Lenzkirch schickt Kuckucksstube in Warteschleife

Zunächst mit lokalen Gastronomen reden

Ralf Morys

Von Ralf Morys

Fr, 25. September 2020 um 14:47 Uhr

Lenzkirch

Die zweite Kuckucksstube der HTG im Hochschwarzwald lässt auf sich warten. In Lenzkirch steht die Gastronomie im Kurhaus leer, doch der Gemeinderat sucht zunächst nach einer lokalen Lösung.

Die Entscheidung über eine zweite gastronomische Kuckucksstube im Hochschwarzwald fällt frühestens im Dezember. Der Gemeinderat Lenzkirch stoppte den Verwaltungsvorstoß, die leerstehende Kurhausgastronomie als Kuckucksstube zu verpachten. Zwar kann die Gemeinde dies prüfen und mit einem interessierten Pächter auch verhandeln, doch zunächst sind Gespräche über andere denkbare Lösungen mit den örtlichen Gastronomen geplant.

Die Hochschwarzwald Tourismus GmbH hat 2019 mit Blick auf das Schließen von Gaststätten gemeinsam mit der Bellini Gruppe Freiburg ein Gastronomie-Konzept entwickelt, das auf Franchisebasis bestehenden Betrieben unter dem Namen Kuckucksstube das Angebot unterbreitet, regionale Produkte anzubieten. Lenzkirch hat vor Jahresfrist die Kuckucksstuben abgelehnt. Nach einer Besichtigung mit Essensprobe der Kuckucksstube am Bahnhof Titisee und der verwaisten Gastronomie im Lenzkircher Kurhaus kam jetzt die Frage erneut auf. Und diesmal hat die HTG der Gemeinde auch den Kontakt zu zwei möglichen Pachtinteressenten vermittelt.

Das kam bei einigen nicht gut an. In der Bürgerfragestunde merkte Hoteldirektor Christoph Schug von der "Saigerhöh’" an, ob es richtig sei in schwierigen Zeiten einen Mitbewerber in den Ort zu holen. Die Bellini-Grupppe sei eine Großküche und könne anders arbeiten. Schug regte an, sich zunächst mit den lokalen Gastronomen an einen Tisch zu setzen und nach Lösungen zu suchen.

Am Ratstisch fand Steve Schmidt "es ist nicht ureigenste Aufgabe der HTG Tochtergesellschaften zu gründen und aktiv in den Gastronomiebetrieb einzugreifen." Er kritisierte, dass es keine offene Pächtersuche gab und das Konzept werde "ohne Bahnhof und Chinesenbusse nicht funktionieren." Keine Gegenrede zur Kuckucksstube hielt Felix Drathschmidt. Er werde aber nicht zustimmen, weil er keine Fakten schaffen wolle. Mit HTG-Geschäftsführer Rudolph habe er in Titisee gesprochen, "aber ich weiß nicht, ob er zugehört hat" und erklärt die Kuckucksstube sei für ihn nur in einem Gesamtkonzept denkbar. Heute gehe es nur um einen Raum. In die gleiche Kerbe hieb Sascha Phlippen. "Wir wollen ein gutes Konzept für das Kurhaus und dann finden wir einen Gastronomen. Befürworter des Verwaltungsvorstoßes waren Werner Grüninger, der meinte, als Tourismusort müsse man den Gästen auch etwas anbieten können." Seit 16 Jahren gebe es nichts Gutes im Kurhaus und man tritt auf der Stelle. Gute Ideen scheiterten am Geld, sagte Johannes Metzger und sah darin einen Schritt, das Kurhaus zu beleben.

Was wirtschaftlichen Fakten angehe, müsse die Gemeinde rund 15 000 Euro für den neuen Pächter in einen neuen Boden und für die Möblierung der Terrasse investieren. In etwa gleicher Höhe flössen die jährlichen Pachteinnahmen.

Die Lenzkircher Kurhausgastronomie steht seit dem Frühjahr leer. "Das Kurhaus wird zu wenig genutzt", begründet Bürgermeister Graf den Vorstoß und hofft mit einer Gastronomie mehr Leben ins Kurhaus zu bringen und den Kursaal wieder bewirten zu können. Das ist nötig, denn das jährliche Defizit beläuft sich auf einen hohen sechsstelligen Betrag.

Im Verlauf der teils emotionalen Diskussion appellierte Raoul Mügge, sich nicht im Ton zu vergreifen. "Blödsinn werde hier nicht geredet. So geht es nicht. Das ist beschämend", merkte er an. Mathias Brugger fand den gemeinsamen Nenner und schlug vor, die Verpachtung als Kuckucksstube zu prüfen und einen Pächter zu suchen. Und mit der lokalen Gastronomie parallel zu reden.