Mobilfunk

5G ist auch in Südbaden die Basis für die digitale Transformation

Jens Kitzler & Ralf Strittmatter

Von Jens Kitzler & Ralf Strittmatter

Mo, 25. März 2019 um 12:52 Uhr

Südwest

Der Sonntag Der Mobilfunkstandard 5G ist auch in Südbaden gefragt. Auf die Gemeinden kommt ein Ausbau der Sendeanlagen zu. Ob die Technologie aber tatsächlich bis in den ländlichen Raum gelangen wird, ist offen.

Seit Dienstag steigern Mobilfunkkonzerne um die Lizenzen für das ultraschnelle Mobilfunknetz der Generation 5G. Auch nach Südbaden wird die Technologie gelangen, ob bis in den ländlichen Raum, ist aber offen. Und Kritiker warnen vor Gesundheitsgefahren.

Seit vergangenem Dienstag wetteifern die Anbieter Telekom, Telefonica, auch als O2 bekannt, Vodafone und Drillisch um 41 sogenannte Frequenzblöcke für den neuen Mobilfunkstandard 5G. Der erlaubt Datenübertragungsraten weit jenseits der aktuellen LTE-Technologie bei nur noch minimalen Verzögerungen – von Echtzeit ist gerne die Rede.
Fakten: 5G
Mit dem Standard 2G begann 1992 der Siegeszug des Mobilfunks, auf ihm basieren noch heute das Telefonieren und der Versand von SMS. Mit UMTS und dem Standard 3G ließen sich ab den 2000er-Jahren größere Datenmengen versenden – das Internet kam aufs Handy und schuf die Voraussetzung für das Smartphone. Das aktuelle 4G ist eine Variante der Technik LTE , mit ihr lässt das Handy in Punkto Datenübertragung auch den DSL-Anschluss hinter sich. 5G wiederum soll das alles noch weit übertreffen.

Der Quantensprung, den der neue Standard auslösen könnte, liegt nicht bei Privatnutzern und ihren Smartphones – sondern vor allem in der Industrie, beim Verkehr der selbstfahrenden Fahrzeuge und auch in der Landwirtschaft. "Das ist eine Basistechnologie für die digitale Transformation", sagt Nico Faller, Berater für diesen Fachbereich bei der Industrie- und Handelskammer südlicher Oberrhein.

5G soll das Internet of Things mit Inhalten füllen

5G eignet sich, um Maschinen, Geräte oder nur Bauteile Daten senden zu lassen, die anderswo ausgewertet werden. Vom Internet of Things bis zum Smart Factoring, was die Neologismen der Businesssprache verheißen, soll über 5G mit Inhalt gefüllt werden können. "Im Wettbewerb mit anderen Ländern wird 5G klar ein Standortfaktor werden", sagt Nico Faller. "Es ist schon essentiell wichtig, dass 5G auch in unserem Bezirk verfügbar sein wird."

Wann das der Fall sein wird, steht noch nicht fest. Und ob die Technik überall hinkommt, auch nicht. Und überdies nicht, ob das für die lokale Wirtschaft das drängendste Problem ist. "Bei uns ist die Realität ja oft noch 2G", sagt Paul Kempf, der Geschäftsführer des Zweckverbands Breitbandversorgung im Landkreis Lörrach – an vielen Stellen des ländlichen Raums ist Telefonieren und SMS-Versenden angesagt, mehr nicht.

Und auch die Internetanschlüsse bieten dort oft nicht die eigentlich möglichen Geschwindigkeiten. "Viele wichtige Unternehmen unseres Kammerbereichs sitzen im Schwarzwald", sagt Nico Kempf von der IHK, "solange es dort noch nicht mal gelingt, die totalen Funklöcher zu beseitigen, die es immer noch gibt – wie will man da schon über 5G reden?"

Ein nicht geringer Teil des ländlichen Raums könnte in die Röhre schauen

In der Versteigerung erklären sich die 5G-Bieter dazu bereit, auf Dauer "mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland" mit einer Mindestbandbreite zu erreichen. Haushalte, nicht Fläche – das bedeutet rechnerisch, dass ein nicht geringer Teil des ländlichen Raums in die Röhre schauen kann.

Dabei, sagt Breitbandmanager Paul Kempf, gebe es auf dem Land ja noch ganz andere Einsatzmöglichkeiten. Smart Farming beispielsweise, wenn die Ackerparzelle mitteilt, wo gewässert werden muss, und die Kuh meldet, dass das Euter voll ist. Und dann gilt 5G als Unterstützung für das Autonome Fahren, mittels deren Fahrzeuge nachfolgende Autos warnen, falls es irgendwo rutschig ist. Auf dem Land nicht weniger notwendig. "Ein geringeres Ziel als 100 Prozent Abdeckung ist eigentlich nicht zielführend", sagt Paul Kempf.

Angst vor Gesundheitsrisiken

Es gibt aber auch Menschen, die das völlig anders sehen. Die in den Mobilfunkmasten eine Bedrohung für die Gesundheit sehen. Die Öffentlichkeit wird das Thema wahrnehmen, denn der Ausbau für 5G benötigt in vielen Fällen ein dichteres Sendenetz als bisher – und somit neue Masten und Sender. "Mit dem Hype um 5G soll der Bevölkerung der Mund wässrig gemacht werden", sagt Barbara Dohmen. Die Umweltmedizinerin aus Murg am Hochrhein hat zum Start der Auktion am vergangenen Dienstag vor der Bundesnetzagentur in Mainz demonstriert. Sie prangert an, dass bei der Auktion auch die Gesundheit der Menschen versteigert würde, und beruft sich auf ihre Erfahrung als Allgemeinärztin.

Gegner von 5G kritisieren, dass die elektromagnetischen Felder, die von den flächendeckenden Sendemasten erzeugt werden, die natürlichen elektrochemischen Prozesse von Mensch, Tier und Umwelt stören. In einem internationalen Appell von Ärzten, Wissenschaftlern und Umweltorganisationen gegen den Ausbau von 5G prognostizieren die Unterzeichner eine massiv erhöhte Einwirkung hochfrequenter Strahlung auf den Menschen.


Auch der Freiburger Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker, ehemals Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, hat unterschrieben. "Wir wissen nicht sicher, ob die Technik gesundheitliche Risiken mit sich bringt, aber wir können es auch noch nicht ausschließen", sagte der Diplom-Physiker dem Berliner Tagesspiegel . Gegenüber dem Sonntag bestätigte er, dass er vor allem das Vorsorgeprinzip der EU, ihre Bürger zu schützen, verletzt sieht.

Wenig Einfluss

Die Gemeinden haben keinen großen Einfluss auf den Ausbau mit 5G. "Nur wenn Standorte zur Genehmigung anstehen", sagt Holger Ratzel vom Baurechtsamt der Stadt Freiburg. Und auch das ist erst ab einer bestimmten Größe der Fall. "Masten unter zehn Meter Höhe beispielsweise brauchen keine Genehmigung."