Corona-Pandemie

Alle großen Fasnachts-Veranstaltungen im Südwesten abgesagt

dpa, kmg

Von dpa & Konstantin Görlich

Mi, 30. September 2020 um 21:45 Uhr

Südwest

Keine Großveranstaltungen und auch keine Umzüge: Die Fasnacht 2020/21 ist wegen der Corona-Pandemie in weiten Teilen offiziell abgesagt. Der Beschluss fiel am Mittwochabend bei einem Treffen der Narrenverbände in Bad Dürrheim.

Am 11.11. beginnt die närrische fünfte Jahreszeit – doch wie könnte Fasnacht während einer Pandemie aussehen? Kann sie überhaupt stattfinden? Darüber hatte die Tagung der Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Narrenverbände und Vereinigungen am Mittwochabend in Bad Dürrheim zu befinden.

Die Entscheidung: Großveranstaltungen und damit auch Umzüge wird es in der anstehenden Fasnachtssaison im Südwesten nicht geben – Keine großen Umzüge, keine Bälle, keine Partys. Die Narren im Südwesten haben sich coronabedingt auf eine Fastnacht in abgespeckter Form geeinigt. Kleinere Veranstaltungen, Straßenaktionen und Bräuche soll es unter den geltenden Corona-Regelen geben, wie ein Sprecher Vereinigung der Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) am Mittwochabend in Bad Dürrheim sagte. "Fastnacht 2021 wird nicht abgesagt." Dennoch wolle man größere Menschenansammlungen, wie etwa an Rosenmontag üblich, vermeiden.

Detaillierte Empfehlungen sollen folgen

Empfehlungen für die stattfindenden Veranstaltungen will die Arbeitsgemeinschaft Südwestdeutscher Narrenverbände und Vereinigungen noch in den nächsten Wochen ausarbeiten. In der Arbeitsgemeinschaft sind sämtliche 13 im Südwesten aktive Narrenverbände vertreten. Ende des Jahres wollen die Zünfte noch mal Rücksprache mit der Landesregierung halten. Auch in den närrischen Hochburgen wie Köln und Düsseldorf will man in der kommenden Saison im kleinen Kreis feiern.

Es gelte, abzuwägen zwischen der Verantwortung für die Narren und ihren Besuchern auf der einen Seite, aber auch dem Bedürfnis, gemeinsam Fastnacht zu feiern, hatte der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, Roland Wehrle, im August gesagt. "Die Fastnacht als solche kann man nicht absagen, sondern höchstens Veranstaltungen, für die man Verantwortung trägt."
Unlustige Zeiten: Fasnacht und Corona – Kann das gutgehen? (18. August 2020)

Über den Sommer hatten sich auch in Südbaden die Absagen von Fasnachtsveranstaltungen gehäuft, nachdem sich die erhoffte Verbesserung der Pandemie-Lage nicht eingestellt hatte. In vielen Fällen haben die Verantwortlichen den Namen Gangelt im Hinterkopf. Das war jene Gemeinde im Kreis Heinsberg, in der am 15. Februar 300 Jecken Karneval feierten – und dabei dem Virus den Weg ebneten.

Das Infektionsgeschehen ändert sich

Aktuell liegt die für regionale Einschränkungen ausschlaggebende 7-Tage-Inzidenz in einigen Land- und Stadtkreisen im Südwesten deutlich über 20, in vielen über 10 und in etwa ebensovielen darunter. Ab einem Wert von 35 greift die höchste Stufe des Corona-Plans in Baden-Württemberg.

Der zeit ändert sich nach Angaben der Gesundheitsämter das Infektionsgeschehen in Südbaden, die Behörden arbeiten bei der Nachverfolgung von Infektionsketten häufig am Rande ihrer Kapazitäten. Für Herbst und Winter werden weiter steigende Infektionszahlen erwartet. Entsprechend ergingen am Dienstag neue Corona-Regeln, die auch eine Begrenzung von Feiern vorsehen.

Angela Merkel sagte in der Generaldebatte im Bundestag am Mittwoch: "Wir erleben derzeit, wie die Vorsicht nachlässt". Man dürfe aber nicht weiter das Erreichte riskieren und damit zulassen, dass ein erneuter landesweiter Shutdown "hohe ökonomische und emotionale Verluste" bringe und ein Mensch im Krankenhaus oder Pflegeheim "mutterseelenallein sterben muss".

Viele Länder Europas haben derzeit mit stark steigenden Infektionszahlen zu kämpfen. Tschechien und die Slowakei riefen am Mittwoch den Notstand aus. Die Bundesregierung setzte ganz Belgien auf die immer länger werdende Liste mit Risikogebieten und sprach eine Reisewarnung aus.

Mehr zum Thema