Händlersterben

Zahl der selbstständigen Autohändler nimmt ab – auch in Südbaden

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Do, 15. Oktober 2020 um 07:47 Uhr

Wirtschaft

Groß schluckt klein im Autohandel: Die Übernahme der Ortenauer Link-Gruppe durch das Autohaus Graf Hardenberg ist ein Beispiel für den Konzentrationsprozess in der Branche.

Wie die in Ettlingen bei Karlsruhe ansässige Graf-Hardenberg-Gruppe am Mittwoch mitteilte, übernimmt sie den deutlich kleineren, traditionsreichen Ortenauer VW-Händler Link. Graf Hardenberg ist derzeit an 15 Standorten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vertreten, Link hat Autohäuser in Lahr und Gengenbach. Für Graf Hardenberg arbeiten mehr als 1400 Menschen, für Link rund 150.

Alle Link-Mitarbeiter in Gengenbach und Lahr werden weiterbeschäftigt, teilte Graf Hardenberg mit. Die Link-Gesellschafter Moritz Link, Jonas Link und Peter Litterst begründeten den Verkauf mit den Veränderungen, die auf das Kfz-Gewerbe in Zukunft zukommen würden: "Wir sind froh, mit der Graf-Hardenberg-Gruppe einen fairen und zuverlässigen Partner gefunden zu haben."

Graf Hardenberg expandiert schon seit Längerem

Die Graf-Hardenberg-Gruppe expandiert in Südbaden schon seit Längerem. Mitte 2018 übernahm die Gruppe die Porsche-Zentren in Lörrach und in Freiburg von der Familie Szanto. Deren Freiburger Autohaus Baden-Auto ging im Rahmen eines Insolvenzverfahrens 2015 an den Autohändler BHG – zusammen mit der AHG-Gruppe ebenfalls eine große Nummer in der Branche.

In Offenburg befindet sich bereits ein Graf-Hardenberg-Autohaus, das Modelle der Marken VW, Skoda, Audi, VW Nutzfahrzeuge, Porsche und Seat verkauft – die Hauptmarken. "Südbaden ist ein interessanter Markt für uns und wir wollen wachsen", sagt Graf-Hardenberg-Pressesprecherin Monique Klebsattel. Gemessen am Umsatz liege man auf Rang 17 der Liste mit den größten Autohäusern im Bundesgebiet, sagte Klebsattel.

Das Institut für Automobilwirtschaft beziffert den Hardenberg-Umsatz für 2018 auf 750 Millionen Euro. Klebsattel bestätigt den Trend zu größeren Autohäusern. Diese Entwicklung dauere schon lange an, wobei es weiter erfolgreiche "Einzelkämpfer" gebe. Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) arbeiteten 2008 noch 39.750 Betriebe im deutschen Kfz-Gewerbe, davon waren 19.700 markengebunden. 2018 waren es dagegen nur noch 36.750 – 15.200 davon markengebunden.

Gewinnmargen sind relativ gering

Martin Ernst, Geschäftsführer des südbadischen Autohauses Ernst+König, nennt für den Konzentrationsprozess mehrere Gründe. In manchen Fällen gebe es keine Nachfolger im Betrieb. Zudem dürfe man sich im Kfz-Gewerbe nicht viele Fehler erlauben. Die Gewinnmarge gemessen am Umsatz liege zwischen ein und zwei Prozent – bei gutem Management. Das mache es nicht einfach, Reserven zu bilden. Dazu kämen hohe Investitionskosten – zum Beispiel für die E-Mobilität. "Wer irrt, läuft deshalb schnell Gefahr, in eine finanzielle Schieflage zu geraten", sagt Ernst. Wer jedoch unternehmerisch klug handle, könne weiter Erfolg am Markt haben.

"Größe allein sichert noch nicht das Überleben." Bernhard Schmolck
Das sagt auch Bernhard Schmolck, Chef des südbadischen Autohauses Schmolck. "Größe allein sichert noch nicht das Überleben." Entscheidend sei, den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden und die Servicequalität hoch zu halten – zum Beispiel mit Hilfe des Internets.

Händlersterben stört die Autohersteller nicht

Antje Woltermann, Geschäftsführerin des ZDK, sagt, die Anpassung an die Veränderungen überfordere den einen oder anderen Kleinstbetrieb. Ein Beispiel: "Mitunter sind Autohändler gezwungen, innerhalb kürzester Zeit auf Kundenanfragen aus dem Netz zu reagieren." Größere Betriebe hätten dafür eigene Abteilungen, die sich kleine Firmen nicht leisten könnten. Das Händlersterben störe die Autohersteller nicht. Sie kämen mit weniger Händlern zurecht.