Angst ist das beherrschende Thema

Paul Eischet

Von Paul Eischet

Di, 24. September 2019

Schopfheim

Lokale und regionale Politik-Größen setzen sich im VHS-Talk mit dem Zusammenhang zwischen Politik und Gefühl auseinander.

SCHOPFHEIM. Politik und Gefühl – zwei Begriffe, die auf den ersten Blick wenig gemein haben. Im Rahmen der Langen Nacht der Volkshochschulen am Freitag widmete sich eine Talkrunde im Kulturcafé in der Kulturfabrik Schopfheim diesem Thema. Der Titel der Gesprächsrunde lautete "Die Macht der Gefühle und das Gefühl der Ohnmacht – Gefühle in der Politik" und unter den Teilnehmern war lokale wie auch regionale Politik-Prominenz, vom CDU-Stadtrat Jeannot Weißenberger bis hin zum Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Zickenheiner.

Als Talkgäste waren geladen: Jonas Hoffmann (Stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD), Michael Straub (Arbeitskreis Integration Schopfheim, früherer Grünen-Stadt- und Kreisrat), Gerhard Zickenheiner (Bundestagsabgeordneter der Grünen) und Jeannot Weißenberger (Mitglied des VHS-Ausschusses, CDU-Stadtrat). Die Moderation teilten sich die Leiterin der VHS Katrin Nuiro und der Schriftsteller Wernfried Hübschmann – auch er ist Politiker als SPD-Gemeinderat in Hausen. Ambitioniertes Ziel der Talkrunde war es, Themen der im Obergeschoss der VHS zu besichtigenden Plakatausstellung "Die Macht der Gefühle – Deutschland 19 | 19" aufzunehmen. Die bundesweit gezeigte Ausstellung beinhaltet 20 Themenplakate. Auf jedem dieser Plakate wird ein Gefühl und damit einhergehende politische Entwicklungen und Ereignisse in Deutschland von 1919 bis 2019 thematisiert.

Zunächst wurde jeder der vier geladenen Talkgäste gebeten, sich durch Auswahl einer entsprechend beschrifteten Karte für jenes "Gefühl" zu entscheiden, das der Zündfunken für das eigene politische und gesellschaftlich Engagement war. Jeannot Weißenberger entschied sich für Solidarität, Gerhard Zickenheiner, der zwei Karten entnahm, für Empörung und Hoffnung und Michael Straub für Empathie. Jonas Hoffmann wählte die Angst, und seine Begründung vermochte zu beeindrucken: Behütet aufgewachsen in Maulburg, ging er 2010 als Entwicklungshelfer nach Afghanistan, wo er mit dem Gefühl der Angst in Berührung kam.

Von nun an blieb Angst das vorherrschende Thema in der Talkrunde. Vor allem die Angst vor Fremden wurde diskutiert. Gerhard Zickenheiner führte aus: "Natürlich haben wir Ängste, natürlich macht es einem Teil der Bevölkerung Angst, wenn 1,5 Millionen Leute von außen kommen, und sie sehen auch noch anders aus und sprechen eine andere Sprache." Das Schlimme, so Zickenheiner, sei nicht die Erstangst, sondern das, was daraus gemacht würde. Er verwies auf die bewusst angewandte Taktik der AfD, Ängste in der Bevölkerung zu schüren, vermied es aber, die Rechtspartei namentlich zu erwähnen. Eine Zuhörerin meldete sich zu Wort und berichtete, dass eine ihrer Töchter in Freiburg bereits zweimal überfallen worden sei. Die rationale Entgegnung des Bundestagsabgeordneten, Deutschland sei noch nie so sicher gewesen wie heute, vermochte nicht alle Zuhörer zu überzeugen.

Leider war es aus zeitlichen Gründen nur insgesamt drei Zuhörern vergönnt, sich kurz in die Diskussion einzubringen. Hier offenbarte sich der Schwachpunkt der Gesprächsrunde: Sie war von vornherein auf eine Gesamtdauer von lediglich 30 Minuten begrenzt. Kaum hatte sie begonnen, war sie auch schon wieder zu Ende. In der Kürze der Zeit konnten tiefergehende, kontrovers und leidenschaftlich geführte Diskussionen gar nicht erst entstehen. Durchaus interessante Themen mit Gesprächspotential, wie die Rolle der Frauen in der Politik, konnten nur andeutungsweise gestreift, mit den Gästen aber nicht mehr diskutiert werden.

Für einige emotionale Glanzpunkte des Abends sorgte Katrin Nuiro, die mit ihrer pointierten und humorvollen Moderation bei den Zuhörern wiederholt für Gelächter sorgte. Und Lachen ist ja schließlich ein schönes und befreiendes Gefühl.