Requiem im Münster

Abschied von Wolfgang Gaber mit Ave Maria und den Beatles

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Sa, 19. Juni 2021 um 09:01 Uhr

Freiburg

Im Freiburger Münster ist am Freitagabend ein Requiem für den verstorbenen Alt-Dompfarrer Wolfgang Gaber gefeiert worden – mit bewegenden Worten und bewegender Musik.

FREIBURG-ALTSTADT. Freiburg hat am Freitagabend in einem Requiem im Münster Abschied genommen vom beliebten Alt-Dompfarrer Wolfgang Gaber. Es gab Musik vom Ave Maria bis zu einem bewegenden "Yesterday" von den Beatles. Weihbischof Peter Birkhofer erinnerte mit sehr persönlichen Worten in seiner Predigt an den Verstorbenen: "Seit dem 10.Juni wird im Himmel mehr gesungen und gelacht."

An jenem Tag war der 73-jährige Seelsorger in seiner Kurpfälzer Heimat an den Folgen seiner Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankung gestorben. In Oftersheim wird er an diesem Montag auch beigesetzt. Zu seinem Requiem waren im Münster alle nach den Corona-Vorgaben erlaubten Plätze belegt. Viele waren bekommen, auch Oberbürgermeister Martin Horn. "Es wird wohl kaum jemand hier sein, der Wolfgang nicht geduzt hat", meinte Weihbischof Birkhofer mit Verweis auf die den Menschen zugewandte nahbare Art von Wolfgang Gaber.

"Ihr werdet meine Zeugen sein", der Primizspruch des Verstorbenen war im Liedheft für das Requiem abgedruckt. Der Weihbischof zeichnete unter diesem Wort aus der Apostelgeschichte die Stationen des Lebens von Wolfgang Gaber nach. Früh schon war er als begabter Organist mit der Kirchenmusik und mit der Kirche in Berührung gekommen. Als junger Kirchenmusiker hat er an der Orgel auch immer wieder in evangelischen Gottesdiensten ausgeholfen. Die Ökumene war zeitlebens eines seiner großen Anliegen.

"Das inkarnierte Halleluja", so hatte einst zum Abschied der Herdermer Pfarrer Kern seinen damaligen Kaplan Wolfgang Gaber bezeichnet. Ein passendes Zitat, fand Peter Birkhofer. Im damals noch jungen Quartier Landwasser, wo es bald auch soziale Spannungen gab, habe Wolfgang Gaber bei seiner ersten Pfarrstelle in den Stadtteil hineingewirkt. Danach wurde er Pfarrer und Dekan daheim in Schwetzingen, 2011 kehrte er als Dompfarrer nach Freiburg zurück. Im Ruhestand wirkte als Spiritiual am Lioba-Kloster in Günterstal. "Humor, Offenheit, Atmosphäre schaffen", dass sei seine Art gewesen, so Birkhofer. "Komm, wir essen nachher zusammen noch ein Wurstsalätle" - diesen Satz habe man oft von ihm gehört. Und es hätten immer deutlich mehr Pfarrbriefe als üblich gedruckt werden müssen, weil der Dompfarrer gerne auch Exemplare im Gasthaus "Löwen" verteilte. Wolfgang Gaber sei immer nahe bei den Menschen gewesen, für jeden habe er ein gutes Wort und ein Lächeln gehabt. Unerschütterlicher Optimismus und Glaubenskraft hätten ihn geprägt.

Zeitlebens liebte Wolfgang Gaber das Orgelspiel, veranstaltete jährliche Benefizkonzerte. Er wirkte als Präses des Cäcilienverbandes, der Dachorganisation der katholischen Kirchenchöre. So gehörte auch viel Musik und Gesang zum Requiem: Münsterorganist Jörg Josef Schwab, Rudolf Mahni an der Trompete und Kantor Marcel Bieniek spielten und sangen so, dass Wolfgang Gaber sicher dort, wo er jetzt ist, eine große Freude daran gehabt hat.