Pannenreaktor

Akw Fessenheim geht Ende Juni 2020 endgültig vom Netz

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Do, 26. September 2019 um 16:55 Uhr

Elsass

Bislang hatte sich Frankreich nicht auf einen Termin für die Abschaltung des Akw Fessenheim festgelegt. Das hat sich nun geändert: Die französische Staatssekretärin Emmanuelle Wargon hat in Colmar überraschend konkrete Termine genannt.

Die Abschaltung des Akw Fessenheim rückt näher. In der Sitzung des Lenkungsausschusses für das Zukunftsprojekt Fessenheim hat die französische Staatssekretärin Emmanuelle Wargon in Colmar überraschend konkrete Termine genannt. Am 1. Februar soll Reaktor 1, am 30. Juni 2020 dann Block 2 endgültig vom Netz genommen werden. Wargon bestätigte, dass eine Vereinbarung zwischen Regierung und EDF über eine Entschädigung für den Betreiber in den nächsten Tagen unterzeichnet werden soll. Damit wäre der Weg frei für den Antrag auf Stilllegung durch die EDF.

Auch auf anderem Gebiet berichtete Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, die für die deutsche Seite dem Gremium angehört, von Fortschritten. Die französische Regierung scheint von den Plänen für ein so genanntes Technocentre abzurücken. Bislang wollte der Akw-Betreiber Electricité de France (EDF) die Demontage des elsässischen Akw nutzen, um verstrahlte Reaktorteile auch von anderen Standorte, womöglich aus ganz Europa, in Fessenheim einzuschmelzen und zu recyceln. "Für uns kommen solche Pläne zu spät", sagte Schäfer im Hinblick auf eine Beteiligung Deutschlands an dem Vorhaben. Teile von stillgelegten Reaktoren werden hier zu Lande jeweils vor Ort bearbeitet.

Die Demontage des Akw Fessenheim, des ältesten in Frankreich, wird für EDF – abgesehen von kleineren Forschungsreaktoren, die im vergangenen Jahrzehnt abgebaut wurden – der erste Testlauf für einen Akw-Rückbau sein. Ein Vertreter des Bundesinnenministeriums habe die deutsche Position vor den französischen Vertretern nun in Colmar vermitteln können, sagte Schäfer über die Gespräche.



Andere mögliche Leuchtturmprojekte, die in Zusammenhang mit der Zukunftsgestaltung in Fessenheim angestoßen werden könnten, sollen dagegen in nächster Zeit in Berlin disktuiert werden. Paris habe, so Schäfer, eine gemeinsame Einladung des Bundesinnenministeriums und des Landes Baden-Württemberg angenommen. Sie nannte als Beispiele der Erforschung Künstlicher Intelligenz und die Produktion von Solarzellen.

In den von der Stilllegung betroffenen elsässischen Kommunen vermisst man nach wie vor Verpflichtendes hinsichtlich der versprochenen Steuererleichterungen, wenn demnächst die Wertschöpfung durch das Akw wegfällt. "Die Maßnahmen werden dann greifen", beschwichtigte Wargon, "wenn die Folgender Stilllegung spürbar sind."

Laut Wargon soll bis Ende 2019 auch die Betreibergesellschaft für ein deutsch-französisches Gewerbegebiet bei Fessenheim gegründet werden. Als deutsche Partner werden dort unter anderem die Stadt Freiburg, der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und die Industrie- und Handelskammer agieren. Rechtsrheinisch ist das Interesse an den Gewerbeflächen im Elsass groß. Mit welchen Konditionen deutsche Betriebe dort zu rechnenhaben, ist allerdings noch nicht verhandelt.

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