Umsonst und draußen

400 Menschen feiern bei Rock ’n’ Roll im Herbolzheimer Stadtgarten

Michael Haberer

Von Michael Haberer

So, 07. August 2022 um 19:00 Uhr

Herbolzheim

Zwei Jahre lang ging pandemiebedingt nichts. Nun wurde in Herbolzheim endlich das 30. Stadtgartenfest gefeiert. Zum Auftakt am Samstagabend gab es Auftritte zweier Bands.

Rund 400 Menschen kamen am Samstag zum Auftakt des zweitägigen Stadtgartenfests nach Herbolzheim, um den Konzerten der ersten beiden Bands bei dem Umsonst-und-draußen-Event zu lauschen und mitzugehen. Nachdem zwei Jahre lang wegen der Pandemie nichts ging, legten am Wochenende jene Bands los, denen die Stadtgarten-Initiative bislang absagen musste, um das 30. Stadtgartenfest krachen zu lassen.

Erster Eindruck
Das Stadtgartenfest ist ein Familienereignis. Bevor man bei der Menge des Publikums ankommt, passiert der Besucher turnende Kinder. Da die Hitze der vergangenen Tage am Samstag verflogen ist, hat es auch die richtige Temperatur für das Happening von Jung und Alt. Die ganze Familie tummelt sich auf dem Gelände unter den alten Bäume. Die Eltern stehen beim Bierstand an und plaudern, während die Zuhörer nahe am Rock ’n’ Roll in Bewegung kommen.

Gefühlte 1000 Jahre Musik
Der Auftakt gehört der Ur-Herbolzheimer "Andromeda". Diese Band ist schon fast so lange dabei, wie es das Stadtgartenfest gibt. Zwar sind‘s nicht tausend Jahre Musik, wie Bassist und Sänger Bernd Geiger erklärt, der die 60 schon deutlich hinter sich hat und gefühlt seit ewigen Zeiten auf den Bühnen singt. Aber fast 50 Jahre hält der Rock ’n’ Roll die Band zusammen. Während Bernd Geiger und Allrounder Stefan Hofstetter die Klassiker des Rock-Pop singen, tanzen vor der Bühne Geigers Tochter und Enkel. Die in die Jahre gekommenen Herren verstehen es, das Publikum, das vor allem wegen der Musik gekommen ist, auf Temperatur zu bringen. Nach den finalen "Honky Tonk Women" möchte sie das Publikum natürlich nicht von der Bühne lassen. Nach dem "Twist and shout" muss es aber sein, da die nächsten Musiker ungeduldig warten.

Mir sin fit
"Elsass am Arsch", rockt Fred Sahner von der Band "Okko". Die Musiker bringen mit einen Mix von Elsässer-Dütsch und Französisch ihre Mentalität auf die Bühne. Knallig hören sie sich an, wenn "D’r Hans im Schnokeloch" eine ganz fetzige Note bekommt. Besonders Sänger Fred legt eine dynamische Show hin. Noch sportlicher als Mick Jagger springt er auf und vor der Bühne herum. Von dessen Alter ist er aber auch noch ein ganzes Stück entfernt. Besonders inspirierend wirkt sein rockiger Sport und seine röhrige Stimme auf die Kinder vor der Bühne. Sie toben mit, was Fred vorlegt. Da versteht man, was Bernd Geiger meint, als er sagt, wir sind nur die "Warm-up-Band". Jetzt wird’s heiß, was Fred auch mit Mimik und Gestik rüberbringt.

Mit Coolness
"Die stemmen das mit Coolness", hört man über die Arbeit des Orga-Teams. Kühler Kopf gehört dazu, wenn Mitvorstand Manfred Roser darum bemüht ist, damit es nicht ständig die Sicherung raushaut. Wie wird’s, wenn erst die ganzen Lichter angehen, fragt sich Georg Binder. Er steckt gerade Schläuche, die nicht halten wollen, zusammen. Im Lauf der Abends müssen sie bei den Getränken improvisieren. Die Schorle-Gläser gehen aus und das Publikum wird aufgefordert, die Gläser zurückzugeben.

Nächste Generation
"Es ist ein toller Job", sagt Chiara Bode, während sie die Cocktails mixt. Cocktails sind wichtig. Getränke und Speisen finanzieren das Fest. Chiara hat gerade ihr Abitur absolviert und gehört zu den Kindern der Stadtgarten-Gründungs-Generation. Auf den Youngstern wie ihr ruht die Hoffnung der Initiatoren, dass es irgendwann ohne sie weitergeht. Gebraucht wird der Nachwuchs. Rund 90 Helfer sind im Schichtdienst, um den Betrieb über zwei Tage am Laufen zu halten.