Bundeswehr

Ringen um Gelände für KSK-Fallschirmspringer im Zollernalbkreis geht weiter

Theo Westermann

Von Theo Westermann

Fr, 09. Dezember 2022 um 16:33 Uhr

Südwest

Bei Geislingen soll ein Übungsgelände für Fallschirmspringer der Bundeswehr und der US-Armee entstehen. Der Standort ist umstritten. Nun hofft das Land auf eine Entscheidung im kommenden Jahr.

Die sogenannte Zeitenwende, also die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands, ist auch im Detail mühsam. Die vertragliche Verpflichtung der Landesregierung, ein neues Übungsgelände für die Fallschirmspringer des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr sowie der US-Armee zu finden, erweist sich weiter als Geduldspiel mit offenem Ausgang. Ein noch für dieses Jahr geplanter "Scopingtermin" zur Klärung umweltrechtlicher Belange wurde auf 2023 verschoben, die beteiligten Ämter wurden neu sortiert.

Nun soll das Staatliche Hochbauamt Karlsruhe die Sache voranbringen, dabei geht es vor allem um die notwendige luftfahrtrechtliche Genehmigung. "Grundsätzlich haben wir von der Bundeswehr als Auftragsbauverwaltung den Auftrag erhalten, dieses Projekt zu steuern", sagt der Amtsleiter. Die Karlsruher Behörde habe nun eine "Bündelungsfunktion" für alle beteiligten Behörden, heißt es dazu im Staatsministerium in Stuttgart.

Angst vor Fluglärm und Wegfall wertvoller Ackerflächen

Als Ersatz für das bisherige Absetzgelände in Renningen-Malmsheim (Kreis Böblingen), wo die Fallschirmspringer aus dem Flugzeug springen und landen, hat das Land der Bundeswehr die landeseigene Staatsdomäne Waldhof bei Geislingen im Zollernalbkreis angeboten. Das bisherige Areal muss aufgegeben werden, weil die Robert-Bosch-GmbH ihr dortiges Entwicklungszentrum ausbauen will. Das einstige Hofgut im Zollernalbkreis steht leer, die landwirtschaftlichen Flächen sind verpachtet.

"Bis Ende 2023 wollen wir das Gelände in Renningen freibekommen." Matthias Gauger, Regierungssprecher
Doch rund um Geislingen regt sich heftiger Widerstand in der Bevölkerung wie in der Kommunalpolitik, befürchtet werden Fluglärm und ein Wegfall wertvoller Ackerflächen. Gegen das Projekt kämpft eine Bürgerinitiative (BI) durchaus mit harten Bandagen. Mit einer gewissen Verärgerung blickt man beispielsweise im Staatsministerium auf ein Foto in einem von der Initiative verbreiteten Bildband, das das neue Transportflugzeug der Bundeswehr, den A 400M, nur wenige Meter über idyllische Wiesen fliegend zeigt. In der Regel springen die Fallschirmjäger aus rund 400 Meter Höhe aus größeren Flugzeugen wie etwa der A400M ab.

Dauerschallpegel wird mit Vogelgezwitscher verglichen

Für US-Armee wie Bundeswehr gibt es ein Zeitfenster von jeweils bis zu 60 Tagen im Jahr. Auf dem Areal sollen Hubschrauber und kleinere Flugzeuge im Einzelfall auch Lasten absetzen und landen, Fallschirmspringer aufnehmen und starten. Dafür braucht es eine verdichtete Rasenfläche innerhalb eines 40 Hektar großen Bereichs ohne Bäume und Hindernisse, Gebäude entstehen dort nicht.

Bewegung gibt es zunächst bei den geplanten Flugrouten. Sie sollen nun westlich des Waldhofs liegen, sodass die Städte Balingen und Geislingen nicht überflogen werden. Auch eine erste Tendenz des Lärmgutachtens liegt vor, danach soll der durchschnittliche Dauerschallpegel 45 Dezibel (dBA) nicht überschreiten. Hier wiederum stößt die Formulierung im staatsministeriellen Infoportal, wonach "Vogelgezwitscher im Freien im Abstand von 15 Metern etwa 50 dBA hat", der Bürgerinitiative mächtig auf. Damit sei die zu erwartende Richtung des Gutachtens ja völlig klar, so eine BI-Sprecherin.

Gelände in Renningen soll bis Ende 2023 frei sein

Trotz aller Schwierigkeiten betont Regierungssprecher Matthias Gauger: "Bis Ende 2023 wollen wir das Gelände in Renningen freibekommen." Das Land hat das Areal 2010 zum großen Teil an Bosch verkauft. Seit 2016 hatte man den Segelflugplatz bei Haiterbach (Kreis Calw) als neues Absetzgelände im Blick, seither liefen dort Planungen und nicht minder heftige Debatten. Dort waren Grundstücksbesitzer aber nicht bereit zu verkaufen. Anfang 2022 erfolgte deshalb der Schwenk in Richtung Waldhof.

Im Zollernalbkreis hat die als Bürgerbeteiligung angekündigte Strategie des Landes seither viel Enttäuschung produziert. Man sei bereits bei der ersten Infoveranstaltung in Geislingen im vergangenen März vor vollendete Tatsachen gestellt worden, heißt es. Barbara Bosch, seit Juli 2021 Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, war damals nicht dabei. Sie verteidigt die bisherige Kommunikationsstrategie, verweist auf Veranstaltungen, einen Überflug zu Demonstrationszwecken, Bürgergespräche und das Informationsportal mit Dialogfunktion. "Wir haben mit ganz viel Transparenz das Verfahren begleitet."

Die Entscheidung liegt beim Bundesverteidigungsministerium

Aber Bosch räumt ein, dass es in Geislingen nicht um eine "dialogische Bürgerbeteiligung geht, die Handlungsoptionen bietet". Diese seien "hier nicht gegeben". Man könne sich doch nicht der Erkenntnis verschließen, dass alles für den Waldhof spreche. Nun müsse die fachliche Klärung abgewartet werden. Auch das Land kenne das Ergebnis nicht, versichert Bosch. Es gebe aber keinen Plan B, betont Regierungssprecher Gauger. Letztlich entscheidet das Bundesverteidigungsministerium.

Das Land nahm in den vergangenen Jahren 100 Flächen als potenzielle Gelände in den Blick, 42 davon wurden anhand eines militärischen Profils und weiterer Kriterien, zentral war die Nähe zum KSK-Standort Calw, überprüft. Übrig blieb alleine der Waldhof.

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