Deutsche Bahn

2018 neun Millionen zusätzliche Verspätungsminuten

Thomas Wüpper

Von Thomas Wüpper

Mo, 15. April 2019 um 20:30 Uhr

Wirtschaft

Neue Zahlen des Verkehrsministeriums zeigen das wahre Ausmaß der Verspätungen bei der Bahn. Der Regionalverkehr in Baden-Württemberg ist unpünktlicher als in anderen Bundesländern.

Bei der Deutschen Bahn sind im vergangenen Jahr für Reisende insgesamt rund neun Millionen Verspätungsminuten dazugekommen. Damit summieren sich allein die zusätzlichen Verspätungen auf 6250 Tage oder mehr als 17 Jahre. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor.

Allein im Regionalverkehr fuhr die Bahn demnach 2018 bundesweit rund 143,1 Millionen Minuten Verspätung ein, nach 134,4 Millionen im Jahr zuvor. Im Fernverkehr wuchs die Unpünktlichkeit von 3,3 auf 3,7 Millionen Minuten. In der offiziellen Bahnstatistik liest sich das Problem weniger dramatisch, denn hier nennt der Staatskonzern im Fernverkehr nur jene Züge, die mit sechs oder mehr Minuten Verspätung ans Ziel kommen. Diese Quote sank 2018 von 78,5 auf 74,9 Prozent. Im Regionalverkehr waren im bundesweiten Durchschnitt 94,1 Prozent der DB-Regio-Züge pünktlich – 0,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Hier sind größere Verspätungen wegen der kurzen Entfernungen und engen Takte seltener, zudem werden S-Bahnen eingerechnet. Je nach Bundesland gibt es erhebliche Unterschiede.

In Baden-Württemberg wuchsen die Verspätungen der Regionalzüge im vergangenen Jahr von 18,9 auf 20,3 Millionen Minuten. Nach DB-Angaben kamen 92,7 Prozent der Regionalzüge im Südwesten pünktlich an. In den beiden Vorjahren waren es 93,4 Prozent, davor 94 Prozent und mehr gewesen.

Am unpünktlichsten fuhren 2018 die Regionalzüge in Bremen (86 Prozent), Schleswig-Holstein (87,9), Hamburg (89) und Hessen (90,9). Die beste Pünktlichkeit hatten Berlin (97,3), Mecklenburg-Vorpommern (96,6), Thüringen (95,9) und Sachsen (95,5).

Zur Einordnung: Die Deutsche Bahn bietet täglich rund 75 000 Fahrten mit 24 000 Zügen an. In Bahnen und Bussen des Konzerns werden pro Tag mehr als sieben Millionen Menschen befördert, rund 90 Prozent davon im Nahverkehr. Allein im Fernverkehr auf der Schiene waren im vergangenen Jahr rund 148 Millionen Passagiere unterwegs und damit deutlich mehr als im gesamten deutschen Flugverkehr, wo es ebenfalls häufig große Verspätungen gibt.

In der Antwort der Bundesregierung auf die Grünen-Anfrage finden sich Details zu den Ursachen. Hauptgrund für Verspätungen sind demnach unpünktlich bereitgestellte Züge bereits am Start. Zweiter Hauptgrund sind Personalprobleme. Mit weitem Abstand wichtigster Grund für Verspätungen sind aber den Zahlen zufolge massive Mängel am Schienennetz. Allein 2018 gab es demnach 161 000 Infrastrukturstörungen, 9000 mehr als im Jahr zuvor.