"Wollen erklären, was wir warum machen"

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Mi, 16. Oktober 2019

Münstertal

DREI FRAGEN ANThomas Riesterer aus Münstertal, der Bio-Bauer des Jahres werden könnte.

MÜNSTERTAL. Thomas Riesterer vom Schindelmatthof könnte am Mittwoch in Berlin mit dem Ceres Award als Landwirt des Jahres ausgezeichnet werden. Vergeben wird der Preis von einem Agrar-Fachmedium. Der Bioland-Betrieb von Thomas und Anke Riesterer liegt auf über 1100 Metern auf dem Stohren. Die 100 Weiderinder verbringen ihr Leben auf dem Schindelmatthof – von der Geburt bis zur Schlachtung. Das Schlachten erledigt der 40-jährige gelernte Metzger selbst, wie er Gabriele Hennicke erzählt hat.

BZ: Sie sind einer von 33 Finalisten in elf Kategorien für den mit 10 000 Euro dotierten Preis. Wie in allen anderen Kategorien gibt es auch drei Finalisten bei den Biolandwirten. Was war Ihre Motivation für die Bewerbung?

Riesterer: Unser Betrieb ist ja noch nicht so alt, wir bewirtschaften ihn erst seit 2015. Wir wollten wissen, was eine Fachjury von unserem Konzept hält. Wir verwerten jedes Tier komplett – vom Schwanz bis zur Nase. Das Fleisch vermarkten wir ab Hof und online, in kompostierbarer Verpackung. Uns ist es wichtig, zu erklären, was wir warum machen. Wir suchen den Kontakt zu unseren Kunden, im realen Leben, wenn sie das Fleisch bei uns abholen und mit besonderen Veranstaltungen wie dem Weideauftrieb und wir sind in den sozialen Medien präsent.
BZ: Sie haben mehrere Berufe, haben Metzger gelernt, waren lange selbstständig im Bereich Kfz-Hifi-Elektronik. Jetzt sind sie auf jeden Fall der drittbeste Biobauer von Deutschland. Wie fühlt sich das an?
Riesterer (lacht): Schwer zu sagen. Vollerwerbslandwirtschaft ist auf jeden Fall eine große Herausforderung, gerade unter den aktuellen Rahmenbedingungen mit der Trockenheit an unserem Standort. Da grübelt man schon manchmal, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. Die Nominierung unter die besten drei Biobetriebe bei über 250 Bewerbungen ist eine Bestätigung für unseren Weg und das freut uns ungemein.
BZ: Haben Sie schon einen Wink bekommen, wie sie abgeschnitten haben?

Riesterer: Nein, wir wissen es wirklich nicht. Meine Frau Anke und ich reisen am Mittwoch nach Berlin, am Abend ist die Verleihung. Wir lassen uns überraschen. Auf jeden Fall haben allein die Bewerbung und die Resonanz der Fachjury, die bei uns auf dem Hof war, schon viel gebracht. Wir haben so viel Zuspruch bekommen für unser Konzept, die Nominierung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Darauf sind wir stolz.

Thomas Riesterer, 40, bewirtschaftet den Schindelmatthof mit einer Fläche von 60 Hektar. Er hat den früheren Milchviehbetrieb auf Mutter-Kuh-Haltung mit Direktvermarktung umgestellt.