Interview

Arbeit als Parfümeur: "Zuckerwatte und frisches Gras gibt Erdbeere"

Yves Bellinghausen, Joshua Kocher

Von Yves Bellinghausen & Joshua Kocher

Sa, 04. September 2021 um 18:27 Uhr

Panorama

BZ-Plus Wieso braucht ein gutes Parfüm einen "Haken"? Wie kann man den Duft eines geliebten Menschen einfangen? Parfümeur Marc vom Ende kennt alle Tricks – und kreiert im Jahr rund 1500 Düfte.

Duschgel, Autoinnenräume und Klosteine – all dem hat Marc vom Ende den Duft verliehen. Besonders stolz ist der Parfümeur darauf, die Grapefruit als Duft groß gemacht zu haben. Er arbeitet bei Symrise, einem Duft- und Aromenentwickler in Holzminden. Seine Düfte kreiert vom Ende meist in einem Spandauer Hinterhof. Dort hat er über seiner Wohnung ein Büro und Mini-Labor eingerichtet. Im Flur duftet es nach Vanille, im Labor läuft Jazz-Musik. Während des Interviews rollt Marc vom Ende, der seit einem Motorradunfall 2011 im Rollstuhl sitzt, immer wieder an die Duftorgel – einer Sammlung von Flakons, Pipetten und Schälchen.
BZ: Herr vom Ende, mal geht es um den Geruch von New York an einem regnerischen Nachmittag. Mal sollten Sie eine Meeresbrise im Pinienhain in ein Parfüm packen. Für solche Aufträge müssen Sie ständig auf Reisen sein.
Marc vom Ende: Das habe ich alles im Kopf. Ich muss nur schon mal eine Meeresbrise und Pinien gerochen haben. Dann überlege ich, wie ich diesen Effekt erzielen kann.
BZ: Sie fangen Meeresluft ein und mischen Pinienöl bei?
Ende: Nein! Für die Meeresbrise versuche ich mit Dihydromyrcenol eine wässrig-frische Note einzubringen und mit Florazon eine ozonige Leichtigkeit zu schaffen. Für den Pinienduft benutze ich eher Stoffe, die in der Kombination Pinie ergeben. Pinienöl alleine würde nur nach Sauna riechen. Deswegen kommen da Ambrocenide für die ambrisch-holzige Note rein, Cis-3-Hexenol für eine Grün-Note und Thymol sorgt für das Würzig-Aromatische. Diese Kombination verschiedener Stoffe nennt man Akkord. Ein schönes Beispiel dafür ist: Wenn ich den Duft von frisch gemähtem Gras mit Zuckerwatte mische, ergibt das Erdbeere.
"Wir haben 350 Geruchsrezeptoren in der Nase, die miteinander agieren."
BZ: Wie kommen Sie auf sowas?
Ende: Durch Ausprobieren, das kann man nicht vorhersagen. Dafür sind Düfte zu komplex. Wir haben 350 Geruchsrezeptoren in der Nase, die miteinander agieren. Total verrückt, was da abgeht, nicht mal die Forschung versteht das richtig. Schauen Sie, ich will Ihnen mal etwas zeigen.
(Marc vom Ende kramt eine Schachtel mit Duftrohstoffen aus einem Regal, zieht zwei Fläschchen raus und tunkt Riechstreifen hinein)
Das eine ist Zimtrindenöl, das andere ...

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