Schwimmbad am Rhein

Warum das idyllisch gelegene Naturbad Murg nicht zu toppen ist

Stephan Elsemann

Von Stephan Elsemann

Mo, 22. Juli 2019 um 23:33 Uhr

Murg

Der Sonntag Naturbäder sind toll, sie kommen ohne Chemie aus. Auch das Naturbad Murg mit seiner Vorzugslage direkt am Rhein stellt zehn Jahre nach der Eröffnung niemand mehr in Frage. Das war nicht immer so.

Vor zehn Jahren, vor der Entscheidung, das alte konventionelle Bad in ein Naturbad umzuwandeln, musste in Murg viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Seit dem Umbau "riecht es nicht mehr nach Bad", sagt Heide Eyb, die sich auch im alten Bad schon wohlfühlte, doch "das Wasser ist jetzt so weich".

Auch Eva Jung zieht glücklich ihre Bahnen. "Das ist reine Erholung", sagt die 68-Jährige und so kommt sie eigentlich jeden Tag, auch wenn das Wasser nur 18 Grad warm ist.

Allzu warm darf es auch nicht werden, sonst klappt es nicht mehr mit der natürlichen Aufbereitung, die Keimbelastung würde sprunghaft ansteigen. Ab 25 Grad wird es kritisch. Vor allem im Flachland stoßen Naturbäder immer öfter an diese Grenze, die Klimaerwärmung kommt dem Trend zur Natur in die Quere.

So musste das Naturbad in Sulz bei Lahr in diesem Jahr bereits für ein paar Tage geschlossen bleiben. Anders ist das in den Bergen wie etwa in Ühlingen/Birkendorf im Naturena oder in Eggingen. Die kühlen Nächte und ein steter Frischwasserzufluss von Bächen sorgen dafür, dass das Wasser deutlich unter den kritischen 25 Grad bleibt.

Auch in Murg können die Bademeister René Flohr und Christian Döbele bei größter Hitze die Ruhe bewahren. Sie haben das Fuchsloch, einen alten Notwasserbrunnen, der dem Bad als Frischwasserreserve dient. Sobald es mit den Temperaturen hinauf geht, wird das Badewasser mit Frischwasser heruntergekühlt, damit es nie über 23 Grad ansteigt.

Nicht alle Badegäste schätzen die frischen Wassertemperaturen und nicht jedermanns Sache ist es, das Badewasser mit anderen Lebewesen wie Molchen und Fröschen zu teilen. "Es ist nicht klinisch tot", sagt René Flohr mit einem Schmunzeln. Der 55-jährige Quereinsteiger ist als Bademeister fürs Naturbad ein Glücksfall, denn er hatte nach langen Arbeitsjahren in der Chemieindustrie von Chemie für immer genug. In einem Naturbad ist er mit anspruchsvollen gärtnerischen Aufgaben befasst, dafür entfällt die Bedienung und Wartung der chemischen Wasseraufbereitung mit Chlor. Eine Ausbildung dafür gibt es nicht und so "steht und fällt der Badebetrieb mit dem persönlichen Engagement des Schwimmmeisters", wie es Bürgermeister Adrian Schmidle ausdrückt.

In Murg wird das Badewasser über mehrere natürliche Filtersysteme ständig gereinigt. Die Hauptarbeit leistet ein Rieselfeld von 425 Quadratmetern. Hier wird das "abgebadete" Wasser, wie es heißt, ständig über eine zwei Meter dicke Kiesschicht verrieselt und so gereinigt den Becken wieder zugeführt. Damit der biologische Kreislauf in Gang kommt, muss das Wasser im Frühjahr, nachdem die Becken befüllt sind, einen Monat lang für sich sein, ohne Badegäste. Man kann nicht kurzfristig öffnen, und so beginnt die Badesaison stets Mitte Mai, auch wenn sich schon im April die Temperaturen auf 30 Grad zu bewegen.

Ursprünglich wurde das Bad 1966 errichtet, und wie die meisten Bäder dieser Zeit war es in die Jahre gekommen und musste saniert werden, die alte Aufbereitungstechnik ließ sich nicht mehr reparieren. So ist es aktuell in Lenzkirch-Kappel, und um eine dauerhafte Schließung vermeiden zu können, wurde deshalb beschlossen, das schöne Bad in Kappel demnächst in ein Naturbad umzuwandeln.

In Murg freut man sich jetzt aufs Jubiläum, der Umbau wurde seinerzeit unter großer Beteiligung vor allem auch der jungen Badegäste neu konzipiert. So kommt es wohl, dass das MuRheNa – wie es genannt wird – für ein Naturbad bemerkenswert üppig mit Bespaßungsinventar ausgestattet ist: zwei Rutschen, ein Fontänenfeld, ein Sprungturm, Wasserkaskaden und ein Kletterfelsen. Nicht zu toppen sind die Lage am Rhein und das chlorfreie Badeerlebnis selbst.