Altes Handwerk – ganz neu belebt

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Fr, 16. August 2019

Weil am Rhein

50. Straßenfest macht in Vergessenheit geratene Fertigungstechniken erlebbar und lässt ausgestorbenen Vogel auferstehen.

WEIL AM RHEIN. Das 50. Straßenfest erhält eine betont nostalgische Note: Das Kulturamt und Urgestein Herbert Stahl sorgen dafür, dass die Besucher am 7. und 8. September auf der Hinterdorfstraße eine Zeitreise unternehmen können, auf der sie einer längst ausgestorbenen Tierart begegnen und Handwerkskünste erleben, die auszusterben drohen.

Das Kulturamt beschränkt sich auf einen Beitrag zum Rahmenprogramm, dieser aber hat es in sich, wie Amtsleiter Tonio Paßlick erklärt. Die französische Künstlergruppe "Les Dodos" ist weltweit gefragt und bringt nun auch in Altweil Besuchern auf artistische und zugleich humorvolle Weise den längst ausgestorbenen, flugunfähigen Riesenvogel Dodo nahe, den es ausschließlich auf der Insel Mauritius gab. Mit seiner Größe von 2,50 Metern wird die Kunstfigur aus der Masse herausragen, sie wird über die Festmeile hüpfen, die Besucher beschnuppern und mit ihnen in Kontakt treten.

Die Entdecker des Dodo, der keine natürlichen Feinde hatte, waren auch sein Untergang. Bereits 1690 war der als friedlich, träge und etwas übergewichtig beschriebene Vogel durch die eierfressenden Tiere, die die Seefahrer mitbrachten und durch die Siedler selbst ausgerottet. Durch den Trickfilm "Ice Age" erlebte der Dodo, der ganz aktuell auch als Sinnbild für das Artensterben verwendet wird, eine Renaissance.

Schon seit gut 20 Jahren bereichert Herbert Stahl, Mitbegründer des Straßenfestes, den Anlass mit Historischem. Holte er vergangenes Jahr Oldtimer auf die Festmeile, so sind es in diesem Jahr gleich sechs Meister alter Handwerkskunst, die er alle persönlich kennt. "Wer alte Fertigkeiten noch beherrscht, ist meist selbst schon alt", lässt Stahl anklingen, dass es nicht immer einfach ist, die Handwerker zu einem Auftritt am Straßenfest zu überreden. Denn dort sollen sie an der Ecke Schwanengasse auch in Aktion treten.

Für den Sonntag gewinnen ließ sich der 79-jährige Todtnauer Bürstenmacher Frieder Busse, einer der letzten seiner Zunft. Gleich zugesagt hat Robert Frei, Landwirt und Ökonom aus der Schweiz, der mit Traktor und Anhänger anrückt, um alte landwirtschaftliche Geräte vorzuführen. Er ist, wie auch die weiteren Handwerker, an beiden Tagen anzutreffen. Ebenso lässt es sich der Nachfolger des verstorbenen "Finken Hans", Hans-Ulrich Dreher aus Teningen, nicht nehmen, in das in Vergessenheit geratene Strohschuhmachen einzuführen. Und auch Ernst Karle aus Muggenbrunn, der letzte aktive Schindelstecher des Schwarzwaldes, baut seinen Schneidesel auf, auf dem er mit dem Ziehmesser Holzvertäfelungen nach alter Väter Sitte anfertigt. "Er versteht es bestens, auch Kindern sein Tun zu erläutern", weiß Stahl.

Ganz besonders freut es den Organisator, dass die Handwerksvorführungen diesmal zudem eine ganz lokale Note erhalten werden. Denn erstmals ist Andreas Läufer vom Steinmetzbetrieb "Bernhard Grabmale", der an der Hinterdorfstraße unmittelbar bei der Festmeile ansässig ist, mit dabei. Er ist, möglicherweise abwechselnd mit Jakob Hugenschmidt, als Steinhauer zu erleben. Und schließlich präsentiert sich Stahl selbst als versierter Scheren- und Messerschleifer.