Volleyball

Abschied beim VC Offenburg: Stolz mischt sich mit Trauer

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Mo, 15. April 2019 um 10:36 Uhr

Volleyball

Der 13. April markiert mit einer emotionalen Inszenierung einen in vielerlei Hinsicht besonderen Tag in der Geschichte des Offenburger Volleyballs.

Diese Spielzeit in der 2. Volleyball-Bundesliga der Frauen, die mit dem 3:1-Sieg des VC Printus Offenburg über die Roten Raben Vilsbiburg II endete, markiert den größten Erfolg des Volleyballs in Offenburg. Souverän wie selten zuvor wurde die Liga beherrscht. Aber diese Spielzeit bedeutet auch einen Einschnitt in die sportliche Entwicklung des Volleyballclubs in Offenburg.

Das letzte Spiel. Unausgesprochen stand dieses Motto über allem, was dieser 13. April brachte. Bereits eine Stunde vor Spielbeginn waren die freien Plätze, die sich zwischen den zahlreichen Reservierungsschildern ergaben, in Besitz genommen. Zusatzbänke standen an den Stirnseiten des Spielfeldes. Die Sponsoren trafen sich im kleinen Nebenraum der Halle. Wer als Unwissender die Halle betrat, könnte meinen, es herrsche Aufbruchstimmung. Falsch.

Bei denen, die sich kennen, trafen sich die Blicke mit einem gehörigen Maß an Traurigkeit. Es herrschte eine Atmosphäre in der Nordwesthalle, die fast in jedem Moment die Eigentümlichkeit der Situation unterstrich. Viele Gespräche rankten sich um das Verpasste. Die verpasste Möglichkeit, zehn Jahre Aufbauarbeit noch zu toppen. Das war Zukunftsmusik, deren Töne brutal erstickt wurden. So stand eines im Vordergrund: Das letzte Spiel.

"Es ist ein besonderer Tag

für alle – kein einfacher."

Anke Precht, Teampsychologin
Anke Precht, die Teampsychologin, meinte vorab: "Es ist ein besonderer Tag für alle – kein einfacher." Derweil bemühten sich die Spielerinnen um Sachlichkeit. Routinierte Abläufe vor dem Spiel halfen dabei, Emotionen in den Griff zu bekommen, ohne den Fokus auf die letzte sportliche Herausforderung zu verlieren. Das sei es gut, dass mit dem Vizemeister ein herausfordernder Gegner auflaufen werde. Trainer Florian Völker bemühte einen Vergleich: "Wenn Weihnachten ist, sind die Kinder auch angespannt."

Die fast greifbare Anspannung löst sich zügig. Die 94 Minuten reine Spielzeit zum Ende der Dekade Zweite Bundesliga wurden vor allem im ersten Satz nochmals zu einer Werbeveranstaltung für Frauenvolleyball Made in Offenburg. Das Niveau des Spieles hielt das, was es vom Papier her versprochen hatte. Angriffsvarianten, Abschlusshärte, Kampfgeist und Einsatz zeigten, warum dieses Team die Liga derart deutlich dominierte. Um das die Leistung primär bestimmenden Akteurinnen Richarda Zorn, Pia Leweling, Nele Iwohn und Ashley Owens entwickelten sich junge Spielerinnen auf ein beachtenswertes Niveau. Für Anna Schupritt und Leonie Amann, bei denen wohl eine vorsichtige Tendenz auszumachen ist, beim VCO zu bleiben, gilt dies. Wie auch für Viviane Hones, Franziska Fried, Johanna Müller-Scheffsky und Katrin Hahn. Diese Ausgeglichenheit distanzierte die Konkurrenz wie einst 2015 NawaRo Straubing. Um 21.21 Uhr löste sich die Anspannung im Jubel auf. Das Team hatte auch nach der vorzeitigen Meisterschaft erreicht, was es sich vorgenommen hatte. Sportlich die Zügel nicht schleifen zu lassen. Das spricht für den Ehrgeiz der Akteurinnen und für die Qualität des Trainers Florian Völker. Auch wenn ihnen die Anerkennung mit dem Erstligaaufstieg versagt wurde, honorierten 1086 Zuschauer dies am Samstag. Ein schöner Lohn, der von einer emotionalen Inszenierung begleitet wurde. Knicklichter in der düsteren Halle beim Einlaufen, Lichtorgel, Kids in sämtlichen Trikots der vergangenen Spielzeiten und zwanzig ehemalige Spielerinnen unterstrichen das Motto "10 Jahre 2. Liga – ich war dabei".

Irgendwie verwunderte es nicht, dass die große gefühlsmäßige Befreiung auch dann noch nicht folgte, als Richarda Zorn den Pokal als wertvollste Spielerin der Saison überreicht bekam.

Die Meisterehrung brachte für viele Altbekanntes, fast Routiniertes: Jubel für die Fans, Jubel für die Fotografen, eine Welle für die rechte und eine für die linke Tribünenseite. Und so nahm die Wehmut Besitz der Akteurinnen, die fast alle von ihrem familiären Umfeld begleitet wurden. Fritz Scheuer saß unterdessen im Büro des Clubs. Im Hintergrund pochte der Bass der beginnenden Party im Foyer. Der 64-Jährige wirkte entspannt. "Alles gut – es war ein vernünftiger Schritt, der bei mir keinerlei Wehmut hinterlässt", sagt er und ist ehrlich genug, einzuordnen, dass die Zusage von Richarda Zorn, als Spielertrainerin die sportlichen Geschicke weiterzuführen, ein glücklicher Moment war. Damit sei Kontinuität gesichert.

Der Präsident gibt in dieser Situation auch noch etwas Preis, was ihn sicher in der Vergangenheit stark belastet hatte. Der VCO habe keinen Konkurs angemeldet und könne daher erhobenen Hauptes dieses Kapitel beschließen. "Ich bin nicht traurig. Ich bin stolz, dass wir das zehn Jahre lang hinbekommen haben."

Ein Fotoalbum finden Sie unter http://mehr.bz/vco