Zum Jubiläum bekommen alle ihr Fett weg

Reiner Beschorner

Von Reiner Beschorner

Di, 11. Februar 2020

Hohberg

Schräckslizunft in Diersburg feiert ihr 44-jähriges Bestehen mit Umzug und buntem Abend.

HOHBERG-DIERSBURG. "Viermal elf Jahre mittendrin statt nur dabei." Das von Zeremonienmeister Carlo Kälble beim Auftakt zum 44-jährigen Zunftjubiläum der Schräcksli am Freitagabend ausgegebene Motto ist mit einem kunterbunten Programm umgesetzt worden. Bei der närrisch-zünftigen Party standen neben dem einstigen Schrecken (Schräcksli) der Diersburger Bergleute die derzeitigen Aktiven sowie die altvorderen Verantwortungsträger im Mittelpunkt.

Zur Feier des Tages ließ Präsident Benthin unter dem Gejohle der Narren die Schräcksli ausnahmsweise vorzeitig aus ihrem Verlies im Bergwerkstollen befreien, den sie sonst erst am Tag vor dem Schmutzigen Donnerstag verlassen dürfen. Rund 90 Schräcksli, Räbdrolls, Fanfarenbläser und Gardemädchen bevölkerten schunkelnd und johlend die Bühne.

Der Bürgermeister wird zum Meisterbürger

Klaus Jehle, vom Moderator aus dem Bürgermeister- in den Meisterbürgerstand erhoben, sang bei seinem ersten Auftritt als GvD (Gemeindevollzugsdienst) ein närrisches Loblied auf die Schräcksli-Zunft, um danach mit beiden Füßen voll in ein Fettnäpfchen zu treten: Unter dem lautstarken Protest der holden Weiblichkeit stellte "der Klaus" die Männer als die wunderbarsten Geschöpfe und sogar als des Schöpfers Meisterstück heraus, worauf der Moderator augenzwinkernd Jehles Wiederwahl infrage stellte. Mit der Überreichung der Jubiläumsgabe der Gemeinde konnte Meisterbürger Jehle die (weiblichen) Gemüter zumindest einigermaßen wieder besänftigen. Den Beifall des närrischen Volks sicherte sich Bernhard Gebele vom Ortenauer Narrenbund, der in seinem Grußwort das Gewicht weniger auf die Würze als auf die Kürze legte, was dem eng gestrickten Zeitplan geschuldet war.

Mit dem von Michael Rieger getexteten Song "Schräcksli go, go, go" gratulierte der Kosakenchor der Schräckslizunft zum Narrenjubiläum. Das Bergmannslied "Glück auf, der Steiger kommt", mit dem die Kosaken unter Peter Kupfer an die Wurzeln der Schräcksli-Figur erinnerten, war ein Stimmungsfunke, dem sich kaum ein Narr im Saal entziehen konnte. Überhaupt wurde viel geschunkelt und gesungen. Ein Höhepunkt war der Auftritt von Michael Rieger, der aus dem Nähkästchen einer Diersburger Schnake plauderte. Mit seinen präzisen Stichen, bei denen auch der "sonst unbestechliche" Bürgermeister sein Fett abbekam, startete "Schnake Rieger" so manchen erfolgreichen Angriff auf die Lachmuskeln des Publikums.

Schön anzuschauen war auch der als "Showtanz Spätlese" angekündigte Auftritt der Narrenvereinigung Hornussia Urloffen. Die Gardemädchen legten einen erfrischenden Tanz auf die Bühne.

Zu einem weiteren Höhepunkt entwickelte sich der Auftritt von Michael Rieger alias Barack Obama. Der 44. Präsident der USA war nach 2017 zum zweiten Mal nach Diersburg gekommen und verstand es in seinem Vortrag bestens, den Lokalkolorit mit der großen Politik zu verflechten. Die China-Girls der Hofgarde Diersburg setzten mit ihrem Tanz der abwechslungsreichen Geburtstagsfeier zum Narrenjubiläum der Schräckslizunft Diersburg die Krone auf.

Ehrung der noch aktiven Gründungsmitglieder: Ruth und Michael Rieger, Brunhilde und Karl Kälble, Karl Marx, Franz Feißt, Harry Born und Klaus Schäck erhielten die Grubenlampe der ehemaligen Diersburger Bergleute sowie eine Ehrenurkunde.