Anlauf zur Sanierung der Güterbahn

Thomas Wüpper

Von Thomas Wüpper

Do, 17. September 2020

Wirtschaft

Wachstum statt Personalabbau soll der Bahnsparte mehr Verkehr und wieder Gewinn bringen.

. Nach jahrzehntelangem Schrumpfkurs und Milliardenverlusten soll der Frachttransport auf der Schiene bei der bundeseigenen Deutschen Bahn wieder eine Erfolgsgeschichte werden. Die Güterbahn DB Cargo will künftig komplette und möglichst CO2-freie Lieferketten organisieren und zum größten Bahnlogistiker Europas werden. Spätestens bis Mitte der 2020er Jahre werde das Unternehmen mit seinen 30 000 Mitarbeitern nachhaltig profitabel sein, kündigte Vorstandschefin Sigrid Nikutta am Mittwoch in Berlin an.

DB Cargo ist einer der größten Problemfälle des Staatskonzerns, im ersten Halbjahr stehen auch wegen Corona fast 500 Millionen Euro Verluste in der Bilanz. Die DB-Tochter hat viele Kunden an Lkw-Speditionen und private Güterbahnen verloren, zahlreiche Sanierungsversuche scheiterten. Mit Nikutta soll die Wende gelingen und das nur noch zu einem Drittel ausgelastete Netzwerk aus 2700 Loks, 82 000 Güterwagen und 4200 Gleisanschlüssen in 17 Ländern Europas in die Gewinnzone kommen.

Die frühere Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe war Wunschkandidatin der Arbeitnehmervertreter. Statt mit Kürzungen soll nach ihren Plänen Wachstum helfen, die Jobs zu sichern und die Verkehrswende hin zu umweltschonender Mobilität zu befördern, da ein Güterzug mehr als 50 Lkw-Fahrten ersetzen kann. Kunden sollen komplette Angebote aus einer Hand, mehr Service und einfacheren Zugang zum umweltschonenden Transport per Bahn bekommen. DB Cargo will bis zu 400 neue Loks bestellen und die Transporte mit digitaler Technik effizienter und schneller machen.

So soll der defizitäre Einzelwagenverkehr, bei dem Güterzüge bisher von Hand auf Rangierbahnhöfen zusammengestellt werden, durch automatische Kupplungen leistungsfähiger werden. Dazu laufen mehrere Tests, ein europaweiter Einsatz ist das Ziel. Um komplette Lieferketten organisieren zu können, bietet sich die verstärkte Kooperation mit dem DB-Schwesterunternehmen Schenker an, der größten Lkw-Spedition Europas mit mehr als 76 000 Beschäftigten. Deren Kauf hatte der frühere Konzernchef Hartmut Mehdorn damals auch damit begründet, dass deren Logistiksparte verstärkt kombinierte Bahntransporte organisieren könne, was aber bisher nur selten passiert.