Diskussion

Ertrag versus Artenvielfalt: Landwirtschaft im Dilemma?

Katharina Meyer und Jörg Buteweg

Von Katharina Meyer & Jörg Buteweg

Fr, 19. September 2014 um 21:38 Uhr

Wirtschaft

Das Bienensterben ist ein alarmierendes Beispiel: Opfern wir für eine ertragreiche Landwirtschaft die Vielfalt unserer Tierwelt? Oder gibt es einen ökologischen Königsweg? Vier Experten diskutieren.

Die Landwirte streben auf dem Acker hohe Erträge an, um ordentliche Einkommen zu erzielen. Nur mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln sei das zu erreichen, sagen die Hersteller der Produkte und verweisen auf eine wachsende Weltbevölkerung, die es zu ernähren gelte. Naturschützer halten die Bedrohung zahlreicher Tierarten durch die Mittel dagegen. Ein Beispiel ist das Bienensterben in der Rheinebene. Der ökologische Landbau will diesen Widerspruch auflösen. Wird er diesem Anspruch gerecht? Vier Experten – Kurzporträts am Fuß der Seite – diskutieren.

BZ: Der Industrieverband Agrar (IVA) berichtet von einem Rekordjahr für Pflanzenschutzmittel. Gleichzeitig klagt er über die Regelungswut der EU, die den Pflanzenschutz abzuwürgen drohe. Das ist doch ein Widerspruch, Herr Dechet.
Dechet: Da sehe ich keinen Widerspruch. Die guten Geschäfte 2013, das ist die Vergangenheit, auch aktuell laufen die Geschäfte unserer Mitgliedsfirmen gut. Das zeigt, wie wichtig und nötig der Pflanzenschutz für die Landwirtschaft ist. Aber wir sehen große Probleme für die Zukunft, weil den Landwirten durch die Überregulierung der EU immer weniger wirksame Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen werden.

"Pflanzenschutz ist eine Verniedlichung von dem, was da passiert." Gerald Wehde BZ: Braucht man denn überhaupt Pflanzenschutzmittel? Im ökologischen Landbau geht es doch ohne, oder?
Wehde: Pflanzenschutz ist eine Verniedlichung von dem, was da passiert. Nehmen Sie das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Allein von diesem Mittel werden in Deutschland 6000 Tonnen pro Jahr ausgebracht, 40 Prozent der Ackerfläche wird damit besprüht. Es tötet alles auf dem Acker, jedes Kräutchen, das da wächst. Im Ökolandbau setzen wir dagegen auf Vorsorge – wir arbeiten mit Fruchtfolgen, wir sorgen für Vielfalt auf dem Acker. Das hilft nützlichen Insekten, die wiederum Schadinsekten in Schach halten. Es geht nicht um Spritzen oder Nicht-Spritzen. Es ist ein ganz anderes System, das mit der Natur arbeitet. Natürlich sind die Erträge im Ökolandbau in Deutschland etwas geringer als in der konventionellen Landwirtschaft. In Entwicklungsländern sieht das anders aus. Da hat der Ökolandbau höhere Erträge.

Dechet: Dass im Ökolandbau keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, stimmt nicht. Es wird Pflanzenschutz betrieben, mit Schwefel etwa oder Kupfer. Ich muss ganz ehrlich sagen: Als Biologe würde ich Kupfer nicht den Vorzug geben vor chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Kupfer baut sich nicht ab, es reichert sich im Boden an.
Wehde: Vor allem im Obst- und Weinbau setzen ...

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