Kinderarbeit

Arbeiten statt spielen

Linué Birnbaum, Klasse 8c, Rotteck-Gymnasium, Freiburg

Von Linué Birnbaum, Klasse 8c, Rotteck-Gymnasium & Freiburg

Do, 10. September 2015 um 17:15 Uhr

Schülertexte

Wenn Kinder nicht mehr spielen dürfen, sondern arbeiten gehen müssen, stimmt was nicht. Nein, Kinderarbeit darf nicht sein, findet Linué Birnbaum. Sie ist Schülerin der Klasse 8c des Rotteck-Gymnasiums in Freiburg.

Weltweit müssen rund 100 bis 250 Millionen Kinder zwischen drei und 15 Jahren Arbeiten ausüben, die nach dem UN-Menschenrechtskonventions-Gesetz nicht für sie geeignet sind. Das ist ungefähr jedes sechste Kind auf der Welt. Die Zahlenwerte sind erschreckend hoch: In Lateinamerika 60 Millionen Kinder, davon 20 Millionen in Brasilien, elf Millionen in Mexiko, eine Million in Guatemala und 800 000 in Kolumbien. In Indien sind es 44 Millionen Kinder und in Bangladesh betrifft es 15 Millionen.

Für Fabrikbesitzer und Kinderhändler und sogar für ganze Industriezweige ist es ein lukratives Geschäft, da die Kinder auch wesentlich billigere Arbeitskräfte als erwachsene Arbeiter sind. Der Tageslohn liegt oft unter 50 Cent, dafür müssen sie zwischen 8 und 14 Stunden unter unwürdigsten Bedingungen arbeiten. Aus diesem Grund können sie auch niemals eine Schule besuchen, was ihre Zukunftsaussichten jedoch extrem verbessern würde. Doch viele Eltern können kaum den täglichen Lebensunterhalt der Familie finanzieren, geschweige denn den Schulbesuch ihrer Kinder. Somit bleibt diesen nichts anderes übrig, als mit zum Einkommen beizutragen.

Nicht selten werden die Kinder von ihren Eltern getrennt, werden diesen unter falschen Versprechungen auf ein besseres Leben für wenige Euro abgekauft und somit in die Sklaverei gezwungen. Der Einsatz von Kinderarbeitern erstreckt sich über ein weites Spektrum. Nicht nur in Fabriken, auch in der Landwirtschaft, in Minen und Steinbrüchen, aber auch als Haushaltshilfen oder Straßenverkäufer. Und nicht selten werden Kinder zur Prostitution gezwungen. Häufig kommt es bei der harten Arbeit zu Verletzungen, doch die Kinder müssen weiterarbeiten und erhalten keine medizinische Versorgung.

Erschreckend ist, dass viele Warenhändler in Deutschland fest davon überzeugt sind, dass ihre Produkte, die im Ausland hergestellt werden, fair, unter guten Umständen und ohne Kinderarbeit hergestellt werden. Selbst die Zertifikate, die Waren auszeichnen sollen, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden, werden in den Herstellerländern mitunter verkauft und sagen somit rein gar nichts aus. Tatsächlich sicher sein können sich Händler nur, wenn sie sich die Mühe machen, die Fabriken direkt vor Ort zu besuchen und sich über die Herstellungsbedingungen ihres Produkts zu informieren.

Obwohl es fast überall auf der Welt verboten ist, Kinder arbeiten zu lassen, ist es in Bolivien seit 2014 erlaubt. Unter der Regierung des Staatspräsidenten Evo Morales dürfen dort Kinder ab zehn Jahren unter bestimmten Bedingungen legal arbeiten. Für dieses Recht gingen die Kinder selbst auf die Straße, haben dafür demonstriert und sich in Kindergewerkschaften organisiert. Ihr großes Ziel ist, aus der Illegalität zu kommen und ihre Familien unterstützen zu können. Die Arbeitgeber verpflichten sich, auf die Gesundheit der Kinder zu achten, für gute Arbeitsbedingungen sowie geregelte Arbeitszeiten zu sorgen, Pausen und eine faire Bezahlung zu gewährleisten. Trotz allem gibt es jedoch auch Kritiker und Gegner, die in Frage stellen, ob dieses Gesetz die tatsächliche Situation der Kinder auf lange Sicht verbessert.

Trotz der vielen Hilfsorganisationen und engagierten Einzelpersonen, die versuchen gegen Kinderarbeit anzukämpfen, konnte diese bisher noch nicht gestoppt werden. Dies wird wohl auch in naher Zukunft mangels umsetzbarer Lösungsvorschläge nicht gelingen.