Verfolgungsjagd

Wohnmobil-Dieb flüchtet über die Grenze nach Frankreich

Bastian Bernhardt

Von Bastian Bernhardt

Mo, 02. November 2020 um 17:38 Uhr

Neuried

Ein Unbekannter ist nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei in einem gestohlenen Wohnmobil über die Grenze nach Frankreich entkommen. Es ist nicht das erste Mal, dass Täter auf diese Weise abtauchen.

Es entstand ein Schaden von 14 000 Euro. Wie die Polizei mitteilt, hatte die Bundespolizei das als gestohlen gemeldete Fahrzeug am Kreuzungskreisel L75/L98 zwischen Altenheim und Goldscheuer gesichtet. Wie die Polizei auf BZ-Nachfrage erklärte, sei das Wohnmobil mit sehr hoher Geschwindigkeit in Richtung französischer Grenze gefahren. Die Polizeifahrzeuge nahmen demnach die Verfolgung auf und forderten den Fahrer zum Anhalten auf. Dieser habe sich jedoch widersetzt und versucht, in Richtung Frankreich zu flüchten. Es sei auf der Straßenmitte gefahren, um zu verhindern, dass die Polizeiautos ihn überholen. Während der Verfolgung rammte der Flüchtende das Dienstfahrzeug der Bundespolizisten, heißt es in der Polizeimeldung weiter. Dabei kam das Wohnmobil von der Fahrbahn ab, setzte die Fahrt aber auf einem Fahrradweg neben der Straße fort. Wegen des Zusammenstoßes mit dem Polizeiwagen kamen die Beamten kurzfristig nicht mehr hinterher.

Täter durchbricht eine Schranke

Schließlich sei das Wohnmobil hinter dem neuen Forum am Rhein hindurch gefahren, durchbrach eine Schranke aus Stahl, fuhr einen Damm hinunter und kam dann wieder auf die L98. Dabei wurde laut Polizeibericht auch ein Leitpfosten beschädigt. Den deutschen Polizisten gelang es nicht mehr, aufzuschließen. Sie mussten das Wohnmobil über die französische Grenze entkommen lassen. Eine Verfolgung über die Grenze hinweg war nach Auskunft der Polizei aus hoheitlichen Gründen nicht möglich. "Üblicherweise werden in derartigen Fällen die französischen Kollegen über das gemeinsame Lagezentrum alarmiert", sagte ein Polizeisprecher der BZ. In diesem Fall habe die Zeit aber wohl nicht ausgereicht, damit die französische Polizei den Flüchtenden jenseits der Grenze in Empfang nehmen konnte.

Immer wieder flüchten Täter über die Grenze

In der Ortenau kommt es immer wieder zu Zwischenfällen bei denen Täter versuchen, über die französische Grenze ins Elsass zu flüchten, um dort anschließend unterzutauchen. Zuletzt waren Ende September zwei Männer, die in Heiligenzell einen Zigarettenautomaten geknackt hatten, vor der Polizei über den Grenzübergang in Nonnenweier geflohen. Auf Höhe von Illkirch bei Straßburg konnten sie schließlich entkommen.

Anfang September hatten Beamte des Polizeireviers Lahr Unbekannte verfolgt, die einen Wohnwagen gestohlen hatten. In halsbrecherischer Fahrweise hatten sie versucht, die Verfolger abzuschütteln, derweil sie in Richtung französischer Grenze rasten. Die Verfolgung endete am Rheinübergang Erstein. Die französische Gendarmerie konnte den gestohlenen Wohnwagen später – ohne Zugfahrzeug – sicherstellen.
Polizeiarbeit über die Grenzen hinweg

Prinzipiell ist die Zusammenarbeit von Polizeibehörden im Grenzgebiet über das Schengener Abkommen zum Wegfall von Grenzkontrollen innerhalb der Europäischen Union geregelt. Unter welchen Umständen genau Polizisten Tatverdächtige etwa über die Landesgrenze hinweg verfolgen können, ist in den Schengener Durchführungsabkommen geregelt. Darin wird auch aufgelistet, in welchen Tatbeständen, die Verfolgung fortgesetzt werden kann, zum Beispiel bei Mord, Totschlag, schwerem Diebstahl, Menschenhandel, usw. (Stand 2006). Wohnungen und Grundstücke dürfen Polizisten im Nachbarland nicht betreten, ihre Dienstwaffe zwar tragen, aber nur zur Notwehr einsetzen. Für Einsätze gilt das jeweilige Landesrecht.

Ein weiteres Abkommen zur grenzüberschreitenden Polizeiarbeit ist der Prümer Vertrag aus dem Jahr 2005.