Ratsmehrheit steht

2020 könnte es in Freiburg verkaufsoffene Sonntage geben

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Di, 17. Dezember 2019 um 16:11 Uhr

Freiburg

Was in anderen Städten längst üblich ist, blieb in Freiburg lange tabu. Nun zeichnet sich eine Mehrheit im Gemeinderat für bis zu zwei Einkaufssonntage ab – beschränkt auf das Jubiläumsjahr 2020.

Im Jubiläumsjahr 2020 könnten der Freiburger Einzelhandel und seine Kundschaft erstmals seit gut 60 Jahren bis zu zwei verkaufsoffene Sonntage bekommen. Einen entsprechenden Antrag haben nun Grüne, CDU, Freie Wähler und FDP/Bürger für Freiburg eingereicht. Die vier Fraktionen kommen zusammen auf 25 von 48 Sitzen. Seit gut 20 Jahren bemüht sich der Einzelhandel um einen entsprechenden Beschluss des Gemeinderates, hatte bislang aber nie eine Mehrheit bekommen.

"Das ist ein Weihnachtsgeschenk für unsere Einzelhändler, wir freuen uns, dass sich eine Mehrheit gefunden hat", sagt Stadtrat Christoph Glück (FDP/Bürger für Freiburg), der am Schmieden des Bündnisses entscheidend mitbeteiligt war. Am Dienstag haben die vier Fraktionen ihren interfraktionellen Antrag eingereicht. Danach sollen im Jahr des 900. Stadtgeburtstages bis zu zwei verkaufsoffene Sonntage ermöglicht werden. Im Gegenzug soll dann pro Einkaufssonntag je ein Megasamstag entfallen. Bislang hatten an zwei Samstagen im Jahr viele Läden in der Stadt bis 24 Uhr geöffnet.

Einzelhandel fordert seit Jahren einen verkaufsoffenen Sonntag

Ein verkaufsoffener Sonntag sei seit Jahren eine Kernforderung von Einzelhandelsverband und zahlreichen Händlern in der Stadt, schreiben die Fraktionen. Zudem hätte der Handel in den vergangenen Jahren unter zahlreichen Baustellen zu leiden gehabt. Mit einem verkaufsoffenen Sonntag im Jubiläumsjahr soll dem Handel die Gelegenheit gegeben werden, Freiburg als Einkaufsstadt zu präsentieren. Die Sonntags-Initiative solle erst einmal nur aufs Jahr 2020 beschränkt sein. Zeitpunkt und Anzahl (ein oder zwei Sonntage) sollten mit dem Einzelhandel und Gewerkschaften abgestimmt werden. Nach den Extra-Einkaufstagen sollten die Erfahrungen und Ergebnisse sollten zusammengetragen und evaluiert werden.

Die Händlervereinigung "z’Friburg in der Stadt" hatte dieser Tage noch einmal einen eigenen Antrag im Rathaus eingereicht – samt Terminvorschlag für einen Einkaufssonntag: Genannt wird da der 5. Juli, der Weinfestsonntag. "Wir würden uns natürlich freuen, wenn es im Gemeinderat eine Mehrheit geben würde", sagt Stefan Huber, Vorsitzender von "z’Friburg in der Stadt". Dafür würde man auch gerne die Mega-Samstage opfern. Für Huber ist klar, dass es nur um einen oder maximal zwei Anlässe geht: "Niemand von uns will fünf Sonntage im Jahr im Laden stehen." Huber berichtet aus den Chroniken von "z’Friburg in der Stadt", dass es vor gut sechs Jahrzehnten einzelne Einkaufssonntage gegeben haben soll.

(15. Juni 2018)

Von einem wichtigen Signal für die Einkaufsstadt Freiburg spricht Stefan Schupp, Geschäftsführer von Schafferer und Sprecher von "Herzschlag Freiburg", einem Zusammenschluss von neun Traditionshäusern. Freiburg habe als Einkaufsstadt in den vergangenen Jahren an Glanz verloren – was auch daran liege, dass manche Umlandstädte manches besser als Freiburg machen würden und dort auch die Qualität des Einzelhandels gestiegen sei. Diese Städte könnten im Vergleich mit Freiburg oft auch mit besserer Erreichbarkeit und günstigerem Parken punkten. Einkaufssonntage seien für den Freiburger Handel besser als die Megasamstage, weil man so auch Familien erreichen könne: "Das wird uns sicher noch einmal ein andere Reichweite bringen", so Schupp. Trotzdem heiße das alles nicht, dass an Einkaufssonntagen auch das große Geld verdient werde. Denn an einem solchen Tag würden durch den Sonntagszuschlag doppelte Personalkosten anfallen.

In der jüngeren Vergangenheit bildete Freiburg unter den deutschen Großstädten eine der letzten Bastionen gegen das Shopping am Sonntag. Gewerkschaften und Kirchen hatte entsprechende Vorstöße stets abgelehnt. Im Gemeinderat gab es über die Jahre hinweg stabile Mehrheit gegen die immer wieder beantragten Einkaufssonntage – die Nein-Stimmen kamen von den Linken, aber auch von der CDU. Besonders heftig waren Debatten im Jahr 2012. Weil beim Papstbesuch Ende September 2011 durch die notwendigen Sperrungen die Innenstadt einen Samstag lang quasi nicht erreichbar, hatte die damalige Rathausspitze dem Einzelhandel zum Ausgleich einen verkaufsoffenen Sonntag versprochen – war aber am Ende mit dem Vorstoß an der Ratsmehrheit abgeprallt.

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