Rundgang

Wo am Feldberg die Schäden des Borkenkäfers sichtbar sind

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Mi, 29. Juli 2020 um 11:41 Uhr

Feldberg

Er ist ein kleiner Schädling – und macht große Probleme: Feldberg-Förster Jens Göttfert informiert Einheimische und Gäste auf Borkenkäfer-Touren über die Leiden des Waldes.

Auf der rund sieben Kilometer langen Wanderung vom Haus der Natur am Seebuck bis zum Feldsee und zurück hat Feldberg-Förster Jens Göttfert viel zu erzählen. Sein Thema: der Borkenkäfer. Interessiert hören die Teilnehmer zu, was der 33-jährige Förster über den kleinen Schädling und die großen Probleme, die er verursacht, zu berichten hat.

Der Borkenkäfer
"Weltweit gibt es mehrere tausend Arten von Borkenkäfern, in Deutschland kennen wir 110", erläutert Jens Göttfert. Kupferstecher und Buchdrucken, die größten Schädlinge in den Wäldern, seien nach deren Fraßbildern in Rinde und Bast der Bäume benannt. "Es ist recht schwierig, die Käfer zu unterscheiden", berichtete der Förster. Die Schädlinge seien klein und mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen, dazu meist braun und schwarz. Göttfert hat vier Borkenkäfer in seinem Rucksack dabei, diese können die Teilnehmer unter Lupen betrachten.

Der Befall
Kupferstecher und Buchdrucker befallen bevorzugt Fichten. "Vor allem an südlichen Hängen treten Borkenkäfer auf, dazu am Waldrand", erklärt Göttfert. Die Gruppe ist durch den Bannwald auf dem Ernst-Maurer-Weg unterwegs. Hier wird an einer Stelle Halt gemacht, von wo aus auf der gegenüberliegenden Bergseite gut die abgestorbenen Fichten zu sehen sind. "Der Borkenkäfer braucht die Wärme", begründete der Förster die Befallplätze. Das Aufspüren von befallenen Bäumen sei schwierig: "Wenn man die trockenen Fichten sieht, ist es zu spät, dann ist das Befallsgeschehen bereits fortgeschritten und der Baum am Absterben." Deshalb müsse man Ausschau halten nach hellbraunem Bohrmehl. Wo es zu finden ist, sei der Schädling gerade neu aktiv, sodass man noch schützend eingreifen könne.

Die Tannen und Fichten
"Wie unterscheidet man Tanne und Fichte?", fragt Jens Göttfert in die Runde, nachdem die Gruppe einige hundert Meter bergabwärts gelaufen ist. Am einfachsten sei diese Bestimmung durch die Zapfen. Diese hängen bei der Fichte nach unten, bei der Tanne stehen sie nach oben. Zeit für eine Anekdote: Mitarbeiter des Hauses der Natur hätten die Rothaus-Brauerei angeschrieben und darauf hingewiesen, dass deren Biersorte "Tannenzäpfle" aufgrund der Zapfenstellung eigentlich "Fichtenzäpfle" heißen müsse. Die Antwort der Brauerei habe zum Schmunzeln eingeladen: Wenn man die Flasche an den Mund führe und trinke, sei die Zapfenstellung ja wieder der Tanne entsprechend. Alle lachen und der Forstfachmann erklärt den Aufbau der Bäume. Außen die Borke (Rinde), es folgt der nährstoffführende Bast, dann das Kambium, die Holzwachstumsschicht. Und schließlich ist im Kern das Holz. "Der Borkenkäfer frisst sich zwischen Borke und Bast seine Gänge. Damit wird die Nährstoffführung unterbrochen, der Baum verhungert." Gerade die Fichten seien anfällig gegen die seit einigen Jahren herrschende Trockenheit, weshalb nun die Schäden der Borkenkäfer im Zuge des Klimawandels auch so enorm seien.

Die Rammelkammer
Kurz bevor der Weg in Richtung Feldsee abzweigt, nimmt Jens Göttfert ein Stück Rinde aus seinem Rucksack und zeigt sie den Teilnehmern. "Hier", sagt er und deutet auf die Mitte der Borke, "hat sich der Buchdrucker bis zum Bast eingefressen." Dort entstehen die Rammelkammern, in der meist zwei Weibchen begattet werden. Diese fressen sich einen Muttergang und legen ihre Eier ab. Die Larven fressen sich wiederum eigene Gänge im nährstoffreichen Phloem. "Ein vitaler Baum kann sich gegen die Eindringlinge wehren, indem er Harz ausscheidet", berichtete der Feldberg-Förster. Geschwächte und gestresste Bäume – beispielsweise durch lange Trockenperioden – könnten dies aber nicht mehr. Vor allem nicht, wenn es die Massen an Borkenkäfer gebe, wie in den vergangenen Jahren. Normalerweise würden Borkenkäfer zwei Generationen in einem Sommer ausbilden. "In den vergangenen beiden Jahren waren es wegen der langen Trockenzeit drei Generationen." Dies habe zu enormen Schäden geführt und Auswirkungen auf dieses Jahr. "Die Population explodierte. Und weil Borkenkäfer in allen Stadien den Winter überstehen können, haben wir jetzt eine extreme Käferdichte und damit ein großes Problem."

Die Gegenspieler
Angekommen am Feldsee spricht Jens Göttfert über die natürlichen Feinde des Borkenkäfers und die Möglichkeit des Menschen, die Schädlinge zu bekämpfen. Natürliche Gegenspieler des Borkenkäfers sind der Dreizehenspecht, Ameisenbuntkäfer, Kamelhalsfliege und verschiedene Schlupfwespen. "Das Problem ist, dass die Population der Räuber der Population der Beute hinterherhinkt." Was können die Förster tun? In gefährdeten Waldbereichen wird nach Bohrmehl und Harztropfen gesucht, um die befallenen Fichten möglichst schnell aus dem Wald zu nehmen. "Damit ist diese eine Stelle unschädlich gemacht." Wichtig sei auch, kein bruttaugliches Material im Wald zu belassen. "Das Problem war, dass Borkenkäferschäden in ganz Mitteleuropa auftraten und so Fuhrleute, Förster und Sägewerke nicht mehr nachkamen." Daher seien Nasslager eingerichtet worden, hier könne Holz über Jahre hinweg gelagert werden. "Borkenkäfer kommen im Brutgeschehen mit Kälte und Nässe nicht zurecht", so der Feldberg-Förster.

Der Ausblick
"Der Wald dient dem Naturschutz und der Erholung, aber auch der Wirtschaft", erklärte Jens Göttfert. Der Feldberg-Förster wagte zum Abschluss einen Blick in die Zukunft: "Wir wissen tatsächlich nicht, wohin die Reise geht. Aber es gibt verschiedene Klimaszenarien." Angesichts des Klimawandels müsse wohl das Ziel sein, neu zu bepflanzende Flächen als Mischwälder zu entwickeln.