WORT IN DEN TAG: Die Pforten des Sommers

Susanne Lindinger

Von Susanne Lindinger

Do, 14. Mai 2020

Waldkirch

"Pankraz, Servaz, Bonifaz un die kalt Sophie" – sie gehören für mich seit meiner Kindheit in den Mai wie das Maibaumsetzen und der Muttertag. Die Namen wirkten wie ein Zauberspruch auf mich: Sie waren die Pforten des Sommers. Erst, wenn sie vorbei waren, durfte man barfuß laufen und Geranien raus setzen. Dass diese seltsamen Namen auf "az" eigentlich lateinische Namen sind, ihre Endungen eigentlich "tius" heißen und heilige Personen meinen, verstand ich erst viel später.

Interessant finde ich heute, dass alle diese Heiligen (Sophia etwas später) am Ende der Christenverfolgung gestorben sind, die in den ersten 300 Jahren nach Jesu Leben geschehen ist. Kurz nach ihren Märtyrerschicksalen wurde das Christentum Staatsreligion im Römischen Reich. Nach ihnen war in religiöser Hinsicht tatsächlich "das Eis gebrochen", wenigstens offiziell. Menschen mussten nicht mehr den Tod fürchten, nur weil sie sich zu Jesus Christus bekannten. Als Kind hat mich die Mahnung, die Eisheiligen abzuwarten, immer genervt. Es war doch schon warm. Warum sollte meine Freude über den Sommer denn noch einmal getrübt werden? Genauso geht es mir im Moment mit der Mahnung zur Geduld in der Corona-Krise: Das Schlimmste konnten wir doch verhindern. Jetzt weiterhin Geduld zu haben zu müssen, nervt. Die Vorfreude auf den "Sommer" sich wieder in den Arm nehmen können, wieder miteinander tanzen, feiern und gesellig sein zu können, ist zu groß! Schön ist, dass ich dieses Mal nicht das Gefühl habe, die einzige zu sein, die ungeduldig ist. So wie damals vertraue ich darauf: "Irgendwann "isch au die kalt Sophie rum". So übe ich mich in Geduld und vertraue auf ein Ende der Eiszeit von Corona.

Die Autorin ist Pastoralreferentin bei der Katholischen Seelsorgeeinheit Waldkirch.