Wellnesshotel

28-Jähriger übernimmt das Hotel Auerhahn am Schluchsee

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Do, 10. Juni 2021 um 18:05 Uhr

Schluchsee

Schwarzwald – neu interpretiert: So will Marius Tröndle das bekannte Wellnesshotel in Aha ausrichten und damit die lange Geschichte seiner Familie und des Hauses weiterschreiben. Und einen Michelin-Stern hätte er auch gerne.

"Ist die Theke noch zu haben?" Der Interessent wirft einen Blick auf das große, hölzerne Einrichtungsstück. Marius Tröndle kann die Frage mit ja beantworten, obwohl das Hotel Auerhahn in den vergangenen Wochen recht leer geworden ist. Ein Räumungsverkauf läutet das neue Kapitel in der Geschichte des Hauses am Schluchsee ein, die Marius Tröndle für seine Familie weiterschreiben wird. Der 28-Jährige übernimmt den Auerhahn und will das Hotel zu einer modernen Adresse für Kulinarik, Wellness und Aktivurlaub machen.

Margret und Meinrad Tröndle, die Großeltern von Marius Tröndle, eröffneten 1993 das Wellnesshotel in Aha. Meinrad Tröndle kehrte damit zu den Wurzeln seiner Familie zurück, die das einstige Gasthaus "Auerhahn" vor langer Zeit schon einmal besaß. Die vergangenen knapp 30 Jahre führten Ferdinand und Renate Thoma als Pächter das Haus. Der Vertrag ist nun ausgelaufen, die Thomas wollten sich nach Aussage von Marius Tröndle zurückziehen. Da sah der gelernte Koch und Restaurantfachmann, der außerdem die Hotelfachschule Belvoirpark in Zürich absolvierte, seine Chance gekommen: "Und die will ich ergreifen."

Wie schon seine Großeltern schwärmt er von der Lage des Hauses, seinem Potential und dem Hochschwarzwald als Urlaubs- und Wohlfühlort. Die Region kennt Marius Tröndle aus seiner Kindheit, aus seiner Lehrzeit im "Auerhahn" und seit 2020 ist er am Schluchsee bereits als Gastronom tätig: Er führt das Boutiquehotel und Restaurant Mühle.

Jetzt kommt der "Auerhahn" dazu – eine große Aufgabe für den jungen Mann. "Ich gehe sie mit gesundem Respekt an. Ich weiß um die Verantwortung, die ich für die Mitarbeiter, das Haus und seinen Namen habe", sagt Tröndle. "Aber wenn nicht jetzt – wann dann?" Mit der "Mühle" habe er den Praxistest bestanden, seine Zukunft sieht der junge Mann in der Gastronomie und im Hochschwarzwald.

Nach und nach wird nun das beim Räumungsverkauf veräußerte Interieur abgebaut. Die reichgeschmückte Holzdecke in der Lobby etwa. "Sie hat sich jemand für sein Privathaus gekauft", erzählt Tröndle. Die Leute seien an den Verkaufstagen teilweise sogar Schlange gestanden. "Und sie wollten alle Türen öffnen, haben sogar in den Aufzugsschacht geschaut."

Der Schwarzwald-Barock, wie Marius Tröndle die üppige Einrichtung des heutigen Hauses nennt, soll einer klaren Formensprache weichen. "Der Schwarzwald bleibt – nur modern interpretiert." Wie das aussieht, zeigt ein Teil des Wellnessbereichs, an dessen Neugestaltung Marius Tröndle schon beteiligt war.

Ziel für das Gourmetrestaurant ist ein Michelin-Stern

Herzstück des neuen "Auerhahn" soll ein Gourmetrestaurant mit einem klaren Ziel werden: "In vier bis fünf Jahren einen Michelin-Stern zu bekommen." Es soll außerdem ein Restaurant für Hotelgäste und eine Einkehrmöglichkeit für Wanderer und Ausflügler geben. Neu geschaffen wird ein Wintergarten, in welchen eine große Bar einziehen wird. Auch sie wird ein Schwerpunkt im neuen Konzept sein. Außerdem Stand-up-Paddling, E-Bike-Ausfahrten, Wanderungen und Schneeschuhtouren, die zur Ergänzung zum Wellnessangebot für die Hotelgäste geplant sind. 42 der insgesamt 64 Zimmer werden neu gestaltet. "Der Auerhahn soll zu einem Haus werden, in dem ich selbst gerne Urlaub machen würde", so Tröndle. Die Eröffnung soll im Juni 2022 sein.

Was erhalten bleibt, ist der Margaretensaal. Meinrad Tröndle hat den festlich gestalteten Raum seiner Frau zum 60. Geburtstag geschenkt. Den Saal schmücken unter anderem handgemalte Porträts von Meinrad und Margret Tröndle. Auf einer der Wände ist ein Junge zu sehen, der Trauben isst. "Meine Familie sagt, das bin ich", sagt Marius Tröndle und lacht. Als er den Saal verlässt, kommt ihm seine Großmutter entgegen. "Es ist schön, einen Enkel zu haben, der das Haus in unserem Geist weiterführt."