Kehl

4500 Haushalte sollen künftig mit Abwärme der Badischen Stahlwerke geheizt werden

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Di, 14. Mai 2019 um 12:24 Uhr

Wirtschaft

Jede Menge Abwärme verpufft bei den den Badischen Stahlwerken in Kehl bisher ungenutzt. Dies soll sich ändern: Straßburger Wohnungen sollen künftig damit geheizt werden.

In drei Jahren könnten Straßburger Wohnungen mit Abwärme der Badischen Stahlwerke (BSW) in Kehl geheizt werden. Eine Absichtserklärung für dieses Projekt unterzeichneten Vertreter aus Deutschland und Frankreich sowie der BSW am Montag.

Mit einem Stromverbrauch von 1,2 Terawattstunden pro Jahr, so viel wie eine Großstadt mit etwa einer Million Einwohner benötigt, darf man das Kehler Stahlwerk, das einzige in Baden-Württemberg, getrost als Stromvernichter bezeichnen. Jedenfalls zögert der Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke, Markus Menges, diesbezüglich keine Sekunde. Eine Jahresproduktion von 2,2 Millionen Tonnen Stahl ist der Grund für die gigantische Zahl. Im Unterschied zu klassischen Hochöfen, die mit Koks befeuert werden, wird der Stahl in Kehl in Elektroöfen aus Schrott gewonnen. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die BSW damit einen Umsatz von einer Milliarde Euro.

Von einer nicht minder beeindruckenden Menge Abwärme, die bei der Stahlproduktion anfallen, sollen in einem ersten Schritt geschätzt 4500 Haushalte in Straßburg profitieren. Die Abwärme des Stahlwerks wird dafür in Heizwärme umgewandelt. Dafür braucht es unter anderem Wärmetauscher beim Stahlwerk und beim Straßburger Heizwerk. Außerdem müssen Rohre auf einer Strecke von 16 Kilometern verlegt werden. Die notwendigen Investitionen für eine erste Ausbauphase werden auf 25 Millionen Euro geschätzt. Dann können 45 Gigawatt Abwärme, das sind 45 Millionen Kilowattstunden, ins Straßburger Wärmenetz eingespeist werden. Weitere 35 Millionen Kilowattstunden will die Firma BK Bioenergie für ihr Holzpellets-Werk im Kehler Rheinhafen abnehmen.

Bisher handelt es sich bei den Überlegungen nur um eine technische Studie

Für BSW-Geschäftsführer Menges ist die geplante Kooperation eine wünschenswerte Lösung: "Wir sehen hier die Chance, die Abwärme des Werks ökologisch und zugleich effizient zu nutzen", sagte er bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung. Kehls Oberbürgermeister Toni Vetrano verglich das Vorhaben in seiner Bedeutung mit der Straßenbahnverbindung Kehl–Straßburg. Von einem "besonderen Charme dieses grenzüberschreitenden Projekts" hatte man 2018, als die Pläne an die Öffentlichkeit gedrungen waren, im Stuttgarter Umweltministerium gesprochen und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben – mit positivem Ergebnis. "Wir brauchen solche Projekte wie hier in Kehl/Straßburg, die nicht nur ökologisch, sondern auch technisch und ökonomisch sinnvoll sind", sicherte Umweltstaatssekretär André Baumann die Unterstützung der Landesregierung zu.

Dennoch handle es sich bei der Studie lediglich um eine erste technische Prüfung, räumte der technische Leiter der BSW, Reiner Hagemann, ein. Es müssten noch Details geprüft werden wie das optimale Temperaturniveau und die Länge der Rohrleitungen. Hagemann ist vorsichtiger bei den Schätzungen der Energiemenge, die ins Straßburger Wärmenetz eingespeist werden können. Auch Kehl könnte in Zukunft von der Abwärme der BSW profitieren. Hier fehlen in der Innenstadt im Gegensatz zu Straßburg bislang jedoch Leitungen, um die Wärme zu den Gebäuden zu transportieren.