Prozess

Apotheker soll Krebsmedikamente von 4600 Patienten gestreckt haben

Axel Spilcker

Von Axel Spilcker

Fr, 10. November 2017 um 14:57 Uhr

Deutschland

Ein Bottroper Apotheker soll Krebsmedikamente von 4600 Patienten gepanscht und so Millionen verdient haben. Vor Gericht geht es um Betrug und Körperverletzung. Denn Tötungsdelikte wären laut Strafverfolgern nicht nachweisbar.

Die Liste will nicht enden. 788 Seiten, gerastert in Excel-Tabellen. Nummer, Datum, Herstellungs-ID, Name, Geburtsdatum, Wirkstoff des Krebsmittels, Dosis. Mehr nicht. Und doch steht jede der insgesamt 61.980 Rubriken der Anklage gegen den Bottroper Apotheker Peter S. für ein tragisches Einzelschicksal.

Es ist ein nüchternes Register für gebrochenes Urvertrauen in die Medizin: Gut 4600 schwerkranke Patienten soll der 47-jährige Pharmakologe mit gepanschten Krebsmitteln hintergangen haben.

38 Ärzte und Krankenhäuser hatten ihm nach Informationen des Kölner Stadt-Anzeigers über Jahre hinweg Verordnungen über die Behandlung mit immens teuren Anti-Krebswirkstoffen (Zytostatika) zukommen lassen. Und doch fiel den Medizinern nicht auf, dass die üblichen Nebenwirkungen bei ihren Patienten ausblieben. In seinem Labor fertigte der Inhaber der "Alten Apotheke" Infusionsbeutel zur Chemo- oder Spritzen für eine Antikörpertherapie an. Mittel, die helfen sollten, die Tumorerkrankungen zu bekämpfen, um die Hoffnung auf ein verlängertes Leben zu nähren.

Konzentrationen der Medikamente bis zu 84 Prozent schwächer
Stattdessen, so die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ...

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