AUCH DAS NOCH: Polizeifeindliche Vornamen

Bernhard Walker

Von Bernhard Walker

Di, 08. Juni 2021

Deutschland

Hilft Spott gegen Unfug? Der Twitter-Nutzer Jonas Frank versucht es jedenfalls. "Sie sind da mal wieder einer ganz großen Sache auf der Spur, unbedingt dranbleiben", schreibt Frank bei Twitter an Hans-Georg Maaßen. Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsschutzes hatte sich ebenfalls auf Twitter Gedanken über die Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock gemacht, deren drei Vornamen Annalena, Charlotte und Alma lauten. Macht im Kürzel zusammen mit ihrem Familiennamen: ACAB. So weit, so banal. Doch nun sieht Maaßen, der in Südthüringen CDU-Direktkandidat für den Bundestag ist, in der Namenswahl der Eltern Baerbock für ihre Tochter aus dem Jahr 1980 eine Art linke Verschwörung am Werk. Denn ACAB ist auch das Kürzel für den polizeifeindlichen Spruch "All Cops Are Bastards", zu deutsch: Alle Bullen sind Schweine. Maaßen setzt die beiden ACAB-Kürzel – das für Baerbock und das für die üble Polizei-Kritik – gleich und fragt: "Zufall oder Chiffre?" Weder noch, antworten seine Parteifreunde. Die halten Maaßens Angriff auf die Grünen-Kanzlerkandidatin für "unmöglich, niveaulos" (CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak) oder "unsäglich" (CSU-Vize Dorothee Bär). Und CSU-Generalsekretär Markus Blume meint, dass Maaßen eine "Belastung im Wahlkampf" sei. Und Maaßen selbst? Er sieht seinen Tweet als "honeypot" (Honigtopf) für "grün-linke Hetzer". Gehören auch Ziemiak, Bär und Blume zu diesen? Auf deren Zorn geht Maaßen nicht ein und gratuliert lieber seinem Parteifreund Reiner Haseloff zum Wahlsieg in Sachsen-Anhalt. Wobei das mit der Freundschaft so eine Sache ist. Die schwierigen Leute, die sich in Ostdeutschland tummelten, kämen aus dem Westen, meint der Magdeburger Ministerpräsident. Haseloff wünscht sich eine politische Kultur, die "bestimmte Ausfälle" vermeidet. Doch was bliebe Maaßen dann noch? Schließlich hat er zuletzt nur mit Provokationen auf sich aufmerksam gemacht.