Hygienekonzept gehabt. "Wir hatten bis heute nicht einen Corona-Fall", sagte die Chefin von 20 Mitarbeitern. "Der Umsatz ist um 90 Prozent zurückgegangen", klagte sie. Beck fürchtet nun einen Strukturwandel zum Nachteil vor allem der Fachhändler. IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon bestätigte diese Sorge: Auf die Städte werde ein gewaltiger Wandel zukommen, sagte er. "Vieles, was dann weg ist, kommt nicht wieder zurück."

Auch Hans-Georg Meier hat geschlossen. Er ist Inhaber von Meier Fashion und hat zwei Geschäfte – in Rheinhausen und Ettenheim. "Wir haben aktuell ein Berufsverbot", sagte Meier, der nur stationär verkauft und deswegen keine Kunden in die Geschäfte lassen darf. "Uns wurde die Geschäftsgrundlage entzogen." Dies findet er ungerechnet, weil man in Supermärkten oder beim Discounter weiterhin alles kaufen dürfe – auch Mode.

Nun gehe es ums Überleben seines 172 Jahre alten Modegeschäftes. Sein Umsatz sei 2020 um 31 Prozent oder 1,2 Millionen Euro eingebrochen. Der Chef von 35 Mitarbeitern muss dennoch frische Ware abnehmen – das geben die Lieferverträge mit den Modeherstellern vor. "Wir kaufen jetzt schon für den Herbst ein", sagte Meier. Ohne zu wissen, ob er es dann verkaufen kann. Meier sagte: "Der nächste Lockdown kommt bestimmt."

Dennoch haben sich Lage und Stimmung in der südbadischen Wirtschaft auf niedrigem Niveau eingependelt. Der Konjunkturklimaindex liegt stabil bei 101 Punkten. Das heißt: Es gibt ungefähr gleich viele Unternehmer, die positiv wie negativ urteilen, wenn sie nach aktueller Situation, Perspektive und Beschäftigung gefragt werden. Die größte Sorge ist aktuell die Inlandsnachfrage. Vor allem Hoteliers und Gastronomen machen sich wegen der Finanzen Sorgen. Zwei von drei Unternehmen aus dieser Branche mussten Rücklagen aufzehren. 57 Prozent sprechen sogar von Liquiditätsengpässen.
Die IHK-Umfrage begann am 14. Dezember – also kurz vor dem Lockdown – und dauerte bis zum 15. Januar. Gut 330 Unternehmen haben in diesem Zeitraum auf die Fragen der IHK geantwortet.

Unerwartet gestiegen sind die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten. Das Stimmungsbarometer des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW stieg im Februar gegenüber Januar deutlich. Fachleute hatten mit einem Rückgang gerechnet. "Vor allem bei Konsum und Handel wird ein deutlicher Aufholprozess erwartet", erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach.