Engagement gegen Homophobie

800 Spieler bestärken homosexuelle Fußballprofis

dpa

Von dpa

Mi, 17. Februar 2021 um 12:55 Uhr

Panorama

Mit einem Appell unterstützen hunderte Fußball-Profis homosexuelle Kollegen, ihre sexuelle Orientierung öffentlich zu machen. Mit dabei: Spielerinnen und Spieler des SC Freiburg.

Mit einem aufsehenerregenden Appell haben mehr als 800 deutsche Fußballer und Fußballerinnen homosexuellen Spielern ihre Unterstützung zugesichert. Unter den Spielern und Spielerinnen sind auch die Mannschaftsräte des Männerteams und des Frauenteams des SC Freiburg, stellvertretend für ihre Mannschaften zu finden.

Während der ehemalige DFB-Kapitän Philipp Lahm vor einem Coming-out während der aktiven Karriere warnt, wird in der emotional verfassten Erklärung dazu ermuntert. "Wir werden euch unterstützen und ermutigen und, falls notwendig, auch gegen Anfeindungen verteidigen. Denn ihr tut das Richtige, und wir sind auf eurer Seite", heißt es in dem Solidaritätsschreiben, welches das Magazin "11 Freunde" in seiner jüngsten Ausgabe veröffentlicht.

"Auch im Jahr 2021 gibt es keinen einzigen offen homosexuellen Fußballer in den deutschen Profiligen der Männer", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. "Die Angst, nach einem Coming-out angefeindet und ausgegrenzt zu werden und die Karriere als Profifußballer zu gefährden, ist offenbar immer noch so groß, dass schwule Fußballer glauben, ihre Sexualität verstecken zu müssen."

Niemand soll zu einem Coming-Out gedrängt werden

Zu den Unterzeichnern des Appells "Ihr könnt auf uns zählen!" gehören unter anderen prominente Profis wie Max Kruse (1. FC Union Berlin), Niklas Stark (Hertha BSC), Jonas Hector (1. FC Köln), Bakery Jatta (Hamburger SV), die Nationalspielerinnen Almuth Schult und Alexandra Popp (VfL Wolfsburg) sowie ganze Mannschaften von Proficlubs. So unterzeichnen beispielsweise auch Lars Stindl, Matthias Ginter, Breel Embolo, Yann Sommer, Tony Jantschke und Trainer Marco Rose für Borussia Mönchengladbach sowie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für Borussia Dortmund und alle 850 Mitarbeiter.

Niemand solle zu einem Coming-out gedrängt werden, betonen die Unterzeichner. "Das ist die freie Entscheidung jedes Einzelnen. Aber wir wollen, dass sich jeder, der sich dafür entscheidet, unserer vollen Unterstützung und Solidarität sicher sein kann."

"Wenn sich einer meiner Kollegen outen würde, würde ich ihn vor den Idioten draußen schützen", Max Kruse (Union Berlin)

Starke Worte fand Unions neuer Publikumsliebling Max Kruse. "Wenn sich einer meiner Kollegen outen würde, würde ich ihn vor den Idioten draußen schützen", sagte der 32 Jahre alte Angreifer. Mannschaftskollege Christopher Trimmel ist da an seiner Seite: Wenn ein Mitspieler sich outen würde, "würde er von mir allen Support bekommen, den er benötigt".

FC-Kapitän Jonas Hector verwies auf die Charta des Kölner Bundesligisten, in der es heißt: "Herzlich willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands - egal, woher du kommst, was du glaubst, was du hast oder bist, wie du lebst und wen du liebst."

Ex-DFB-Kapitän sieht Zeitpunkt für Coming-Outs kritisch

Lahm hingegen ist skeptisch, ob die Zeit dafür reif ist. Es möge Städte und Vereine geben, wo solch ein Coming-out eher möglich sei als anderswo, schreibt der Ex-Weltmeister in seinem Buch "Das Spiel: Die Welt des Fußballs", aus dem die "Bild"-Zeitung (Mittwoch) vorab zitiert. Lahm nannte Berlin, Freiburg und den FC St. Pauli. "Aber gegenwärtig schienen mir die Chancen gering, so einen Versuch in der Bundesliga mit Erfolg zu wagen und nur halbwegs unbeschadet davonzukommen", schreibt der frühere Profi des FC Bayern München.

Lahm empfiehlt homosexuellen Fußballern, sich vor einem geplanten Coming-out mit engsten Vertrauten zu beraten, rät jedoch davon ab, sich über das Thema mit Mitspielern zu unterhalten. Grund für Lahms Ratschlag ist die nach seiner Meinung fehlende Akzeptanz sowohl im Fußball als auch im Umfeld.

Ultra-Fans engagieren sich seit Jahren gegen Homophobie

Im Kampf gegen Homophobie in den Stadien haben sich in den vergangenen Jahren allerdings die Ultra-Gruppierungen der Fanszene sehr engagiert. Auch Verbände wie der DFB sprechen sich - wie bei der Aktion "Viele Farben - ein Spiel!" - immer wieder gegen Diskriminierung von Homosexuellen aus.

Als erster prominenter deutscher Fußballer hatte Lahms Auswahlkollege Thomas Hitzlsperger 2014 nach Abschluss seiner sportlichen Karriere öffentlich gemacht, dass er homosexuell ist.

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