Alle Musiker werden mit Beifall belohnt

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Do, 11. Juli 2019

Merdingen

WIE WAR’S BEI... den Chorkonzerten am Wochenende in Merdingen? Sieben Gruppen treten auf.

MERDINGEN. Die Qual der Wahl hatten die Freunde des Chorgesangs am Samstagabend in Merdingen. Während in der Festhalle anlässlich des 100. Geburtstages des Männerchors sechs Männergesangvereine auftraten, gastierte beim Kunstforum das renommierte John Sheppard Ensemble aus Freiburg. So unterschiedlich die Veranstaltungen waren: Beide hätten mehr Zuspruch verdient gehabt.

Die Veranstaltungen
Neben dem gastgebenden Männerchor Merdingen waren der befreundete Männergesangverein (MGV) aus dem schwäbischen Deilingen, der MGV Silberbrunnen Eintracht Bahlingen, der Küferchor sowie der MGV aus Hügelheim, der Liederkranz Bremgarten und der MGV aus Gottenheim mit von der Partie. Jeder Chor gratulierte den Merdingern mit vier bis fünf Stücken. Vorsitzender Dietmar Rinderle moderierte den Abend, der Eintritt war frei.

In der Zehntscheune wurde vorm Einlass freilich ein Eintritt fällig. Was nicht verwundert, denn das Freiburger John Sheppard Ensemble gilt als einer der besten Vokal-Ensembles Deutschlands und wurde vielfach ausgezeichnet. Der 35 Sänger zählende Chor unter der Leitung von Bernhard Schmidt besteht zum Großteil aus Laien mit mehrjährigem Gesangsunterricht. Die Sänger bringen, so die Selbstbeschreibung des Chors, "neben der ambitionierten Leidenschaft für Musik und einer Neigung zu unkonventionellen Projekten die Bereitschaft mit, ihre musikalischen Fähigkeiten konsequent auszubauen und aufeinander abzustimmen". Am Konzertabend erklangen unter anderem Werke von Rheinberger, Williams und Mendelsohn. Für die Einführung und Begrüßung zeichnete Michaela Girsch vom Kunstforum verantwortlich, durchs Programm führte der Dirigent.

Die Locations
Heiß und stickig war es beim Männerchor in der sommerlich dekorierten Festhalle, in Sechserreihen waren Tische und etwa 240 Stühle zur Bühne hin ausgerichtet. Am Halleneingang gab es eine Wein- und Sektbar, für die Bewirtung mit Getränken, Wurstsalat und belegten Brötchen war der im Gastgeberverein integrierte Projektchor "Beat It" zuständig. Vor, während und nach dem rund dreieinhalbstündigen Konzert wuselten engagierte Bedienungen umher.

Luftiger war es in der Zehntscheune, hier gab es ein Stuhlkonzert ohne Bewirtung am Platz. Die aktuell ausgestellten Skulpturen von Reiner Seliger fanden sich inmitten des Publikums wieder. Vor der Zehntscheune hatte das Kunstforum Getränke und Hefezopf im Angebot. Rund 80 Minuten dauerte der Auftritt des Sheppard Ensembles.

Das Publikum
Die Zuhörer beim Freundschaftssingen des Männerchors waren zum Großteil die Sänger und deren Angehörige. Nur gut 40 Gäste aus dem Dorf oder der Nachbarschaft waren als Zuhörer gekommen. Ihr Altersschnitt glich dem der Sänger und lag zumeist im Rentenalter. Bei fröhlichen Liedern und gelungenen Auftritten ging das Publikum auch ordentlich mit und spendete reichlich Applaus.

Beim Sheppard Ensemble in der Zehntscheune konnte man sprichwörtlich die Stecknadel fallen hören. Gespannt lausche ein zumeist jüngeres Publikum, unter den gut 60 Gästen waren nur wenige Merdinger. Sie spendeten begeisterten Beifall und wurden mit einer Zugabe belohnt.

Das Konzerterlebnis
Die Männerchöre boten bis zum Finale ein abwechslungsreiches Programm. Die Gastgeber unter Leitung von Diana Schmitt hatten moderne Pop-Songs im Programm, die 16-köpfige Abordnung aus Deilingen sang über die "Frau Müllerin", das "Heilig Heimatland", zwei kroatische Volkslieder und ein Trinklied. Der MGV Bahlingen hatte sich dem Wein als Thema angenommen, während die Sänger aus Hügelheim der Liebe und schönen Frauen flott und mit guter Stimmung ihre Aufwartung machten. Fröhlich animierten die poppigen Songs des MGV Bremgarten zum Mitsingen, während sich die Sänger vom Liederkranz Gottenheim von Babylon über New York zum heimischen Wein hinbewegten.

Das Sheppard Ensemble zeigte in seinem Auftritt eine große Bandbreite hervorragend vorgetragener klassischer und geistlicher Chor-Literatur. Vom leisen Zwitschern einzelner Stimmen über einen fein gewobenen Klangteppich bis hin zu an- und abschwellenden, raumfüllenden mehrstimmigen Melodien reichte ihr virtuoses Repertoire, das die Zuhörer in ihren Bann zog.