Verkehr

Alle gegen einen: Gutacher Gemeinderat stimmt gegen Tempo 80 auf der B 294

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Mi, 01. Juli 2020 um 17:17 Uhr

Gutach im Breisgau

Mit dem Vorschlag, auf der B 294 zwei Kilometer von 100 auf 80 km/h abzusenken, stand der Gutacher Bürgermeister in der Ratssitzung alleine da. Davor und dahinter gelten schon "80" und "70".

Als erstes schlug die Verwaltung den Beitritt der Gemeinde Gutach zur landesweiten Initiative gegen Motorradlärm vor (Biederbach und Elzach sind schon dabei). Dafür bekam sie eine Mehrheit – allerdings bei fünf Enthaltungen von Ratsmitgliedern, die darin eine Verteufelung aller Motorradfahrer sahen und nicht, wie Bürgermeister Urban Singler, primär das Anliegen, die Anwohner vor zu lauten Fahrzeugen, also den "schwarzen Schafen" unter den Motorradfahrern, zu schützen.

Beim Antrag der Gemeinde auf eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der B 294 von 100 auf 80 km/h stand in der Abstimmung der Bürgermeister ganz alleine gegen das Gremium: Er befürwortete die Reduzierung und argumentierte, dass diese Maßnahme zum Schutz der Anlieger auf Basis des Lärmaktionsplans schnell umgesetzt werden könne und eine wirksame Verbesserung für die Einwohner bringe.

Genau das bezweifelten mehrere Räte: Beate Roser (ÖL) hatte beim Recherchieren gefunden, dass eine Reduzierung von 100 auf 80 eine Lärmreduzierung von gerade mal ein bis zwei Dezibel bringe: "Das ist nicht erheblich". Fraktionskollegin Annette Linder hatte herausbekommen, dass eine Lärmschutzwand dagegen den Lärm um 5 bis 10, manchmal sogar 15 Dezibel, reduziert. "Das bringt viel mehr." Von der Verwaltung stellte Wencke Heß dar, dass bereits 2014 rund 18 000 Fahrzeuge pro Tag auf der B 294 gezählt wurden und dass nachts oft noch schneller als "100" – entsprechend mit noch mehr Lärm verbunden – gefahren werde. Insbesondere im "Stollen" sei die Belastung hoch. Lärm sei gesundheitsgefährdend und ziehe volkswirtschaftlichen Schaden nach sich. Entlang der B 294 gibt es laut Verwaltung etwa 180 lärmbelastete Einwohner, die nachts über 50 Dezibel ausgesetzt seien – von Lärmbelästigung in der Nacht spricht man ab 40 Dezibel.

Lärmärmeren Asphalt gibt es auf der 100er Strecke, die rund zwei Kilometer lang ist, nicht; und die Schallschutzwände sind niedrig und desolat. Deren Reparatur sei zugesichert, sagte der Bürgermeister; wann das geschieht allerdings offen.

Hansjörg Weis (FWV) sah in einer Geschwindigkeitsreduzierung Drangsalierung ("Man darf bald gar nichts mehr."), Robert Stiefvater (CDU) einen "Freischein fürs Blitzen". Außerdem könne man bei "80" dann auch an dieser Stelle die Laster nicht mehr überholen und somit quasi durchs ganze Elztal hindurch nicht. In der Abstimmung folgte außer dem Bürgermeister niemand dem Verwaltungsvorschlag. Zwei Räte enthielten sich, alle anderen waren gegen die Temporeduzierung.