Am besten schnell vergessen

dpa

Von dpa

Mo, 25. Januar 2021

Nationalmannschaft

Nach dem frühen Ausscheiden bei der WM haben die Handballer jetzt das Ziel Olympia vor Augen.

Kaum war die WM-Mission der deutschen Handballer gescheitert, rief Bob Hanning in gewohnt schrillem Outfit das nächste Ziel aus. "Ich bin überzeugt davon, dass wir um olympisches Gold spielen werden", sagte der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) unbeeindruckt vom frühen Aus bei der Weltmeisterschaft in Ägypten. "Ich wüsste nicht, warum wir dieses Ziel korrigieren sollten."

Auch Sportvorstand Axel Kromer glaubt trotz des verpassten Einzugs ins WM-Viertelfinale an die Möglichkeit eines großen Comebacks bei den Olympischen Spielen: "Wir wissen, dass wir jedes Team der Welt schlagen können, wenn wir in Vollbesetzung und in Topform sind", sagte er am Sonntag. "Demzufolge halten wir an dem Ziel fest und freuen uns immens, wenn das Ziel erreicht wird."

Nicht ganz so schnell in den Angriffsmodus umschalten wollte Alfred Gislason, der in seinen Gefühlen hin- und hergerissen war. In der prunkvollen Lobby des noblen Teamhotels in Kairo sah man den Bundestrainer am Sonntag zwar auch lächeln, doch die meiste Zeit schaute er ziemlich ernst. "Ich ärgere mich noch heute schwarz, dass wir das Spanien-Spiel nicht gewonnen und kein Unentschieden gegen Ungarn geschafft haben", sagte der Isländer. "Es ist ein zwiegespaltenes Gefühl. Das ärgert mich jede Stunde."

Der erfolgsverwöhnte Ex-Coach des Rekordmeisters THW Kiel hadert mit dem frühen Turnier-Aus. Andererseits weiß auch er, dass nach neun WM-Absagen Rückschläge programmiert waren. "Es herrscht natürlich immer noch eine leichte Enttäuschung. Ich hatte gehofft, dass wir unsere Abwehrprobleme besser lösen können. Aber trotzdem Kompliment an die Mannschaft. Wir haben auch Vieles gut gemacht", zog der 61-Jährige schon vor dem abschließenden Hauptrundenspiel gegen Polen an diesem Montag (20.30 Uhr/ARD) Bilanz.

Wolff und Gensheimer sind die großen Verlierer

Der klare 31:24-Sieg gegen Brasilien am Samstagabend war letztlich bedeutungslos, weil Ungarn und Spanien schon vor dem Anpfiff die zwei Tickets für das Viertelfinale gebucht und damit die ohnehin nur leisen Hoffnungen der DHB-Auswahl auf ein Handball-Wunder zunichtegemacht hatten. Dennoch zeigte die deutsche Mannschaft eine konzentrierte Leistung. "Wir haben ja auch den Adler auf der Brust, deshalb wollten wir mit einem Sieg hier rausgehen", sagte Kapitän Uwe Gensheimer. Gislason richtete den Blick am Tag danach bereits nach vorn. Mitte März geht es für die DHB-Auswahl in Berlin gegen Schweden, Slowenien und Algerien um die Fahrkarte zu den Sommerspielen in Tokio. "Das Qualifikationsturnier wird nicht einfach. Aber ich bin optimistisch, dass uns das, was wir hier gemacht haben, dann helfen kann."

Denn bei aller Kritik am frühen WM-Aus: Es gab auch Lichtblicke im neuformierten DHB-Team. "Für Spieler wie Johannes Golla, Philipp Weber und Timo Kastening war das Turnier extrem wichtig, um in höheren Hierarchieebenen besser zu funktionieren", befand Hanning. Gislason sah ebenfalls viele gute Ansätze. "Was die Jungs geschafft haben in dieser kurzen Zeit, ist schon sehr beachtlich. Da gibt es Taktiken, für die ich Monate gebraucht habe in Kiel, die jetzt bei der Mannschaft schon ziemlich flüssig laufen", stellte er zufrieden fest.

Andreas Wolff, der gegen Brasilien nur auf der Tribüne saß, gehörte wie Kapitän Gensheimer zu den WM-Verlierern. Sie zeigten immer wieder Schwächen. Vor allem Gensheimer sah sich harter Kritik ausgesetzt. Gislason verteidigte ihn aber. Er sei ein guter Kapitän.

Bereits im Viertelfinale sind: Ungarn, Spanien, Dänemark, Ägypten.