Heimspiel am Samstag

Zweikampfmonster sind die SC-Profis nicht – aber gewiefte Taktiker

David Weigend

Von David Weigend

Fr, 06. Dezember 2019 um 21:06 Uhr

SC Freiburg

"Wir wollen wieder spielerische Elemente reinbringen, damit wir Entlastung haben und selber agieren können": So skizziert Christian Streich wie der SC Freiburg gegen Wolfsburg bestehen möchte.

"Es muss Schluss sein." Mit diesem Satz reagierte SC-Trainer Christian Streich unmissverständlich auf den Hinweis eines Journalisten. Dieser bezog sich auf den Wolfsburger Stürmer Wout Weghorst, der in den vergangenen drei Spielen gegen den Sportclub getroffen hatte. Streich sagte, die Erfolgsbilanz des Niederländers gegen seine Mannschaft sei nicht erheblich. Allerdings: "Natürlich beschäftigen wir uns mit der Art und Weise, wie Weghorst Tore schießt. Das ist was anderes." Das Trainerteam zeige den Spielern ausführlich, wie sich Weghorst verhält: in der Box, außerhalb der Box, wie er die Bälle ablegt, ob er kurz oder lang geht, wie er blockt und so weiter.

SC-Spieler sind keine Zweikampfmonster

Die Freiburger dürften also gewarnt sein. Allerdings waren sie dies am vergangenen Sonntag (2:4 in Mönchengladbach) auch schon. Viel ausrichten konnten sie gegen die glänzend aufgelegten Borussen-Stürmer Marcus Thuram und Breel Embolo trotzdem nicht. Und in der Offensive gelang es kaum, in vielversprechende Abschluss-Situationen zu kommen. Am Sechzehner war meist Endstation. "Wir müssen uns gegen Wolfsburg mehr Torchancen erarbeiten. So beeindruckst du auch den Gegner", so Streich. "Im Heimspiel fällt einem das gefühlt ein bisschen einfacher. Vielleicht auch wegen unserer Fans."

Streich deutete an, dass die Trainingswoche nicht zu den härtesten der bisherigen Hinrunde zählte. Stichwort: Kräfte bündeln. "Wir wollen wieder spielerische Elemente reinbringen, damit wir Entlastung haben und selber agieren können." Wenn einer mal im Eins-gegen-Eins verliere ("Wir sind ja keine Zweikampfmonster"), sollten sich die Spieler gegenseitig unterstützen und die Räume zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen nicht zu groß werden lassen. Streichs Einschätzung des Gegners: "Er wird versuchen, schnell in die Spitze zu spielen und uns mit seiner körperlichen Präsenz zu beeindrucken." Streich betonte die Mischung aus kraftvollen, kopfballstarken Spielern (Brooks, Knoche, Guilavogui) und wendigen, schnellen Akteuren (William, Roussillon) im Wolfsburger Kader. "Wir gehen mit Spannung ins Spiel, aber auch entspannt." Die Entspannung führt Streich auf die bisherige, "mehr als erfreuliche" Saisonleistung seiner Mannschaft zurück.

Zur Erinnerung: Vergangene Saison sorgte der SC erst am letzten Spieltag der Hinrunde mit einem mühevoll erkämpften 1:0 in Nürnberg dafür, dass die Mannschaft ohne schlechte Gedanken im Hinterkopf in die Weihnachtspause gehen konnte. Diesmal hat der SC nach 13 Spielen 22 Punkte auf dem Konto. "Bis jetzt haben wir erst drei Meisterschaftsspiele verloren. Das ist normalerweise die Bilanz von einem Verein wie Leverkusen."

Video: Streich über Mehmedis Rückkehr-Fantasien


Registriert hat dies auch der Ex-Freiburger Admir Mehmedi, der seit Januar 2018 beim VfL Wolfsburg unter Vertrag steht. Mehmedi war dieser Tage in einem Interview mit dem Portal Sportbuzzer voll des Lobes für den SC und seinen ehemaligen Trainer Streich. Mehr noch, der 28-Jährige sagte: "Wenn ich es mir wünschen könnte, würde ich irgendwann gerne noch mal unter ihm spielen." Streich freute sich darüber und erinnerte daran, dass er mit Mehmedi eine intensive Zeit erlebt habe, auch wegen des gemeinsamen Abstiegs. "Er hat sich bei uns sehr gut entwickelt. Und er hat auch nicht zu wenig Zeit meines Arbeitstages in Anspruch genommen. Aber es war schön. Er ist ein toller Kicker."
SC kompakt: Neben Waldschmidt (Gesichts-, Knie- und Sprunggelenksverletzung) und Grifo (Rot-Sperre) wird auch Torhüter Schwolow (individuelles Training nach Adduktorenverletzung) erneut fehlen. Zudem steht Lienhart nicht im Aufgebot, der Verteidiger erlitt einen Muskelfaserriss. Gondorf konnte wegen eines Infekts diese Woche nicht trainieren.