Pandemie

Aufatmen in der Markgräfler Pflege über Ende der Impfpflicht

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 24. November 2022 um 12:56 Uhr

Müllheim

"Ich schreie innerlich hurra": Nach harscher Kritik an der einrichtungsbezogenen Impfpflicht auch aus dem Markgräflerland, freuen sich Einrichtungen nun auf weniger Papierkrieg und mehr Personal.

Die umstrittene Impfpflicht für Beschäftigte in Pflege und Gesundheitsberufen soll auslaufen, heißt es aus Berlin. Auch Einrichtungen im Markgräflerland hatten in den letzten Monaten den Stopp gefordert, mehrfach Kritik und Sorge wegen Personalnot geäußert. Jetzt gibt es ein Aufatmen, zeigt eine BZ-Umfrage.

"Ich schreie innerlich schon hurra", sagt Uwe Alker, der in Müllheim das Elisabethenheim und das Haus am Köhlgarten leitet. Sie gehören zum Evangelischen Sozialwerk, das fünf Pflegeeinrichtungen betreibt und in einem Brief an Gesundheitsminister Karl Lauterbach forderte, die einrichtungsbezogene Impfpflicht zu stoppen. Sie entziehe dem Gesundheitswesen Personal.

Alker durfte acht Kräfte nicht einstellen, weil sie sich nicht impfen lassen wollten, erzählt der Leiter. Er habe sie nicht gedrängt. Jetzt freut er sich. "Gerade war eine künftige Mitarbeiterin da, die von ihrem Arbeitgeber freigestellt wurde." Zum neuen Jahr soll sie bei Alker anfangen. Das Ende der Impfpflicht findet er viel zu spät: "Sie hat Corona in unseren Häusern nicht verhindert und unseren Bewohnerinnen geschadet, da die Betreuung nicht mehr so gegeben war."

Der Caritasverband Freiburg-Stadt war zunächst dafür, weil eine allgemeine Pflicht folgen sollte. Doch die wurde gekippt, und es blieb "ein sehr hoher bürokratischer Aufwand", sagt Nora Kelm, Sprecherin des Verbands. Der betreibt Einrichtungen für Senioren und Behinderte in der Region, darunter das Friedrich-Schäfer-Haus und Haus Ulrika in Heitersheim. Lange habe Unsicherheit bestanden – für Leiter, ob sie genügend Personal haben, für ungeimpftes Personal, ob es künftig ein Gehalt hat. Allerdings betraf das laut Kelm nur einen kleinen Teil: Die Impfquote liege bei rund 95 Prozent.

Auch bei den Helios-Kliniken, die das Krankenhaus in Müllheim betreiben, haben sich die Mitarbeitenden in großer Breite impfen lassen und erhöhte Schutzmaßnahmen getroffen, teilt Leonie Schweighardt mit. Politische Entscheidungsfindungen will die Klinik-Sprecherin für den Breisgau-Hochschwarzwald nicht kommentieren. "Wir halten uns an die gesetzlichen Regelungen."

Mehr zum Thema:

Südwest: Was die Corona-Impfpflicht für Pflegebeschäftigte gebracht hat

Rückblick I: Sozialwerk Müllheim fordert in Brief an Lauterbach sofortigen Stopp der Impfpflicht

Rückblick II: Mitarbeiterin der Behindertenhilfe: "Wir wünschen uns, bald eine Entlastung erleben zu können"