Neustadt

750 Schüler erkunden mögliche Ausbildungen bei der Job-Start-Börse

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

So, 20. Oktober 2019 um 13:51 Uhr

Titisee-Neustadt

Beteiligte werten die Job-Start-Börse an der Hans-Thoma-Schule als Erfolg, die Landrätin lobt das "überragende" Format der Neustädter Veranstaltung. Veranstalter waren BZ und AOK.

Einen Blutdruck von 150/90 ließ sich Dorothea Störr-Ritter beim Rundgang über die Job-Start-Börse (JBS) messen. Ganz gut in einer Arbeitssituation, lobte Bettina Duri, Leiterin der Pflegeschule der Helios-Klinik, die Landrätin. Störr-Ritters Ruhe war gerechtfertigt, denn die Veranstaltung war mit gezählt 750 Schülern, die sich bei 55 Ausstellern informierten, rekordverdächtig. Als Erfolg bewerteten Beteiligte den Verlauf des Samstags.
Stimmen zur Job-Start-Börse in Neustadt: Zwischen Technik und irgendwas mit Büro

Hohe Intensität und Qualität der Gespräche, lautet der Tenor des gemeinsam gezogenen Fazits. Egal, ob bei Volker Gleichfeld von der Bundespolizeiakademie, der mit vier Kollegen "extrem viel" Interesse verzeichnete. Oder bei Rüdiger Althaus, der stellvertretend für den Garten- und Landschaftsbauverband (GaLa) Baden-Württemberg für seinen Beruf warb. Er stand mit seinem Team auf dem Hof zwar im Regen, wie etwa auch die Forstberufe, erlebte aber regen Zuspruch und zog den Schluss, "wer da kommt, der interessiert sich wirklich für den Beruf". Landschaftsgärtner müssen nun mal mit allen Witterungen klarkommen.

"Alte Hasen" waren wieder Ort, etwa Martin Klimpel, Personalchef von Mesa Parts in Lenzkirch und auch im Forum Schule & Wirtschaft rege, der den Workshops einen hohen Stellenwert beimaß, weil die Ausbildung zu "greifen" war. Jennifer Waldvogel (Franz Morat Eisenbach) bestätigte das: In der mit IMS Gear gemeinsam betriebenen Werkstatt konnten sich die Jugendlichen Locher bauen – die waren deutlich vor dem Ende der Börse vergriffen. Die Firma Pfeiffer aus Kleineisenbach nutzte erstmals die Möglichkeit, den Betrieb mit 110 Beschäftigten darzustellen, Simone Rackerseder gefiel das gut, weil man sich, wie sie sagte, "zeigen muss", um Nachwuchs zubekommen. Sie wird "auf jeden Fall wiederkommen".

"Alle ziehen an einem Strang und in die gleiche Richtung"

Martin Rieder, Abteilungsleiter der Berufsschulen
Das gilt auch für die Tourismusbranche. Das Parkhotel Adler aus Hinterzarten, der Donaueschinger Öschberghof oder Ausbildungsleiter Markus Schindler präsentierten sich im Wettbewerb um Azubis, und Franjo Roso, DeHoGa-Ausbildungswart, war mit dem Gastfreundschaftsbus auf den Hof gefahren. Sogar Roland Kain, der stellvertretende Schulleiter der Hans-Thoma-Schule, betrat durch die virtuelle Brille ein Hotelzimmer, um es für den Gast zu reinigen.

Nicht nur die Firmen hatten großen Aufwand in der Vorbereitung betrieben. Auch die Schulen hatten ihre Schüler in der Berufsorientierung eingehend vorbereitet und werden die Veranstaltung in nächster Zeit auch aufarbeiten, wie Susanne Müller und Arne Bläsing von der Hans-Thoma-Schule sowie Konrektorin Sibylle Streibel und Lehrer Tobias Köhler vom Schulverbund Löffingen verdeutlichten.

Müller zog das Fazit, ihre Schüler hätten viel Neues erlebt und Impulse erhalten, Bläsing berichtete, es seien etliche Praktika besprochen worden. Streibel und Köhler waren mit gleich 90 Schülern nach Neustadt gekommen: Sie seien begeistert gewesen, weil sie verdichtet erlebten hätten, was der Hochschwarzwald an Ausbildung biete. Streibel hat Kontakte geknüpft für eine Kooperation des Schulverbunds mit dem DeHoGa. Köhler erzählte vom Stolz vieler Schüler, Praktika klar gemacht zu haben. Ihm hat gefallen, dass Eltern dabei waren, deren Rückhalt sei wichtig für die Berufsorientierung.

Beteiligte loben das Format

"Das ist das Ergebnis der Zusammenarbeit über das ganze Jahr", fasste Dorothee Brendel, die HTS-Schulleiterin, den günstigen Verlauf der Börse zusammen. Sie lobte die Vorarbeit des Forums, würdigte das Miteinander der Schulen und Betriebe als "ideale Kombination" und wertete die Gespräche und die Information als Zeichen dafür, dass sich die Qualität über die Jahre gesteigert habe. Die soll durch noch besseres Coaching der Schüler verbessert werden.

Landrätin Dorothea Störr-Ritter hatte sich schon während ihres Rundgangs sehr angetan gezeigt von der starken Resonanz der Schüler und auch Eltern auf das Angebot und meinte, Neustadt nehme im Vergleich der sechs Job-Start-Börsen eine Sonderstellung ein.

Später, als das Fazit gezogen wurde, betonte sie das starke Interesse des Landkreises als Schulträger, "dass die Schüler einen guten Weg einschlagen". Der Einsatz der Schule sei als Wirtschaftsförderung zu sehen, von den Firmen werde sie gern angenommen. Störr-Ritter sprach von der Neustädter Job-Start-Börse als einem "überragenden" Format, ideenreich und engagiert mit Leben erfüllt. Das spreche dafür, dass es sich dank guter Arbeitgeber und hervorragender Ausbildungen "lohnt, im Hochschwarzwald zu leben".

Für die Badische Zeitung, die als Veranstalter der Job-Start-Börse auftritt, würdigte Regionalverlagsleiter Markus Fangmann die Partner vor Ort, die AOK vorneweg, in der Organisation und Ausrichtung. Fangmann war begeistert von der Kompetenz auf Seiten der Schulen und der Aussteller, wie auch vom Zustrom der Schüler, die das "super Angebot" so gut nutzten. Mit ihm vertrat Daniela Ristic die BZ Medien, die 21-Jährige hat nach ihrer Ausbildung zur Medienkauffrau die Verantwortung für die Organisation aller Job-Start-Börsen.