Weltwassertag

Zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Do, 21. März 2019 um 20:32 Uhr

Panorama

Hahn auf, Wasser kommt: Davon können die Menschen in vielen Teilen der Welt nur träumen. Insbesondere in Afrika ist die Wasserversorgung in vielen Regionen problematisch. Warum?

Es sieht aus wie eine Prozession. Rund 100 Kinder einer katholischen Schule im Norden Ugandas laufen an diesem Tag im Februar wie an einer Perlenkette aufgereiht den Highway entlang. Auf dem Kopf balancieren sie gelbe Kanister, gefüllt mit Wasser, das sie aus einer Zisterne geholt haben. Fast fünf Kilometer mussten die Grundschulkinder laufen, bis sie den Brunnen erreicht hatten, nun laufen sie die gleiche Strecke zurück. Am Ende schütten sie das Wasser in einen großen Tank auf dem Schulgelände.

Für die Schüler ist das Alltag, ebenso wie für Millionen anderer Menschen in Uganda, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Was für uns eine Selbstverständlichkeit ist – ein Wasserhahn, aus dem das Wasser endlos heraussprudelt –, ist in weiten Teilen der Welt ein undenkbarer Luxus. Viele Dörfer in Uganda besitzen nur einen gemeinsamen Brunnen, aus dem die Frauen das Wasser zum Kochen, Trinken und Waschen schöpfen.

Laut dem am Dienstag veröffentlichten Weltwasserbericht der Unesco haben 2,1 Milliarden Menschen auf der Welt keinen Zugang zu einer sicheren Versorgung mit Trinkwasser. Insbesondere Afrika ist hiervon betroffen. Demnach haben nur 24 Prozent der Menschen im Afrika südlich der Sahara ständigen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zum Vergleich: In Europa und Nordamerika sind es 94 Prozent.

Und das Problem verschärft sich vor allem durch das enorme Bevölkerungswachstum in vielen Teilen Afrikas. Mehr Menschen brauchen auch mehr Wasser. Nur dass dieses gerade dort immer rarer wird. Dürren gab es dort schon immer, durch den Klimawandel nimmt ihre Zahl aber seit Jahren zu.

Doch laut der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) wäre es zu kurz gedacht, wollte man die Wasserproblematik nur auf den Klimawandel schieben. "Das grundlegende Problem ist nicht die Knappheit, sondern das schlechte Management der Ressourcen", sagt Helmut Lang, der bei der GIZ Senior-Fachplaner im Kompetenzcenter "Wasser, Abwasser, Abfall" ist und jahrelang im südlichen Afrika gelebt hat. In vielen Ländern, so Lang, seien die Wasserkosten für den Endverbraucher sehr niedrig, entsprechend gering seien die Einnahmen der Wasserbetriebe, die somit kaum in eine Verbesserung des Wassernetzes investieren könnten. Marode Rohre seien ein Resultat. "In manchen Regionen gehen 30 bis 50 Prozent des Wassers durch löchrige Leitungen verloren", sagt Lang. Schulungen der lokalen Wasserversorger sei somit eine der vordringlichsten Aufgaben der GIZ.

Doch die Modernisierung der Wasserversorgung ist schwierig angesichts eines weiteren Problems, dem viele afrikanische Städte seit einigen Jahren ausgesetzt sind: der zunehmenden Verstädterung. Immer mehr Menschen ziehen auf der Suche nach Arbeitsplätzen und einer besseren Versorgung in die Städte. Orte, die noch vor wenigen Jahren einige zehntausend Einwohner haben, sind mittlerweile zu Großstädten mutiert. Dass die Entwicklung und Erweiterung des Wassernetzes da nicht mithalten kann, versteht sich von selbst.

Dass es keine einfachen Lösungen des Problems gibt, schreibt auch die Unesco in ihrem Weltwasserbericht. Die Organisation ruft zu weiteren Investitionen in die Wasserinfrastruktur auf – sowohl von Seiten der internationalen Geber-Gemeinschaft wie auch der Staaten und des Privatsektors.

Und tatsächlich tut sich in diesem Bereich auch einiges. Entwicklungshelfer Lang etwa kann auch von einigen positiven Entwicklungen berichten. In Burkina Faso und dem Senegal – zwei extrem trockenen Ländern des afrikanischen Kontinents – seien in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei der Wasserversorgung erzielt worden. Ebenso in Uganda. Die dortige Wasserbehörde sei mittlerweile so gut organisiert, dass sie selbst Fachkräfte aus anderen afrikanischen Staaten, etwa dem Südsudan, ausbildet.

Vielleicht könnten so auch die Schulkinder im Norden Ugandas in absehbarer Zukunft auf ihren wöchentlichen Gang zu den Brunnen verzichten.