Zwischen Technik und irgendwas mit Büro

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Mo, 21. Oktober 2019

Titisee-Neustadt

JOB-START-BÖRSE II: Mit Taschen voller Prospekte geht es nach Hause / Unternehmen: "Man muss sich präsentieren".

TITISEE-NEUSTADT. Viel zu sehen und zu erfahren gab es auf der Job-Start-Börse (JSB). Die Aussteller präsentierten mit hohem Aufwand ihre Produkte und Projekte ihrer Auszubildenden, die Messebesucher durften Hand anlegen. Eva Korinth hat Stimmen gesammelt.

Schüler:
Der 15-jährige Titiseer Finn Löffelholz aus der zehnten Klasse der Hebel-Werkrealschule und sein Klassenkamerad Liam Harper (15) sind beeindruckt, wie viele Stände da sind. Das sei eine gute Auswahl. Finn neigt zu etwas Technischem oder etwas in der Natur, Liam überlegt, ob er noch weiter auf die Schule geht.

Die elfjährige Regina Kalinger aus der sechsten Klasse der Realschule begleitet ihre Cousine und ihren Bruder. Am Workshop Metall findet sie großen Spaß. Ihre Neigungen gehören Technik und Backen.

Marlene Müller (16) von der Hans-Thoma-Schule ist mit drei Klassenkameradinnen der Berufsorientierungsklasse für Hauswirtschaft unterwegs und findet das Angebot gut, aber schon fast zu viel. Lana Hofmann (15) aus Löffingen war mit den Löffingerinnen Melanie Wiechmann und Jennifer Kurinyj bei Edeka, der Helios-Klinik, AOK, Franz Morat, Weckermann, Frei Lacke und fühlten sich überall freundlich und gut informiert. Lars Schwarz (13) aus Bubenbach, Nils Zimmermann (13) aus Lenzkirch und Moritz Bause (13) aus Neustadt sind Achtklässler der Hebelschule, ihre Taschen sind mit Prospekten gefüllt, die sie zuhause lesen wollen. Schwarz bekennt: "Ich hab noch keinen Plan." Zimmermann will Mechatroniker für Motorräder werden und mit einem Praktikum beim Autohaus Wittmer erfahren, was auf ihn zukommt. Bause ist beeindruckt davon, dass sich die Unternehmen so ins Zeug legen. Eine "ungefähre Richtung" hat Nico Kaltenbach, der mit seiner Familie da ist: irgendetwas im Büro. Er besucht das Berufskolleg Wirtschaft der Hans-Thoma-Schule. Viele Prospekte gesammelt haben Michael Schneider (15) und Sarah Benz (14), zwei Neuntklässlerinnen von der Löffinger Realschule. Schneider ist begeistert von der CAD-Maschine in der Holzwerkstatt der Schule. Sein Berufsziel sieht er bei den Schreinern oder im Metall. Benz meint, Altenpflegerin könnte etwas für sie sein.

Auszubildende:
Luisa Schuler, Werkzeugmechanikerin im ersten Lehrjahr bei Franz Morat Eisenbach unterstützt die Schüler beim Bohren, Feilen, Stanzen und Zusammensetzten des Lochers im Metall Workshop. Die 18-Jährige hatte sich den Beruf bei einem Ferienjob angeschaut und dann beworben. Am Stand der Forstwirtschaft sägt die Viertbeste des Bundeswettbewerbs der Forstlehrlinge, Francine Fortagne, mit ihrem Ausbildungskollegen Benjamin Hog um die Wette. Für ihren Beruf zu werben sei ein schönes Gefühl, sagen beide, viele Interessenten hätten Vorkenntnisse im Umgang mit den Maschinen.

Ausbilder:
Die Schüler fragten gezielt nach Praktika und holten sich Grundinformationen zu den angebotenen Ausbildungsberufen, weiß Andreas Kolinska, Ausbilder von Dunkermotoren aus Bonndorf bei der HeDu, der Ausbildungskooperation von Hectronic und Dunkermotoren. Sie wünschen sich motivierte Auszubildende, ergänzt Eike Mazuga, auch sie von Hectronic, da sei der Notendurchschitt zweitrangig. Man habe gute Erfahrungen mit Werkrealschülern gemacht. Matthias Weidinger, Projektleiter und Ausbilder von Morath Automatisierung (Titisee-Neustadt) ist mit einem Auszubildenden und einem Studenten da. "Es ist wichtig, dass wir uns zeigen, um Nachwuchs zu bekommen", sagt er.

Hebel-Werkrealschullehrerin Jasmin Egenolf sucht nach Praktikumsplätzen für ihre Schüler. Sie sagt, die Börse biete direkten Kontakt, um zu erfahren, wer ausbildet und was die Firmen erwarten.

Pfeiffer Präzisionsteile aus Kleineisenbach hat Premiere auf der Börse. Marius Pfeiffer, Technischer Assistent der Geschäftsleitung, weiß, dass die Azubisuche immer schwieriger wird, da viele Schüler nicht wüssten, was sie werden wollten und auf eine weiterführende Schule gingen. Er hat auf der Börse viele begeisterte junge Leute getroffen.

Jasmin Schutsch von der Personalabteilung des Parkhotels Adler in Hinterzarten hat viele Fragen nach Praktikumsmöglichkeiten sowie nach den Ausbildungsberufen Koch, Köchin und Restaurantfachmann/-frau zu beantworten. "Viele Schüler sprechen uns an", schildert sie den Ablauf am Stand.

Mit Glücksrad, Produktbeispielen und einem Torschusspräzisionsspielgerät präsentiert sich Franz Morat (Eisenbach). Holger Schwaab ist mit vier Auszubildenden gekommen. Die Schüler lassen sich immer mehr Zeit mit ihren Bewerbungen, berichtet Schwab, ihnen sei wohl bewusst, dass es mehr Plätze wie Auszubildenden gibt, sodass sie auf ihren Wunschplatz hoffen. Die Strategie von Morat, ein Jahr vor Ausbildungsstart alle Plätze zu vergeben, gehe daher nicht mehr auf.

"Man muss sich präsentieren", findet Alexander Bach, Ausbilder der Koepfer Group in Furtwangen, die erstmals auf der JSB ist. Wie wichtig die ist, zeigt Johannes Herbstritt von GSG Schwörer (Oberbränd): Derzeit hat er drei Azubis, die sich nach der JSB beworben haben.