Konzert

Zwischen Klassik und elektronischer Musik

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 15. April 2019 um 16:33 Uhr

Wehr

Arnold Kasar stellt im Alten Schloss in Wehr seine neue CD "Resonanz" vor. Bruder Kurt Zimmermann als Special Guest spielt bei drei Stücken mit.

Er bezeichnet sich als "digitaler Nomade": Der Pianist Arnold Kasar bewegt sich innovativ zwischen Klassik, Jazz, Pop und elektronischer Musik. Wie atmosphärisch dicht, meditativ und stimmungsvoll seine Stücke klingen, führte der aus Öflingen stammende Musiker am Samstag im Alten Schloss Wehr vor, wo er seine neueste CD "Resonanz" vorstellte.

Ganz in sich versunken sitzt Arnold Kasar am Flügel, spielt wunderbar leichthändig, perlend, entspannt, meditativ, mit feinsinnigem Anschlag. Er spielt sich in einen richtigen "Flow" und auch die Zuhörer können sich in die fast schon hypnotische Sogwirkung der Stücke hineinfallen lassen, sich weg träumen. Der seit langem in Berlin lebende Musiker ist nicht nur ein klangsensibler Pianist, sondern auch ein genialer Sound- und Klangtüftler, der höchst kreativ elektronische Mittel in seine Kompositionen einbaut.

Er arbeitet mit einer speziellen Software, die er mit einem Legobaukasten für seinen portablen Synthesizer vergleicht, hat einiges gesampelt, das er dann wie Bausteine in die Live-Performance hineinbringt. Kasar hat viel elektronische Tanzmusik komponiert, sich in der Avantgardeszene bewegt, dann rückte das Klavier wieder mit aller Macht in den Mittelpunkt seiner Musik.

Früher, erzählt Kasar dem Publikum, hat er den ganzen Tag Chopin-Nocturnes oder langsame Beethoven-Sätze gehört und ist abends in Clubs tanzen gegangen. Eine Erinnerung an diese Zeit, an die Club-Sounds seiner Jugend, ist der Titel "Stuecki". Darin tönt beides durch: der Chopin-Verehrer und der Elektroniksound-Fan, und Kasar verschmilzt das zu einem ganz eigenen, individuellen Stück.

Das klingt immer raffiniert, geheimnisvoll, assoziativ, wie Kasar verschiedene Klangwelten und Stile mixt. Zum Beispiel in dem akustischen Solopiano-Stück "XY", in dem er einen Minimal Part und einen romantischen Teil zusammenfügt. Immer wieder klingen bei Kasar Elemente von Minimal Music an, Klänge von suggestiver Wirkung, verbunden mit klassischen, filigran hingetupften Passagen. Oft verarbeitet der Musiker persönliche Erinnerungen, Eindrücke und Erlebnisse in seinen Stücken. So ist die Nummer "Schokolade im Kopf" von seinem Sohn inspiriert. Eher melancholische, auch etwas gespenstische Herbststimmung entfaltet Kasar, der mit bürgerlichem Namen Arnold Keser heißt, in dem Stück "1000 Dohlen". Schon etwas mystisch-sphärisch wird es in "Ein Engel verschwand". Wie der tonmalerische Soundtrack zu einem Mystery-Film klingt "Gone", die Musik zu einem Videoclip, der im Südschwarzwald gedreht wurde, und in der Kasar die nächtliche, neblige, unheimliche, geheimnisvolle Waldstimmung einfängt.

Kasar hatte zu seinem Auftritt noch einen ganz speziellen "Gast" mitgebracht: seinen Bruder Kurt Zimmermann, ein bekannter Gitarrist, der aus der Bluesszene kommt. Zusammen spielten die Brüder drei Stücke, was zu einem besonderen Klangerlebnis wurde, diese aufregende Kombination von Klavier und Gitarre. Sehr relaxed und lässig klang das Zusammenspiel in "Two Guns", wo Zimmermann eine spezielle Weissenborn-Gitarre spielte.

In dem Jazz-Blues-Titel "Rhy Wehra Paradise" , einem Arrangement eines Stücks von Stevie Ray Vaughan, brachte Zimmermann auf einer anderen Gitarre spezielle Klangeffekte mit Vibrato ein. "Das ist nicht Retro, sondern Vintage", kommentierte Kasar launig diese Coverversion. Im Duo mit seinem Bruder spielte er erstmals live den Song "So-called Lover", den sie auf einer früheren CD gemeinsam eingespielt haben. Der von Kasar gefühlsintensiv gesungene Song beschreibt eine Stimmung am Rheinufer und eine Liebesgeschichte, die vielleicht passiert sein könnte.

Die Zuhörer ließen sich bei diesem "Heimspiel" von Kasar begeistert hineinziehen in diese ganz eigenen Klangsounds, diese mal empfindsamen, melancholisch getönten, introvertierten, mal experimentell und elektronisch aufgemischten Klänge am Piano.