Bürgermeisterwahl in Herrischried

Am Freitag steht fest, ob Herrischried wählt

Michael Krug

Von Michael Krug

Di, 24. März 2020 um 11:24 Uhr

Herrischried

Herrischrieds Bürgermeister Christof Berger hat seinen Gemeinderat zur Sondersitzung am kommenden Freitag eingeladen. Einziger Tagesordnungspunkt: die Bürgermeisterwahl am 26. April

HERRISCHRIED. Herrischrieds Bürgermeister Christof Berger will in Sachen Bürgermeisterwahl Nägel mit Köpfen machen. Sollte es das Innenministerium des Landes am Freitag den Kommunen überlassen, ob sie die anstehenden Bürgermeisterwahlen durchziehen wollen, kommt am selben Abend ab 19 Uhr der Herrischrieder Gemeinderat zu einer Sondersitzung zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt: die Bürgermeisterwahl.

Seinen Standpunkt zur Frage, ob an dem Wahltermin 26. April festgehalten werden soll, machte Berger gegenüber der Badischen Zeitung bereits in der gestrigen Ausgabe klar: "Sollte das Land nicht vernünftig entscheiden, werden wir als Gemeinde in die Position gerückt, vernünftig zu entscheiden", sagte Christof Berger – und ließ durchblicken, dass er für eine Absage "großes Verständnis" hätte.

Im Gemeinderat selbst ist das Stimmungsbild zu dieser Frage noch sehr diffus. Nicole Allgaier, Pressesprecherin des CDU-Ortsverbandes und Mitglied des Gemeinderats, ist noch zwiegespalten. "Priorität hat zuallererst die Gesundheit der Bevölkerung. Der Aufwand, den man deswegen machen müsste, wäre sicher groß. Aus gesundheitlichen Gründen müsste man die Wahl absagen", meint sie und würde auch verstehen, wenn die Herrischrieder von sich aus als Grund für die Absage die fehlende Möglichkeit, die Kandidaten kennenzulernen, artikulieren würden. Aber ein Stimmungsbild aus der Bevölkerung habe sie keines, gibt sie zu. "Wahrscheinlich ist Corona eben derzeit doch wichtiger", sagt sie. Und auch innerhalb der Fraktion scheint man sich noch unsicher zu sein. Am liebsten, das spürt man im Gespräch, wäre es ihr, aus Stuttgart käme eine klare Direktive. Aus den REihen der CDU hat sich bekanntlich Christian Dröse für den Posten als neuer Bürgermeister beworben.

Bei den Freien Wählern, aus deren Reihe ja Manfred Krüger seinen Hut um den Bürgermeisterposten in den Ring geworfen hat, hat man am Dienstagnachmittag noch kein Stimmungsbild der Fraktionskollegen eingeholt. "Das werden wir jetzt angehen", sagt Ingrid Grieshaber.

Dirk Bürklin, Fraktionssprecher der Grünen im Herrischrieder Gemeinderat, sieht derzeit keinen Sinn dahinter, eine Wahl auf Biegen und Brechen abzuhalten. "Zum einen ist die Bürgermeisterwahl eine Personenwahl. Man konnte die Kandidaten aber nicht kennenlernen. Ich wurde schon gefragt, wen man denn wählen solle, wenn man nur die Hälfte kennt." Den kommenden Bürgermeister nur über die Zeitung oder das Internet kennenzulernen, finde er dann doch ein "bisschen eindimensional". Und dann hätten die Menschen doch gerade auch ganz andere Sorgen als eine Bürgermeisterwahl. "Es ist sinnvoll, das bleiben zu lassen und zu einem späteren Zeitpunkt geregelt durchzuführen", sagt Bürklin, der aber betont, nur für sich und nicht seine ganze Fraktion zu sprechen. Ein Stimmungsbild habe er noch nicht abgefragt.

Und dann gibt es da ja noch das Beispiel Bonndorf. Die Gemeinde hat am Montagabend ihre für 10. Mai angesetzte Bürgermeisterwahl abgesagt. Eine Wahl in Zeiten von Kontaktsperren sei nicht denkbar, so die Begründung.

Sollte die Landesregierung am Freitag also entscheiden, dass die Wahl Ende April abgesagt und verschoben wird, ist auch die Sondersitzung hinfällig. Findet das Land keine klaren Worte, findet die Sondersitzung ab 19 Uhr ausnahmsweise in der Rotmooshalle statt, unter allen nötigen und entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen.