Rüstungsexporte

ARD zeigt Film über deutsche Waffen, die mexikanische Studenten töteten

Heide-Marie Göbbel /René Zipperlen

Von Heide-Marie Göbbel (KNA)/René Zipperlen

Di, 31. März 2020 um 10:57 Uhr

Kultur

Seit 35 Jahren kämpft der Freiburger Jürgen Grässlin gegen Waffenexporte. Was seine Anzeige gegen Heckler & Koch mit dem ARD-Themenabend "Meister des Todes" zu tun hat.

Nach 35 Jahren Kampf gegen die Rüstungsindustrie kann sich der Freiburger Jürgen Grässlin auf den Mittwochabend freuen: Der zweite Teil des TV-Spielfilms "Meister des Todes" von Autor und Regisseur Daniel Harrich fiktionalisiert seinen Sieg vor Gericht gegen illegale Waffenexporte der Rüstungsschmiede Heckler & Koch in mexikanische Krisenregionen.

Im Film decken Menschenrechtler Zusammenhänge zwischen deutschen Waffenlieferungen und dem Fall von 48 erschossenen Studenten in Mexiko auf. Doch ein eindeutiger Beweis fehlt, es sieht nach einem Freispruch aus. Die Witwe eines Managers des fiktiven HSW-Konzerns will dies verhindern und engagiert eine Menschenrechtsanwältin, die als Prozessbeobachterin vor Ort ist.

Der Spielfilm, den die ARD am Mittwoch, 1. April, um 20.15 Uhr ausstrahlt, bildet den Einstieg in den Themenabend "Waffenhandel", den um 21.45 Uhr die Dokumentation "Tödliche Exporte 2" vertieft. Harrich fragt darin, ob andere Waffenhändler das wegen des Prozesses geplatzte Mexiko-Geschäft von Heckler & Koch übernommen haben. Harrich steht seit sechs Jahren in engem Kontakt mit Grässlin, der im ersten Teil einen Cameo-Auftritt als Demonstrant hat und nun als Prozessbeobachter im Film zusehen ist. Seine Anzeige im April 2010 hatte das Verfahren ins Rollen gebracht. Beide Filme bringen der Arbeit seines Rüstungsinformationsbüros ein Millionenpublikum.

Millionenpublikum für Rüstungskritik

In "Meister des Todes 2" stehen zwei Frauen im Mittelpunkt, die über Prozessverlauf und Falschaussagen empört sind: Anwältin Christiane Schuhmann (Katharina Wackernagel) und Managerwitwe Sabine Stengele (Veronica Ferres). Sabine begleitete ihren Mann Alex (Heiner Lauterbach) immer wieder zu dem Prozess. Der HSW-Vertriebsleiter für Mittel- und Südamerika hatte ein umfassendes Geständnis angekündigt, erlag aber kurz darauf einem Herzinfarkt. Sabine und die Anwältin überlegen, wie sie herausfinden können, ob die mexikanische Polizei mit deutschen Waffen auf die Studenten geschossen hat, und fliegen nach Mexiko. Unterstützt werden sie von Miguel Hernandez (Kristyan Ferrer), dessen Bruder von einer Polizeikugel getroffen wurde und seitdem im Koma liegt. In der Unruheprovinz Guerrero finden sie Beweise, dass die Studenten mit den HSW-Schnellfeuerwaffen SG 38 getötet wurden. Zurück in Stuttgart erleben sie wie einst Grässlin, dass das Gericht die Aussagen der Mexikaner nicht zulässt.

13000 verschwundene Mails und ein "dubioser" Prozess
Wenige Wochen nach dem ersten ARD-Themenabend zu den "Meistern des Todes" 2015 erhob die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nach fünf Jahren Ermittlungsarbeit Anklage gegen Heckler & Koch. "Meister des Todes 2" berichtet nun über den Prozess, der 2019 endete und den Grässlin nicht nur wegen 13 000 verschwundener E-Mails als "dubios" bezeichnet. Schließlich kam die Firmenspitze davon (obwohl sie laut eines Whistleblowers von den Geschäften gewusst hatte), und ein Vertriebsleiter und eine Sachbearbeiterin wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Gelinde Bauernopfer? Seither habe sich allerdings viel getan, betont Grässlin. Die Bundesregierung verbietet seit 2015 Export und Lizenzproduktion von Kleinwaffen wie die im Film gezeigten Maschinengewehre außerhalb von Nato- und EU-Staaten.

Filmemacher Daniel Harrich fragt nach der moralischen Mitverantwortung von Politik und Rüstungskonzernen. Spielfilm und die Dokumentation können aus seiner Sicht im besten Fall erreichen, die Emotionen der Zuschauer auf die fortgesetzten kriminellen Machenschaften der Waffenhändler zu richten, um zu zeigen, dass es beim Export von Gewehren nicht nur um "Geräte", sondern auch um Menschen geht, die unter ihnen leiden.

Deswegen geht für Grässlin der Kampf auch weiter: Er bereitet schon den nächsten Angriff vor – und erwartet mit Spannung ein BGH-Urteil zur Frage, wie der sogenannte Endverbleib von Rüstungsgütern geregelt werden muss.

"Meister des Todes 2": Das Erste, Mittwoch, 1. April, 20.15 Uhr.