Wohin mit Kindern?

Abtauchen in die Märchenwelt – ein Ausflug auf die Hohe Flum

Leony Stabla

Von Leony Stabla

Fr, 22. Mai 2020 um 07:33 Uhr

Liebe & Familie

Unsere Autorin stellt in einer kleinen Serie vor, wie man Kinder in Zeiten von Corona beschäftigen kann. In diesem Teil geht es an die frische Luft.

Viele Fragen haben sich Eltern nach Bekanntgabe der Schul- und Kita-Schließungen gestellt. Nicht zuletzt steht auch die Frage "Wie beschäftige ich meine Kinder jetzt wochenlang zu Hause?" im Raum. Schließlich ist kaum etwas ist so schlimm wie unausgelastete Zwerge. In einer Serie stellt BZ-Mitarbeiterin Leony Stabla exemplarisch vor, wie sie ihre beiden Jungs während dieser Zeit beschäftigt.

Basteln, Spiele spielen und viel vorlesen ist toll, doch machen wir uns nichts vor: Manchmal müssen Kinder einfach raus. Frische Luft für gute Abwehrkräfte empfehlen auch Experten. Vielen anderen Menschen möchten wir aber nicht begegnen, deshalb ist der Spielplatz derzeit nicht unsere erste Wahl.

Die Beschäftigungsidee kam mir beim Lesen der Gute-Nacht-Geschichte, in diesem Fall Rapunzel. Als ich selbst noch ein Kind war, war ich fest davon überzeugt, Rapunzel hätte im Turm auf der Hohen Flum gewohnt. Deshalb packe ich am nächsten Morgen meinen Rucksack mit einem kleinen Vesper, Wolle, Schere, einer Krone – ein Überbleibsel der vergangenen Fasnacht – und dem Rapunzel-Märchenbuch. Ich schnappe mir meine Kinder und wir machen uns gemeinsam auf den Weg zur Hohen Flum.

Das Auto parken wir auf dem Parkplatz Altreb, der sich kurz nach der Ortsausfahrt Nordschwaben in Richtung Wiechs auf der linken Straßenseite befindet. Von dort aus geht es zu Fuß weiter. Vorbei an Himmelsliege und Riesenbank, die natürlich von Jakob und Jonas erst einmal ausgiebig beklettert werden, schlendern wir in Richtung Aussichtsturm. Angekommen genießen wir erst kurz die Aussicht, um uns auszuruhen und versuchen bei den unzähligen kleinen Häuschen im Tal unser Zuhause zu finden, was uns aber leider nicht gelingt.

Die Burg Rötteln erscheint in der Ferne

Nach dieser kurzen Pause wagen wir den Aufstieg. Oben angekommen staunen die Jungs nicht schlecht, wie viel mehr man erst von hier sehen kann. Sogar die Burg Rötteln finden wir nach kurzer Suche – wenn auch ganz klein und weit weg. Natürlich hält das Interesse für eine schöne Aussicht bei kleinen Kindern nicht sehr lange, deshalb habe ich vorgesorgt. Wir nehmen das mitgebrachte Wollknäuel, fixieren das eine Ende am rauen Putz und werfen es vom Turm. Dann steigen wir wieder die Stufen hinunter. Jonas bekommt beim Abstieg etwas Angst, da ihm offene Treppen nicht geheuer sind. Deshalb beginnen wir, die Stufen zu zählen. Wir kommen auf 58.

Hufspuren beflügeln die Fantasie

Wieder unten angekommen, suchen wir unser Wollknäuel. Glücklicherweise geht nur ein ganz leichter Wind und der Wollfaden hängt immer noch vom Turm herunter. Jakob darf ihn am Boden kappen, Jonas den losen Faden herunterziehen. Nun fixieren wir das eine Ende mit der Krone an Jakobs Kopf und Jonas nimmt das andere Ende und geht damit den Weg entlang. Als der Faden gespannt ist, erklärt ich den Kindern, dass Rapunzels Haare so lang gewesen sein müssen, damit sie vom Turm auf den Boden reichen konnten, was die Kinder natürlich sehr fasziniert.

Dann ist es Zeit für einen kleinen Snack und wir lassen uns auf den Picknick-Bänken vor dem Turm nieder. Nebenbei lesen wir aus dem mitgebrachten Rapunzel Buch und stellen uns vor, die ganze Geschichte wäre hier passiert. Perfekt zu unserer Fantasie passt auch, dass wir auf dem Rückweg Hufspuren finden, die natürlich in den Augen meiner Jungs nur vom Pferd des Königssohns stammen können.