Ortenau

Aufzucht statt Schreddern: Initiative bietet Alternative für männliche Küken

Winfried Köninger

Von Winfried Köninger

Mi, 23. Oktober 2019 um 18:43 Uhr

Gengenbach

Die Initiative Huhn und Hahn will das höchst umstrittene Schreddern von Küken unterbinden. Die Tiere sollen zu Brathähnchen heranwachsen. Martin Zapf aus Gengenbach macht mit.

Die Initiative "Huhn und Hahn" Baden Württemberg macht sich stark für ein Projekt zur Aufzucht von Hähnen aus Legehennenrassen, um das höchst umstrittene Schreddern von eintägigen Küken zu unterbinden. Es gibt ein gutes Beispiel aus der Ortenau.

Das Thema ist brisant und beschäftigt bis auf höchster politischer Ebene. Im Frühjahr 2019 hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, CDU, angekündigt, dass ein baldiges Verbot der millionenfachen Tötung männlicher Küken möglich wäre. Aber es bedarf der Alternativen und Übergangslösungen. Derzeit arbeitet die Wissenschaft an einer Methode zur Geschlechterbestimmung im bebrüteten Ei, um damit die männlichen Tiere vor der Geburt zu erkennen und diese auszusortieren. Bis zur Praxisreife dürfte noch Zeit vergehen und es braucht deshalb Übergangslösungen.

Eine davon ist das Projekt "Huhn und Hahn", initiiert von baden-württembergischen Geflügelzüchtern.

Thekla Walker, Tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, hat sich zusammen mit dem Offenburger Wahlkreisabgeordneten Thomas Marwein beim Motor der Initiative, Martin Zapf vom Geflügelhof Zapf in Gengenbach-Schönberg, umgeschaut und das Projekt näher in Augenschein genommen.

Zapf legt wert, auf Aufzucht der männlichen Küken als Alternative

Martin Zapf bewirtschaftet einen bäuerlichen Legehennenbetrieb mit eigener Futtergrundlage sowie Freiland- und Bodenhaltung. Dem Betrieb ist eine Eierverwertungskette mit Nudel- und Maultaschenproduktion angeschlossen. Zusammen mit mehreren Familienbetrieben aus der Region hat er eine Eier-Erzeugergemeinschaft gegründet. Deren Ziel ist, gemeinsam einen schlagkräftigen und qualitativ starken Eierproduzenten- und -lieferanten zur Versorgung des Lebensmitteleinzelhandels und des weiterverarbeitenden Gewerbes für die Region zu bilden.

Martin Zapf sieht nach eigener Auskunft die Geflügelwirtschaft gesamtheitlich. Deshalb lege er Wert auf eine Aufzucht der männlichen Küken als Alternative zum ethisch nicht vertretbaren Schreddern der Küken.

Die Abgeordneten machten sich zunächst ein Bild von den unterschiedlichen Formen der Tierhaltung. Die Käfighaltung wurde im Zapfhof 2007, vor dem Verbot der Legebatterien, aufgegeben. Martin Zapf: "Meinen Tieren stehen je Tier vier Quadratmeter Freiland zur Verfügung, das ist fast das doppelte wie die gesetzliche Vorgabe für Kinder bei Kindertageseinrichtungen", wie Zapf scherzhaft aber plastisch ausführte.

"Wer Huhn sagt, muss auch Hahn sagen"
Eier-Erzeuger Martin Zapf

Zum Projekt "Huhn und Hahn" merkte er an, dass diese Thematik noch mehr beim Verbraucher ankommen muss. "Wer Huhn sagt, muss auch Hahn sagen", sei sein Credo. Mit dem Kauf der Freilandeier aus der Initiative fördere der Verbraucher die Hähnchenaufzucht. Die Mehrkosten von vier Euro pro Tier gegenüber einer Masthuhnaufzucht unterstützen die Eierproduzenten an ihre Kollegen über den Mehrerlös aus dem Eierverkauf. Da müsse nun auch der Verbraucher mitziehen.

"Auch alle Einrichtungen, wo öffentlich gegessen wird, wie Behördenkantinen und Mensen sind hier gefordert", wie Thekla Walker anmerkte. Die Politik müsse bei dieser Thematik mitziehen, darin waren sich die beiden Grünen-Abgeordneten einig. Wunschziel sei die Geschlechterbestimmung im Ei, das dauere aber noch. Das Tierwohl stehe über allem, deshalb dürfe auch ein eintägiges Küken nicht des wirtschaftlichen Vorteils wegen sterben. "Tiere sind mein Leben, wenn’s mir schlecht geht, gehe ich in den Stall zu meinen glücklichen Hühnern und regeneriere mich", so Martin Zapf