Der gute Ton

Zwei Songs, zwei Statements – Zweierpasch feiert Doppel-Release

Clara Müller

Von Clara Müller

Mi, 05. Mai 2021 um 10:08 Uhr

Der gute Ton (fudder)

Die Hip-Hop-Band Zweierpasch aus Freiburg feiert einen Doppel-Release: Mit ihrer neuen Single "La Vida" und dem Kurzfilm zur Album-Single "Clandestino" setzt die Band zwei politische Statements.

Auch wenn die Pandemie es Künstler*innen gerade nicht erlaubt aufzutreten, lässt sich die Band Zweierpasch rund um die Zwillingsbrüder Till und Felix Neumann nicht aufhalten und veröffentlicht eine neue Single und einen Kurzfilm.

Verstärkung bekommt Zweierpasch dabei von der Freiburger Latino-Band El Flecha Negra. "Ich finde es cool, Musikstyles und Sprache zu mixen. El Flecha Negra und wir, wir sind beide sehr bunte Bands. Das jetzt zusammenzubringen, erschien uns bombenstark", so Felix.

Song über das Künstler*innen-Dasein während Corona

Gemeinsam veröffentlichen sie die neue Single La Vida. Darin geht es um das Leben als Künstler. "La vida y la muerte, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Leben und Tod", heißt es im Refrain.
"Das ist irgendwo auch der Gang eines Künstlers. Mal schwebt man auf Wolke sieben, mal schwimmt man im Tal der Tränen. Das kennen wir alle in diesem sehr wackeligen Beruf, aber das hat sich jetzt nochmal verstärkt. Viele kämpfen gerade ums Überleben, auch für die haben wir La Vida geschrieben", sagt Till, "Der Song ist ein Statement zur Coronalage".

Auch die Band ist betroffen, wie sie schon im letzten fudder- Interview erzählte. "Es war eine Tournee geplant und wir waren gerade am Abheben, aber dann kam Corona", so Till. 2020 wollten sie eigentlich mit Live-Konzerten das Geld für die Produktionskosten vom letzten Album "Un peu d’amour" wieder einspielen.

"Aber den Kopf in den Sand zu stecken, ist bei uns nicht die Devise, wir arbeiten an neuen Formaten", sagt Felix. Sie streamen Konzerte, geben Workshops und veröffentlichen Kurzfilme zu ihren Songs.



Geflüchtete Willkommen heißen

Zu ihrem Song Clandestino haben sie nun einen Kurzfilm gedreht. In dem 7-minütigen Video möchten sie Geflüchteten eine Stimme geben. Denn trotz der weltweiten Pandemie haben die Jungs von Zweierpasch auch andere Themen nicht vergessen.

Felix arbeitet in seinem zweiten Beruf im Bereich Migration und Integration und ist hautnah dabei, wenn Menschen aus Syrien und anderen Krisengebieten nach Deutschland kommen. "Es ist hammerhart, was in der Heimat dieser Menschen und auch auf dem Weg zu uns nach Europa passiert. Das vergessen Leute hier aber gerne, weil es für uns so weit weg ist", sagt Felix. Zweierpasch möchte darauf aufmerksam machen.

In ihrem Song vergleichen die Zwillingsmusiker die Geflüchteten mit bekannten Menschen, die außergewöhnliches geleistet haben: so zum Beispiel mit dem erfolgreichen französischen Olympioniken Teddy Riner oder sie zitieren den berühmten Sänger Stromae. "Wir beschreiben, wie stark und bereichernd die Menschen sind, die hierherkommen", sagt Felix. "Und wir ziehen unseren Hut, unsere Cap, vor dem, was die Leute alles auf sich nehmen. Wir sagen einfach ´Respekt, was ihr geleistet habt, ihr seid herzlich willkommen´", ergänzt Till.



Gegen Rassismus und Ausgrenzung, für eine offene Gesellschaft

"Der Song ist ein klares Statement: es gibt nicht nur Corona, Geflüchtete sind weiterhin ein großes Thema!", so Till. "Wir sind eine bunte Welt, ein buntes Deutschland. Das ist normal geworden, aber das wird nicht im Kopf von jedem als normal akzeptiert. Wir beschreiben die positiven, bereichernden Seiten von Zuwanderung und einer bunten Gesellschaft", sagt Felix.

Das Zusammenkommen dieser bunten Gesellschaft zeigen sie im Video, produziert rund um das Team von Sebastian Lucht von Visual Creators, durch Musik und Tanz. Denn Musik verstehe man auch ohne die Sprache zu sprechen, diese Erfahrung habe die Band auf ihren Reisen gemacht, so die beiden Künstler. "Die Musik ist eine universelle Sprache. Tanzen und Musik machen, ist ein Weg, sich zu verstehen. Wir haben es als Schlüssel zum Zusammenfinden genommen."
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