Schluchtensteig

26-jährige Studentin im Schwarzwald bleibt weiterhin spurlos verschwunden

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Do, 17. September 2020 um 21:54 Uhr

Südwest

Seit einer Woche fehlt von Scarlett S. jede Spur. Die 26-jährige Studentin wollte den Schluchtensteig im Schwarzwald durchwandern. Es ist unklar, was ihr zugestoßen sein könnte.

Nach wie vor gibt es keine Spur von der 26-jährigen Studentin, die den Schluchtensteig im Südschwarzwald durchwandern wollte und seit vergangenen Samstag vermisst wird. Eine großangelegte Suchaktion wurde am Montagabend um 23 Uhr abgebrochen. "Wir wissen einfach nicht, was passiert ist", sagt Mathias Albicker vom Polizeipräsidium Freiburg. Die Polizei geht weiterhin allen Hinweisen nach.

Polizei, Feuerwehren, Bergwacht und Rotes Kreuz suchten am vergangenen Sonntag und Montag mit zahlreichen Einsatzkräften, Hubschraubern, Drohnen und 35 Spürhunden nach der jungen Frau. Doch vergebens. Die Suche konzentrierte sich auf die sechste und letzte Etappe des Schluchtensteigs von Todtmoos nach Wehr. Dennoch ist die Bergwacht auf der Suche nach Scarlett S. nochmals die 119 Kilometer des gesamten Schluchtensteigs, der durch mehrere Schluchten führt, abgelaufen. Doch auch das ohne Erfolg. Auch das Handy der Studentin konnte nicht geortet werden, selbst nicht mit einem Spezialgerät vom Hubschrauber aus, welches ein Funknetz simulieren kann.

Scarlett S. aus Bad Lippspringe wird seit 10. September vermisst

Am 4. September, so viel ist nach Angaben der Polizei bekannt, reiste die Studentin aus Bad Lippspringe in Nordrhein-Westfalen mit dem Auto nach Stühlingen, um sich von dort aus auf die Wanderung zu begeben. Am 9. September schickte sie Fotos von der Wanderung per Whatsapp an ihre Familie und Freunde.

Am 10. September hat sie eine Überwachungskamera eines Supermarktes in Todtmoos gefilmt. Dort kaufte sie ein, nachdem sie ihr Hotel verlassen hatte. Danach verliert sich ihre Spur.

Nachdem sie am 11. September nicht zu einer Verabredung mit einer Freundin gekommen war, meldete ihre Familie sie am darauffolgenden Tag als vermisst und reiste selbst in den Südschwarzwald, wo sie sich dem Vernehmen nach noch immer aufhält.

Das Gelände birgt Gefahren – und wird oft unterschätzt

"Wir können nichts ausschließen", sagt Albicker. Allerdings gebe es bisher keinerlei Hinweise auf eine Straftat. Auch gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die junge Frau, aus welchen Gründen auch immer, von sich aus nicht mehr meldet. "Von den topographischen Verhältnissen her betrachtet ist ein Unfall eher wahrscheinlich", sagt Albicker. Doch festlegen will sich der Polizist nicht.



"Wenn man auf dem Wanderweg bleibt, ist der Schluchtensteig zwar streckenweise anspruchsvoll, aber ungefährlich", sagt Albicker. Verlässt man hingegen den offiziellen Weg, kann es durchaus gefährlich werden. Ob die junge Frau den Weg verlassen hat, ist nicht bekannt. "Sie gilt jedenfalls als fit, sportlich und geübte Wanderin", sagt Albicker. Zudem sei sie gut ausgerüstet gewesen.

Mehrmals im Jahr kommen Wanderer vom Weg ab

"Der Schluchtensteig ist ein stark begangener Weg", sagt Adrian Probst, Bürgermeister von St. Blasien und Landesvorsitzender der Bergwacht Schwarzwald. "Dennoch ist man in der freien Natur, und da gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Darin besteht für viele auch ein Reiz." Die Sicherheit stehe am Schluchtensteig wie auch auf anderen Wanderwegen zwar sehr im Fokus. Dennoch, so Probst, hat die Bergwacht etwa 10 bis 20 Einsätze im Jahr am Schluchtensteig. "Mit Blick auf die Frequenz ist das aber wenig."

"Es gibt im Südschwarzwald eine Handvoll Menschen, die seit Jahren vermisst sind und bis heute nicht gefunden wurden." Adrian Probst, Bürgermeister von St. Blasien
Der Südschwarzwald birgt durchaus Gefahren, die immer wieder unterschätzt werden. Dass Wanderer vom Weg abkommen und abstürzen, komme mehrfach vor, sagt Probst. Das gelte auch für den Schluchtensteig. "Es gibt im Südschwarzwald eine Handvoll Menschen, die seit Jahren vermisst sind und bis heute nicht gefunden wurden", sagt Probst.

Die Polizei, die Rettungskräfte und ganz besonders natürlich die Familie und die Freunde der Studentin geben die Hoffnung nicht auf. Am Donnerstag veröffentlichte deshalb die Polizei noch einmal eine Suchmeldung mit folgenden Angaben:
Die 26-jährige Vermisste ist 1,60 Meter groß, hat lange, dunkelblonde an den Spitzen blonde Haare und führt einen roten Trekking-Rucksack der Marke Osprey und vermutlich ein graues Zelt mit.

Die Kriminalpolizei Bad Säckingen wendet sich an die Öffentlichkeit: Wer hat die Vermisste gesehen oder kann Hinweise auf ihren Aufenthaltsort machen? Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, sich an die Kriminalpolizei Bad Säckingen 07761/934 500 oder jede andere Polizeidienststelle zu wenden.